Katholische Kirche im Salzkammergut
Predigt von Sabine Pesendorfer für 19. Juli 2026
- Sabine Pesendorfer.
- Foto: Pesendorfer
- hochgeladen von Kerstin Müller
Die Predigt für den 19. Juli 2026 stammt von Sabine Pesendorfer, Wortgottesleiterin und Begräbnisleiterin in Ohlsdorf, und beschäftigt sich mit Mt 13, 24–30.
OHLSDORF. „Oh mein Gott, du reißt ja die Blumen aus und lässt das Unkraut stehen!“ Das rief meine Mutter, als sie mir beim Jäten im Garten zusah. Ja, ich gebe es zu:
Ich kenne mich nicht aus!
Schließlich wuchs ich in einer Wohnung auf und erst mit dreißig Jahren durfte ich drei große Beete „bewirtschaften“. Ich muss auch zugeben, es ist oft schwer, ein wunderschön wachsendes, zierliches Pflänzchen als Unkraut zu erkennen. Und wenn ich der Bäuerin im Feld zusah, wie sie den ganzen Tag jätete, da ging alles so schnell. Wer weiß, ob da nicht hin und wieder ein gutes Pflänzchen mit ausgerissen wurde.
„Mit dem Himmelreich ist es wie …“
So fängt das heutige Gleichnis an. Ich mag Jesus Gleichnisse, sie zeigen in leicht verständlicher Form, wie ich den Glauben im Alltag umsetzen kann. Und heute spricht er vom Unkraut, das mitten im Weizen wächst. Ein Feind hat es ausgesät. Also, das finde ich echt gemein! Die Knechte möchten es sofort ausreißen. Aber der Bauer meint: „Nein, sonst reißt ihr es mit dem Weizen aus. Lasst es wachsen bis zur Ernte! Dann wird das Unkraut zuerst geerntet und gleich verbrannt. Der Weizen aber kommt dann in die Scheune!“
Taumellolch heißt dieses Unkraut
Man nennt es auch Scheinweizen. Weil es anfangs dem Weizen sehr ähnlich ist. Aber, es ist kein harmloses Unkraut, es ist giftig! Ehrlich, das habe ich vorher auch nicht gewusst, ich musste erst nachschlagen. Da fällt mir wieder die Bäuerin ein, sie würde wohl wie die Knechte schnell die Harke zur Hand nehmen und mit dem Ausjäten beginnen. Aber was der Jesus sagen will: „Tut das nicht, sonst reißt ihr auch viele gute Pflanzen aus. Und jede Pflanze ist wichtig! Jede soll leben.“ In diesem Gleichnis vergleicht Jesus die Pflanzen mit uns Menschen.
Wer ist gut, wer ist schlecht?
Wir teilen gerne die Menschen ein, in gute oder schlechte. Wir teilen ein in brauchbar oder unnütz. Doch nicht alle Alkoholsüchtige, nicht alle Drogenabhängige sind schlecht und nicht alle Gläubige sind gut. Auch unter den Obdachlosen oder Prostituierten gibt es freundliche und liebevolle Menschen und mit Sicherheit waren auch nicht alle Heiligen als Kind immer brav. Natürlich gibt es auch unter uns genügend schlechte Menschen, die andere vergiften. So wie dieses Taumelloch!
Lasst alle wachsen! Sagt Jesus.
„Verzichtet aufs Werten und Ausschließen. Alle haben ein Recht auf Leben.“ Gott ist überzeugt, dass es am Ende eine reiche Ernte geben wird. Ja, das Himmelreich ist nahe. Gott, der Richter, wird uns dann einmal trennen. Trennen von allem Schlechten und Bösen. Wir alle tragen Gutes und Böses in uns. Das Böse soll aber nicht über uns siegen. Wir alle wollen doch einmal in den Himmel hineingetragen werden, so wie der Weizen in die Scheune. Ich finde, das ist ein schönes Gefühl!
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