Einkommensverteilung im Bezirk Gmunden

GMUNDEN.

Konjunktur ist eingebrochen

Das für den Verlauf des Jahres 2012 prognostizierte schwache Wirtschafts-wachstum von deutlich unter einem Prozent ist eingetreten. Damit einher geht ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, die heuer im Jahresschnitt um 24 Prozent höher sein wird als vor Ausbruch der vergangenen Krise (2008).

Die (europaweite) Spar- und Kürzungspolitik verschärft diese Situation. Nach einer vorläufigen Bewertung der gesamtwirtschaftlichen Effekte aus dem Strukturpaket der Bundesregierung durch die AK Wien wird die gesamtwirt-schaftliche Nachfrage gegenüber einem Szenario ohne Konsolidierungspaket im Jahr 2016 um etwa 1,9 Mrd. Euro oder 0,6 Prozent des BIP geringer sein. Im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2016 wird das Wirtschaftswachstum um 0,15 Prozent pro Jahr gedämpft.

Sinkende Lohnquote und Kaufkraftverlust

Zwischen 2009 bis 2011 sind die Gewinn- und Besitzeinkommen in Österreich um 18 Prozent gewachsen. Gleichzeitig stieg die Lohn- und Gehaltssumme nur um rund sechs Prozent. Die Lohnquote ist damit um fast zwei Prozent-punkte auf knapp 67 Prozent gesunken. Wäre sie 2010 und 2011 gleich ge-blieben, hätten die Arbeitnehmer/-innen in diesen beiden Jahren rund sieben Milliarden Euro mehr am Gehaltskonto gehabt. Dadurch wurden der Konsum und die Wirtschaft geschwächt.

Das Preisniveau ist in diesen zwei Jahren um mehr als fünf Prozent angestie-gen. Güter des wöchentlichen Bedarfs sind sogar um mehr als zehn Prozent teurer geworden. Das nominelle Einkommensplus in diesem Zeitraum machte im Durchschnitt pro Kopf insgesamt aber nicht einmal drei Prozent aus. Somit hat ein/e Arbeitnehmer/-in 2011 im Durchschnitt netto um drei Prozent weni-ger zur Verfügung als 2009 – und das obwohl die Produktivität um mehr als zwei Prozent gestiegen ist.

Zu alt für die Arbeit, zu jung für die Pension

Die Anhebung des Pensionsalters bringt viele Arbeitnehmer/-innen in eine unsichere Lage. Über 50-Jährige haben es – neben den Jugendlichen – am schwersten, in Beschäftigung zu bleiben oder zu kommen. Sie befinden sich im permanenten Spannungsfeld zwischen Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Pension.

Besonders besorgt um ihre Zukunft sind Menschen, die aufgrund einer Krank-heit oder körperlicher Erschöpfung nicht mehr arbeiten können, das Regel-pensionsalter aber noch nicht erreicht haben. Ihre einzige Chance auf ein würdevolles Leben ist die Invaliditätspension, mit der ein übles Spiel betrieben wird.

Kranken Arbeitnehmern/-innen wird oft unterstellt, dass sie in Invaliditätspen-sion flüchten. Tatsächlich müssen sich diese Menschen Verfahren mitmachen, die lange dauern (durchschnittlich zwei Jahre), oft zu ablehnenden Beschei-den (Zuerkennungsquote: 35 Prozent) oder befristeten Zuerkennungen führen und letztlich den Gesundheitszustand weiter verschlechtern.

Gmunden bei den Einkommen im Mittelfeld

Je eine Hälfte der 27.600 im Bezirk Gmunden arbeitenden Beschäftigten ver-diente im Jahr 2011 mehr bzw. weniger als 1933 Euro brutto pro Monat (OÖ: 1983 Euro). Damit liegt Gmunden auf Platz neun unter den 18 oberösterrei-chischen Bezirken. Männer kamen auf 2369 Euro (Platz 3), Frauen auf 1334 Euro (Platz 11). Der Einkommensunterschied lag bei 43,7 Prozent (OÖ: 40,4 Prozent).

Im Vergleich zu 2010 ist das mittlere Lohn- bzw. Gehaltseinkommen in Gmunden nominell um zwei Prozent angestiegen (OÖ: plus 2,3 Prozent). Je-nes der Männer stieg um 2,8 Prozent, das der Frauen um 1,4 Prozent.

Ein Bruttoeinkommen über der Höchstbeitragsgrundlage (4200 Euro im Jahr 2011) bekamen knapp 1300 in Gmunden beschäftigte Personen, das sind nur 4,8 Prozent aller Beschäftigten. Jede/r Vierte verdiente weniger als 1240 Euro brutto.

Große Betriebe, hohes Einkommen
Das unterdurchschnittliche Einkommensniveau hängt unter anderem mit der Betriebsstruktur zusammen: Rund ein Drittel der in Gmunden Beschäftigten arbeitet in kleinen Betrieben mit weniger als 20 Arbeitnehmern/-innen (OÖ: 23,8 Prozent). Nur 36,5 Prozent sind in größeren Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern/-innen beschäftigt (OÖ: 52,4 Prozent).

Durch berufliches Pendeln zu Arbeitsorten außerhalb des Bezirks können sich die in Gmunden wohnenden Beschäftigten ihr Einkommen leicht verbessern: Die Medianeinkommen aller in Gmunden wohnenden Arbeitnehmer/-innen lagen im Jahr 2011 bei durchschnittlich 1968 Euro. Frauen kamen auf 1401 Euro, Männer auf 2456 Euro.

Großer Einkommensunterschied auch bei Vollzeit

Vollzeitbeschäftigte Männer aus Gmunden verdienten im Jahr 2010 durch-schnittlich 3124 Euro (OÖ: 3103 Euro), Frauen kamen auf 2235 Euro (OÖ: 2230 Euro). Damit verdienten Frauen um 28,5 Prozent weniger als Männer (OÖ: 28,1 Prozent).

Im Vergleich zu 2009 ist das durchschnittliche Lohn- bzw. Gehaltseinkommen bei Vollzeit bei Männern um 2,1 Prozent und bei Frauen nominell um 2,5 Pro-zent gestiegen.

Der Equal Pay Day ist jener Tag, ab dem Frauen aufgrund der Einkommens-nachteile bis zum Jahresende umsonst arbeiten. Im Bezirk Gmunden war am 18. September Equal Pay Day, landesweit am 20. September.

14 Prozent mehr Arbeitslose als vor der Krise

Im Bezirk Gmunden waren im Durchschnitt des vergangenen Jahres 1726 Menschen arbeitslos, um 9,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, aber um 14 Prozent mehr als 2008, dem Jahr des Ausbruchs der Wirtschaftskrise. Die Arbeitslosenquote betrug 2011 in Gmunden 4,2 Prozent (OÖ: 4,2 Prozent).

Der Arbeitskräfteüberschuss lag im 3. Quartal 2012 im Bezirk Gmunden bei 2431 Personen. Zum Arbeitskräfteüberschuss zählen neben den offiziellen Arbeitslosen weitere Personengruppen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, aber derzeit nicht (aktiv) beschäftigt sind, vor allem Schulungsteil-nehmer/-innen.

Im Jahresdurchschnitt 2011 erhielten die beim Arbeitsmarktservice registrier-ten Gmundner/-innen Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe in Höhe von 780 Euro monatlich (OÖ: 773 Euro). Der durchschnittliche Bezug der Männer be-trug 846 Euro, jener der Frauen nur 693 Euro (OÖ: 850 bzw. 668 Euro).

146 Gmundner/-innen beziehen Mindestsicherung
Im März 2012 bezogen 146 Gmundner/-innen die Bedarfsorientierte Mindest-sicherung. In einem Drittel der Fälle wurde diese für Kinder in Anspruch ge-nommen. Die Bezieher/-innen sind mehrheitlich weiblich: 56,8 Prozent sind Frauen.

Forderungen

• Gerechtes Entgelt: Durch produktivitätsorientierte Lohnpolitik, eine Anhe-bung des Mindestlohns auf mehr als 1300 Euro und gleichen Lohn für glei-che / gleichwertige Arbeit wird eine gerechtere Einkommensverteilung mög-lich.

• Arbeit fair teilen und schaffen: Durch kürzere Vollarbeitszeit, weniger Überstunden und einen Ausgleich bei Lohn und Personal sollen die vor-handene Arbeit fair verteilt und neue, dauerhafte und gute Arbeitsplätze geschaffen werden.

• Kommunales Beschäftigungsprogramm: Bis zum Jahr 2014 sollen im Rahmen eines Kommunalen Beschäftigungsprogramms 3400 neue Ar-beitsplätze im Bereich Kinder- und Altenbetreuung in Oberösterreich ge-schaffen werden. Ein Drittel des notwendigen Volumens von rund 153 Milli-onen Euro würde innerhalb eines Jahres in Form von Abgaben bzw. Steu-ern wieder zurückfließen. Zum unmittelbaren Beschäftigungseffekt kommt der Nutzen für die Kunden/-innen dieser zusätzlichen Angebote.

• Schaffung eines budgetären Spielraums aus den Konsolidierungseffek-ten des Strukturpakets der Bundesregierung, um im Bedarfsfall rasch und effektiv gegenzusteuern zu können, wenn aus der prognostizierten Kon-junkturdelle eine Rezession mit entsprechenden negativen Arbeitsmarktef-fekten entsteht. Es ist eine ökonomische Tatsache, dass eine gerechte und gleichmäßige Verteilung von Einkommen und Vermögen die Konjunktur an-regt und damit hilft, den Spagat zwischen Beschäftigungssicherung und Budgetkonsolidierung besser zu schaffen.

• Faire Steuerpolitik: Durch einen niedrigeren Eingangssteuersatz bei der Lohnsteuer sowie durch den Beschluss einer Vermögenssteuer auf hohe Privatvermögen, einer Erbschaftssteuer auf hohe Erbschaften und einer Börsenumsatzsteuer bis zur Einführung einer EU-weiten Finanztransakti-onssteuer soll das österreichische Steuersystem gerechter werden.

• Mindestsicherung auf existenzsicherndem Niveau: Die Bedarfsorien-tierte Mindestsicherung muss über die Armutsschwelle, die 2010 bei 1031 Euro zwölfmal im Jahr lag, angehoben werden.

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