Bezirksbauernkammer Gmunden
Landwirtschaft kämpft weiter mit Wassermangel
- Christian Zierler, Bettina Zopf und Franz Waldenberger (Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ).
- Foto: MeinBezirk/K. Müller
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Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen im gesamten heurigen Jahr bereiten den landwirtschaftlichen Betrieben im Bezirk Gmunden nach wie vor große Sorgen.
BEZIRK GMUNDEN. Die Auswirkungen der fehlenden Niederschläge zeigten sich praktisch bei allen Kulturen. "Unsere Bäuerinnen und Bauern spüren die Folgen der Trockenheit unmittelbar. Das Niederschlagsdefizit betrug laut Oberösterreichischer Hagelversicherung in den Sommermonaten bis über 90 Prozent. Selbst im Inneren Salzkammergut, das üblicherweise kaum mit Wassermangel zu kämpfen hat, war es heuer deutlich spürbar", erklärt Bezirksbauernkammer (BBK)-Obmann Christian Zierler aus Bad Ischl. "Ich habe das auch selbst nicht so am Schirm gehabt, dass das so schnell anders werden kann!", betont Zierler. Durch die geringen Erntemengen stellen sich Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter gerade in den Grünlandregionen des Bezirks die Frage, ob sie Futter zukaufen oder Tierbestände reduzieren sollen. Nachdem von der Dürre praktisch das gesamte Bundesgebiet betroffen ist, muss ein Futterzukauf großräumiger gedacht werden, wenn die Aktion von Lagerhäusern, RWA und Maschinenring zeigt, die vom europäischen Markt 1.200 Lkw-Fuhren Heu für heimische, tierhaltende Betriebe zukauften. Ein Beispiel für innerbäuerliche Solidarität erlebten Bauern in St. Wolfgang. So wurde auf knapp 50 Hektar abgeernteter Getreidefelder in den Ackerbauregionen des Bezirks Feldfutter angebaut, das zweimal geerntet werden kann, bevor im nächsten Frühling Mais oder Soja ausgesät wird. Bei dieser Aktion haben sich 13 Landwirte zusammengeschlossen. "Falls diese Niederschlagsdefizite weiter anhalten, hat nicht nur die Landwirtschaft ein Problem. Dann müssen wir als Gesellschaft das Thema Wasser neu denken", so Zierler.
Bäuerliche Betriebe zeigen hohe Anpassungsfähigkeit
Der Bezirk Gmunden ist mit 1.432 Quadratkilometern der flächenmäßig größte Bezirk Oberösterreichs, wovon aber rund 80.000 Hektar, also zu knapp 56 Prozent, mit Wald bedeckt sind. Landwirtschaftlich zählt Gmunden zu den vielfältigsten Bezirken: Vom alpinen Bereich und extremen Bergbauerngebieten im Inneren Salzkammergut mit Tierhaltung mit eigentlich allen landwirtschaftlichen Tierarten, über Fischerei, einem starken forstwirtschaftlichen Flächenanteil bis hin zu spezialisiertem Ackerbau mit Getreide und Ölsaaten sowie Sonderkulturen und Gemüse ist im Bezirk Gmunden alles anzutreffen. Neben der mehr als vielfältigen Urproduktion spielen auch Direktvermarktung sowie Green Care und Urlaub am Bauernhof eine wesentliche Rolle. Trotz der schwierigen Bedingungen zeigen die bäuerlichen Familienbetriebe erneut ihre große Anpassungsfähigkeit und ihr Verantwortungsbewusstsein. Durch den hohen Dauergrünland-und Almanteil (knapp 55 Prozent der Nutzfläche), moderne Bewirtschaftungsmethoden, gezielte Bodenbearbeitung und den Aufbau humusreicher Böden im Ackerbau versuchen viele Betriebe, Wasser im Boden möglichst lange zu speichern und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Wetterextremen zu erhöhen. Dies wird durch das Österreichische Umweltprogramm (ÖPUL) unterstützt.
Wesentlicher Beitrag zur Versorgung
Gleichzeitig macht die aktuelle Situation deutlich, wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen für die heimische Lebensmittelproduktion sind. Die Bauernfamilien in der Region leisten täglich einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln. Damit dies auch in Zukunft möglich bleibt, braucht es Verständnis für die Herausforderungen der Landwirtschaft und eine stärkere Wertschätzung regional erzeugter Produkte. „Die zunehmenden Wetterextreme zeigen, dass unsere bäuerlichen Familienbetriebe vor immer größeren Herausforderungen stehen. Die Konsumenten geben mit ihrer Kaufentscheidung jedes Mal einen Produktionsauftrag. Wer regionale Lebensmittel kauft, stärkt die heimische Landwirtschaft und trägt dazu bei, die Versorgungssicherheit in Oberösterreich langfristig zu sichern", ist Zierler überzeugt. Auch die Vorsitzende des Bäuerinnenbeirates Nationalratsabgeordnete Bettina Zopf aus Altmünster appelliert an den Handel: "Es sollten keine Dumpingpreise für Lebensmittel angeboten werden. Wir müssen Konsumenten noch mehr davon überzeugen, wie wichtig regional einkaufen ist – es sichert unsere regionale Versorgung. Man beachte: Vor 50 Jahren haben Haushalte mit 22 Prozent des Haushaltseinkommens doppelt so viel wie heute ausgegeben."
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