Frequency Jugend St. Pölten
Frequency St. Pölten 2026, ein Nachklang
- hochgeladen von Roul Starka
St. Pölten. St. Suderer. Es ist komplett wurscht, was man in STP macht: es wird gesudert. Wir wohnen ganz nah am Frequency, nichts hat gestört. Kein unangenehmer Lärm, aber Musik der Jugend. Ebenfalls waren die Jugendlichen, denen wir täglich am Schwaighof oder beim Billa-Plus begegnet sind, sehr höflich, lachend, gut aufgelegt, gesünder geht nicht. Wetter, Sturm, Absage am Freitag: keine Beschwerden am Fest selbst - aber quer durch die Dauerfrustigen. Im Winter werden sie zu den Punschständen wandern und ihre grausigen Grunzvokale in die Luft dröhnen.
Sie werden
Sie werden vom Gatsch und von den tollen Wilden am Woodstock Festival 1969 schwärmen. Sie werden weiter bei 41° Grad Celsius im Sommer an den Stehbars vom „normalen“ Sommer grunzen, „es ist Sommer, wos woin die?!“ Sie werden bei überdurchschnittlicher Kälte im Winter ihren „is hoid koit, is hoid Winter“ Dunst ausatmen und mit ihrem klapprigen Zwerchfell wedeln. Sie werden bei einem warmen Winter sagen: „Is jo ka Wunder, die Politiker, die Temperaturen, ois nur mehr a Witz.“ Zu Corona sagten sie: „Das ist nur eine Grippe, lächerlich, die Politiker wollen uns alle vergiften mit ihren Impfungen!“ Sie glauben nicht an die Mondlandung, sie glauben nicht an 9/11, sie glauben nicht an die Wissenschaft, sie glauben nicht mal an die Physik. Das ist für sie auch eine Erfindung der bösen Politiker.
Ihr Lebensinhalt
Ihr Lebensinhalt ist an nichts glauben, nichts sehen, nichts hören, nichts spüren. Sie sudern seit ihrer Geburt. Wenn ihnen etwas nicht gelingt, ist irgendwer anderer schuld. Wenn sie täglich Alkohol trinken, müssen sie trinken, weil die Arbeit, die Frau, der Chef, die Stadt, die Wirtschaft, die Josefstraße, die Fahrradfahrer, die Autofahrer, der Europaplatz, die Ampel auf Rot, letztendlich Mama und Papa an allem schuld sind. Aber sie hatten 1982 einen BMW 323i, also fast. Sie kennen wen, der wen kennt, nämlich „der wohnt jo in Nu Joak!“ Dann bestellen sie das nächste Achterl oder schalten am Fernseher um und essen alte, kalte Pizza, lustlos, frustriert, herztot, hirntot. Und würden U2 am Rathausplatz spielen, es wären „Ausländaaa!“
Sie haben
Sie haben eine Liste für Dinge, die sie erledigen müssen, dringend, „des is dringend, des is wichtig für mi.“ Die Liste ist aus 2019, und es wird wieder wer schuld sein, dass es nicht funktioniert. Ich glaube auch, dass sie morgens nicht nett sind zu ihrem Spiegelbild. Nichts und niemand kann sie umstimmen. Aufpassen, man kann an diesem Menschentyp zerbrechen, er hängt dir in der Sekunde einen unsichtbaren 100 Kilo Rucksack um. Er zieht dich runter bis in den Dreck. Der ist nämlich auch überall, „ois nur mehr a Witz, na und der, deea? Na, waunnst mi frogst…“ Nein, nichts frage ich ihn, den Suderer. Ich hör mir jetzt Paul Kalkbrenner an, im Kopfhörer, laut, und ein Regen und ein Sturm tanzen in meinem Bauch, so schön.
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