05.10.2016, 08:00 Uhr

St. Pölten: Rote Stadt ganz religiös

Innenraum der Prandtauerkirche: Im Jahr 1918 fiel die Kirche in den Besitz der Stadt. 1964 wurde sie der Diözese übergeben. (Foto: Thomas Ledl/Wikipedia)

Kulturpflege: Erhaltung von zehn größeren Kapellen und über 120 Denkmälern wird von Stadt finanziert.

ST. PÖLTEN (red). Eine österreichische Stadt als Besitzerin einer Kirche? In Zeiten der Trennung von Staat und Kirche undenkbar, könnte man meinen. Und wenn, dann eher im christlich orientierten ÖVP-Lager als in einer SP-regierten Stadt. Doch ganz so strikt wird dann doch nicht getrennt, wenn man einen Blick auf die Vielzahl der Denkmäler und Bauten mit religiösem Hintergrund im ganzen Land wirft.
Als ein herausragendes Beispiel kann die Prandtauerkirche in St. Pölten angeführt werden. Im Jahr 1918 fiel die Kirche in den Besitz der Stadt St. Pölten. Verschiedene Verwendungsmöglichkeiten, wie ein Konzertsaal, Kino oder Museum seien in den Folgejahren zur Diskussion gestanden, ehe die Kirche ab 1934 von der Stadt an die Diözese vermietet und 1964 schließlich übergeben wurde.

Der "kirchliche Besitz" der Stadt geht aber weit über die Prandtauerkirche hinaus: Auf dem Gebiet der Stadt inklusive Katastralgemeinden stehen zehn größere Kapellen mit zum Teil kirchenähnlichem Charakter, rund 90 kleine Kapellen, Bildstöcke, Marterl und Wegkreuze, 12 Glockenstühle, 19 Heiligenfiguren oder Figurensäulen und acht Kriegerdenkmäler. Hinzu kommen die Denkmäler auf Friedhöfen. All diese Bauten mit religiösem Bezug werden von der Stadt verwaltet beziehungsweise mitbetreut. "Die meisten wurden von Dorfgemeinschaften, der Bürgerschaft, aber auch von Einzelpersonen oder Familien errichtet oder gestiftet", heißt es aus der Kulturabteilung der Stadt.

25 Denkmäler, die Dreifaltigkeitssäule am Rathausplatz etwa, stehen unter Denkmalschutz. Die Stadt ist verpflichtet, diese Objekte zu erhalten. Die Restaurierungskosten werden von der Stadt getragen. Bei den Objekten, die nicht unter Denkmalschutz stehen, werden Renovierungsarbeiten laut der Kulturabteilung meist von Gemeinschaften selbst durchgeführt. In diesen Fällen werden meist die Materialkosten von der Stadt übernommen. Die dahingehenden Summen sind allerdings überschaubar: Im Jahr 2015 wurden von der Stadt knapp 4.000 Euro für Restaurierungen und 1.150 Euro für den Betrieb der elektrischen Glockengeläute in den Katastralgemeinden aufgewendet.
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