Stadtbetriebe Steyr
Bilanz und Blick in die Zukunft
- Foto: Magistrat Steyr I Presse
- hochgeladen von Sandra Kaiser
Für die Stadtbetriebe Steyr GmbH (SBS) war das Jahr 2020 eine große Herausforderung. Einerseits forderte die Corona-Pandemie die öffentliche Versorgung und auch die im August aufgetretene Verunreinigung des Trinkwassers sowie die darauf folgende Chlorung waren eine Prüfung für die Leistungsfähigkeit der SBS. Und natürlich dürfen auch die großen Zukunftsfragen nicht außer Acht gelassen werden – Stichwort Klimawandel.
STEYR. Während der Corona-Krise konnte die öffentliche Versorgung, wie die Müllentsorgung, die Bestattung, der öffentliche Verkehr sowie die Gas- und Wasserversorgung, immer aufrechterhalten werden. Auch das Altstoffsammelzentrum war bis auf wenige Tage im März geöffnet. In Steyr wurde stets zusammengearbeitet. Der Magistrat, die Stadtbetriebe und die Kommunalbetriebe arbeiteten gemeinsam, um gut durch diese Krise zu kommen.
• Die Busse fuhren die ganze Zeit, wenn auch teilweise eingeschränkt. Während der Lock-down-Phasen wurde der Fahrplan jedoch ausgedünnt. Als der Schulbetrieb wieder startete, gab es dann kurzzeitig übervolle Busse. Mit Verstärkerfahrten wurde aber rasch reagiert.
• Die Freizeiteinrichtungen wurden so gut wie möglich offen gehalten. Die Sauna hat leider seit März zu, das Hallenbad hat mittlerweile seit dem 3. November geschlossen. Das Freibad konnte im Sommer unter strengen Einschränkungen in Betrieb gehen.
Die Kunsteisbahn ist der einzige Freizeitbetrieb, der derzeit in Betrieb ist. Hier kam es aufgrund der gesetzlichen Besucherbeschränkung auf 100 Personen zu längeren Wartezeiten. Mittlerweile wurde der Wartebereich vor der Kunsteisbahn optimiert und ein telefonisches Anmeldesystem eingerichtet. Aufgrund des großen Besucherandrangs wurden die Öffnungszeiten erweitert, so hat der Eislaufplatz jetzt auch vormittags geöffnet.
Die Corona-Pandemie war für Mitarbeiter*innen der Stadtbetriebe Steyr eine gewaltige Aufgabe. Die SBS haben eine sehr schlanke Struktur, dadurch müssen die Beschäftigten in Krisen, wie der Corona-Pandemie oder während der Trinkwasser-Problematik, Herausragendes leisten.
Trinkwasser
Am 28. August 2020 musste aufgrund einer mikrobiologischen Beeinträchtigung des Trinkwassers mit Escherichia coli (Messwert: 12 KBE/100 ml) und Enterokokken (Messwert: 8 KBE/100 ml) über die halbe Stadt ein Abkochgebot verordnet werden.
• Am 1. September wurde mit Hilfe der Linz AG ein Gerät zur Chlorung des Trinkwassers installiert. Die Desinfektion des Leitungsnetzes lief von Beginn an zufriedenstellend, und nach wenigen Tagen konnte im gesamten Netz keine Belastung mehr festgestellt werden.
• Am 11. September konnte das Abkochgebot für die meisten Betroffenen aufgehoben werden, am 18. September auch für die 1500 Bewohner*innen der Gründbergsiedlung, von Unterhimmel, der Steinfeldstraße, von Aichet sowie Teilen des Wehrgrabens.
• Nach der Notchlorung wurde eine Chlorung in der Konzentration von 0,24 mg/Liter beigemengt. In vier Schritten konnte die Eintropf-Konzentration auf 0,15 mg/Liter, 0,1 mg/Liter, 0,07 mg/Liter und am 12. Jänner zum letzten Mal auf 0,04 mg/Liter verringert werden.
• Um einen sicheren Ausstieg aus der Behandlung des Trinkwassers bestmöglich garantieren zu können, wurde von 14. bis einschließlich 20. Dezember 2020 über 276 Objekte in Gründberg, an der Steinfeldstraße und in Kegelpriel erneut ein Abkochgebot verhängt. In dieser Zeit wurde in diesem Bereich die Chlorung gestoppt und geprüft, ob es zu einer neuerlichen Verkeimung gekommen ist. Dabei wurde keine neue Belastung festgestellt.
• Das Gerät zur Chlorung wurde am 26. Jänner um 9 Uhr von der Linz AG abgebaut. Um bei einem eventuellen Störfall zukünftig schneller reagieren zu können, werden die Stadtbetriebe ein Chlorungsgerät anschaffen.
• Die Situation mit dem Trinkwasser sorgte auch für Diskussionen in der Politik und der Bevölkerung. Einerseits wurde die Kommunikation zu Beginn kritisiert und andererseits auch der Umgang mit der Verunreinigung diskutiert. Auf berechtigte Kritik wurde eingegangen und es wurde versucht, so transparent wie möglich zu kommunizieren. Die Stadtbetriebe haben in der gesamten Zeit mit den besten Experten des Landes zusammengearbeitet und alle Entscheidungen im Einvernehmen und auf Rat von externen Fachleuten getroffen.
• Die Kosten, die aufgrund der Chlorung des Trinkwassers, der Ursachenforschung und der Behebung der Verunreinigung entstanden sind, lassen sich noch nicht genau beziffern. Sie liegen aber im Bereich von 100.000 Euro, ohne eigene Leistungen. Der Imageverlust für das an sich ausgezeichnete Steyrer Trinkwasser ist natürlich nicht zu beziffern.
• Für das Ungemach, das die Bevölkerung durch das Abkochgebot hatte, wird für das Jahr 2021 von der vom Land OÖ vorgesehenen Erhöhung der Wasserbezugs- und Kanalbenützungsgebühr abgesehen. Dadurch sparen die Steyrer*innen heuer immerhin mehr als 230.000 Euro.
• Die Ursache für die Verkeimung konnte, trotz großem Aufwand, nicht gefunden werden. Fest steht nur, dass nicht die Quellen, die Hochbehälter oder das Leitungs-Netz der SBS der Ausgangspunkt der Verunreinigung waren. Die im Zuge der Kontrollen an den Wasserübergabestellen bei den Abnehmern gefundenen Schwachstellen wurden behoben.
Zukunftsthemen
Neben den vielen Serviceleistungen, die die Stadtbetriebe für die Steyrer Bevölkerung erbringen, sind auch Zukunftsthemen für die SBS von zentraler Bedeutung. Als Betreiber des städtischen, öffentlichen Verkehrs, als Energieversorger und auch als Unternehmen mit 145 Mitarbeiter*innen gibt es Vieles zu tun, um die Stadt zukunftsfit zu machen, sei es bei der Digitalisierung oder im Klimaschutz.
Öffentlicher Verkehr
• 1-2-3-Klimaticket: Mehr Fragen als Antworten gibt es bei der angekündigten, bundesweiten Öffi-Jahreskarte. Die SBS und auch die Stadt Steyr begrüßen diese Idee. Bei der Umsetzung muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Kosten nicht bei den Betreibern hängen bleiben, vor allem nicht bei jenen Betreibern, die bisher schon vorbildlich gearbeitet haben. In den öffentlichen Verkehr muss massiv investiert werden. Die Stadtbetriebe und die Stadt geben pro Jahr – bei etwa drei Millionen Fahrgästen – 2,5 Millionen Euro für das Busnetz aus. Hier ist kein Spielraum mehr, zusätzliche Mittel müssten daher vom Bund kommen.
• Für die Stadtbusse werden neue Fahrscheinautomaten, bei denen eine Bankomat- und NFC-Zahlung möglich ist, angeschafft. Da diese Geräte vernetzt sind, wäre auch eine Echtzeit-Abfahrtsanzeige möglich. Die Anschaffung von insgesamt 27 Automaten sowie die Software-Lizenzen schlagen in den kommenden zehn Jahren mit 1,3 Millionen Euro zu Buche.
• 2020 wurde die laufende Modernisierung der Busflotte fortgesetzt. Im vergangenen Jahr nahmen zwei neue Gelenkbusse und der sogenannte Kunstbus für die Linie 5 den Dienst auf. Heuer werden die ersten beiden Hybrid-Busse geliefert. Wo die Reise hingehen wird – Wasserstoff, Gas oder Elektro – ist noch offen. Elektrobusse sind derzeit für Steyr noch ungeeignet, einerseits aufgrund der schwachen Förderungen und andererseits, da man aufgrund der eingeschränkten Reichweite deutlich mehr Fahrzeuge als derzeit benötigen würde. Fest steht, dass die Stadtbetriebe über eine topmoderne Flotte verfügen und auch in Zukunft auf dem neuesten Stand sein werden.
• Verbesserungen im Busnetz: Im vergangenen Jahr wurde der Takt der Linien 5 und 7 verdichtet. Dafür wurden 300.000 Euro investiert. Weitere Verbesserungen des Fahrplanes sind derzeit in Diskussion.
• Als Dankeschön haben die Stadtbetriebe an die Jahreskartenbesitzer*innen jeweils zwei kostenlose FFP2-Masken verschickt.
Klimaschutz
• Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der SBS-Zentrale wird 2021 vergrößert. Die Leistung der 2018 beim Kommunalzentrum an der Ennser Straße errichteten zwei Photovoltaikanlagen beträgt in Summe knapp 40 kWp Leistung in Betrieb genommen. Heuer wird diese Anlage um 100–160 kWp erweitert. Mit dem Ankauf von Elektrofahrzeugen werden die SBS die Sonnenkraft zukünftig ideal ausnutzen.
• Für die Bremsung des Klimawandels ist vor allem das Energiesparen wesentlich. Bei der SBS ist zu diesem Zweck ein Energiesparberater beschäftigt, der Bürger*innen in diesen Fragen berät. Seit die Stadtbetriebe 2015 die „Steyrer Energiesparoffensive" gestartet haben, ist mittels Öffentlichkeitsarbeit zur Bewusstseinsbildung viel passiert. Eine Serie im Steyrer Amtsblatt hat beispielsweise mittlerweile 40 Teile und behandelt Themen von Mobilität, über Elektrogeräte bis hin zu klimafreundlichem Bauen und Heizen.
• Beim Energiesparen gehen die Stadtbetriebe aber auch selbst mit gutem Beispiel voran. 2018 starteten die SBS ein umfassendes Energieoptimierungs- und Instandsetzungsprogramm der Haustechnikanlagen des Kommunalzentrums an der Ennser Straße 10. Betroffen waren die Bereiche Heizungs- und Lüftungstechnik, die Mess-, Steuer-, Regel- und Elektrotechnikanlagen, die Druckluftanlage sowie das Beleuchtungssystem.
Das erzielte Einsparpotenzial beträgt etwa 392.000 kWh pro Jahr (entspricht dem Jahresenergiebedarf von ca. 21 Haushalten). Durch die Energiespar- und Energieeffizienzmaßnahmen werden jährlich an die 145 Tonnen CO2 weniger emittiert.
• Strom aus erneuerbaren Energien: Die Stadtbetriebe Steyr beziehen zur Versorgung ihrer Betriebsobjekte von natürlich 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien.
• Im Jahr 2019 wurde die Stadtbetriebe Steyr GmbH für ihr Engagement als Klimabündnisbetrieb ausgezeichnet.
Zahlen, Daten, Fakten der Stadtbetriebe Steyr GmbH:
140 Mitarbeiter*innen
Eigentümer: Stadt Steyr (100 Prozent)
Ca. 25 Millionen Euro Umsatz (2019)
1,4 Millionen Euro Gewinn (2019)
Geschäftsführung: Peter Hochgatterer
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