Bleibt die ständige Angst

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WEYER. In der Nacht von 23. auf 24. Mai wurden auf einem Milchschafsbetrieb in Weyer, in unmittelbarer Nähe des Hofes, zwei Schafe einer rund zehn Tiere umfassenden Herde gerissen. Die Herde befand sich auf einer elektrisch gesicherten Weide. Nun konnte im Zuge der DNA-Analyse, bei den zwei analysierten Proben, Wolfs-DNA nachgewiesen werden.
"Mir macht die Ungewissheit, dass es jeden Tag wieder passieren kann, Sorgen. Soll ich morgen meine Herde wieder auf die Weise lassen, wenn in unmittelbarer Nähe von meinem Betrieb Tiere angefallen werden", so Klaus Kaltenbrunner, Besitzer der Schafe. Der Vorfall im Mai fand nur wenige Meter neben seinem Wohngebäude statt. Kaltenbrunners Wunsch wäre es, bei auffälligen Wölfen und solchen, die die Nähe der Menschen nicht scheuen, eine Entnahme zu gestatten.

Sorge um Kinder

Auch die Ortsbauernschaft Weyer steht hinter Kaltenbrunner. "Aus Sicht der Landwirte, sehen wir nicht ein, dass wir das Futter für den Wolf zur Verfügung stellen sollen, denn unsere langjährige Zuchtarbeit kann nicht einfach mit Geld abgegolten werden. Wir als Nutztierhalter sind besorgt um unsere Tiere, die für uns den selben Stellenwert haben wie Hund und Katz für nicht Landwirte." Der Wolf tötet nicht nur aus Hunger, sondern auch aus Lust. "Jeder Wolf-Befürworter sollte sich die Fotos der bestialisch getöteten Schafe und Ziegen anschauen und darüber nachdenken, ob er das mit seiner Tierliebe vereinbaren kann." Aber nicht nur um die Tiere wird sich gesorgt. "Wir sind der Meinung, dass sich die Wölfe nicht so unkontrolliert vermehren sollten, um sich auch den Höfen zu nähern. Denn unsere Kinder im ländlichen Raum sind es gewohnt, sich selbstständig in der freien Natur zu bewegen und somit bleibt uns die ständige Angst"

Aus für Kulturlandschaft

Auch in anderen Gebieten und Bundesländern ist der Wolf bereits aktiv. "Zurzeit ist es bei uns noch ein Einzelfall, möglicherweise ein Wolf aus einem Gehege! Dem muss noch nachgegangen werden. Trotzdem ist höchste Zeit zu handeln. In anderen Bundesländern beispielsweise im Salzburger Pongau hat fast jede Nacht ein Wolf ein Weidetier gerissen. Die von der Europäischen Kommission empfohlenen Herdeschutzmaßnahmen wie Schutzzäune, Hirten oder speziell ausgebildeten Hirtenhunden können sich die betroffenen Betriebe nicht leisten und sind auch schwer umsetzbar! Schon jetzt verzichten dort zahlreiche Landwirte auf den Auftrieb, da sie ihre Tiere nicht dem Wolf überlassen möchten. Das müssen wir unbedingt verhindern. Kommt der Wolf, stirbt die Almwirtschaft und unsere Kulturlandschaft, welche wir geschaffen haben, wird verwildern", so die Obfrau der Bezirksbauernkammer Steyr, Edeltraud Huemer.

Wolfsmanagement

Aufgrund der europaweiten FFH-Richtlinie genießt der Wolf höchsten Schutzstatus. Wölfe dürfen daher weder gejagt, noch gefangen, noch getötet werden. Das trägt mittlerweile zu seiner raschen Vermehrung und großen Ausbreitung bei. Das zurückkehrende Wildtier verursacht jedoch zunehmend Probleme, beispielsweise in der Schweiz, in Südtirol oder in Sachsen. Hier formieren sich bereits massive Proteste in den betroffenen Regionen. "Jenen, die fordern, der Wolf müsse auch bei uns wieder heimisch werden, muss klar sein: Das wäre das Ende der naturnahen Weidehaltung unserer Nutztiere, das Ende unserer traditionellen Almwirtschaft. Statt gepflegter, offener Kulturlandschaft käme Verwaldung, vom Sicherheitsaspekt und den negativen Folgen für den Tourismus ganz abgesehen. Wir fordern daher ein Umdenken und ein Wolfsmanagement, das einerseits den Wildtierbestand europaweit sichert, es andererseits aber bewirtschafteten und besiedelten Regionen ermöglicht, wolfsfrei zu bleiben", erklärt Landtagsabgeordnete Regina Aspalter.

Wolf ist hinterlistig

"Die Jägerschaft ist natürlich alarmiert", sagt Bezirksjägermeister Rudolf Kern. Durch die Zersiedelung und die Aktivitäten glaubt Kern nicht daran, dass es zu einer Rudelbildung kommt. "Einzelne Tiere können aber vermehrt bei uns durchstreifen". Kern sieht auch im Zusammenhang mit der Rotwildbewirtschaftung Probleme. "Wird das Wild bei den Fütterungsplätzen beispielsweise durch einen Wolf gestört, werden sie ihr Futter woanders suchen. Das hat wiederum Auswirkungen auf die forstwirtschaftlichen Kulturen". Der Bezirksjäger kann sich Zonen, wo der Wolf vertretbar ist und Wolfsfreizonen für den alpinen Raum vorstellen. "In Kulturlandschaften mit Almbetrieben lässt sich das nicht vereinbaren".
Was also tun, wenn man als Wanderer plötzlich einem Wolf gegenübersteht? "Der Wolf ist hinterlistig und greift nicht direkt an. Er schleicht sich an und schlägt dann zu. Nicht weglaufen und laut schreien kann helfen".
In der näheren Umgebung gibt es auch Tierparks, wo unter anderem Wölfe gehalten werden. "Es wäre sinnvoll, von diesen Tieren DNA zu entnehmen, damit man bei einem weiteren Vorfall weiß, ob es sich um einen Wolf aus Gehegehaltung oder ein wildes Tier handelt", so Kern. Wolfssichtungen, Wolfsspuren und gerissene Wildtiere sind umgehend beim Landesjagdverband zu melden.

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