09.10.2014, 22:27 Uhr

Seit 18 Jahren Hilfe für depressive Menschen

Obmann Ewald Kreuzer (re.) und Finanzreferent Christian Pramhas vom Verein pro homine mit Spenderin Michaela Frech vom Bürgerforum Steyr. (Foto: Thöne)

Der Steyrer Verein pro homine hofft seit Jahren vergeblich auf eine städtische Förderung. Es geht um die Deckung der Unkosten von 500 Euro.

STEYR. Unzähligen Menschen hat der 1996 gegründete Steyrer Verein pro homine („Für den Menschen“) schon geholfen. Selber erfährt der Verein allerdings keine Hilfe – was die finanzielle Förderung durch die Stadt Steyr betrifft. Alle Ansuchen wurden bisher abgelehnt. Dabei geht es um keine Unsummen, sondern um die Deckung der jährlichen Kosten von rund 500 Euro.

Anregung: Sozialpreis verleihen
„Der Verein ist eine Ergänzung zu anderen Angeboten für psychisch Erkrankte. Ich empfinde es als Schande, dass dieses Engagement der Stadt keinen Cent wert ist“, sagt Vereinsmitglied und Gemeinderat Wolfgang Glaser (Wahlbündnis VP-Bürgerforum). „Ehrenamt heißt nicht, dass etwas nichts kostet.“ Glaser regt überdies einen „Sozialpreis“ in Steyr an – als Anerkennung für ehrenamtliche Sozialorganisationen.

Um die heurigen Unkosten des Vereins zu decken, springt das Bürgerforum in die Bresche. Gemeinderätin Michaela Frech überreichte dem Verein am 3. Oktober 2014 einen Scheck im Wert von 500 Euro. „Es sollte für die Stadt selbstverständlich sein, diesen Verein zu unterstützen“, sagt sie. Die Stadt gebe sehr viel Geld aus, derzeit etwa für Fischaufstiege. „Da müsste man doch auch 500 Euro haben, um Menschen zu retten!“

Tag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober

Der Verein pro homine nutzt jährlich den „Tag der psychischen Gesundheit“ am 10. Oktober, um zum Thema seelische Gesundheit zu sensibilisieren und über hilfreiche Angebote für Menschen mit psychischen Problemen hinzuweisen.
„Unser Aufgabenschwerpunkt ist es, Maßnahmen gegen die Volkskrankheit Depression zu setzen und zur Suizidprävention beizutragen“, sagt Vereinsgründer und Obmann Ewald Kreuzer.

Depression: Film und Vortrag

Anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit zeigen der Verein und die Steyrer Buchhandlung Ennsthaler am Freitag, 10. Oktober 2014, um 19 Uhr im Citykino Steyr den Film „Veronika beschließt zu sterben“ nach dem Bestseller von Paulo Coelho. Der Eintritt ist frei. Freiwillige Spenden sind willkommen. Die Buchhandlung Ennsthaler bietet vor und nach dem Film einen Büchertisch mit Büchern von Coelho sowie zum Thema Depression an.
Am Montag, 13. Oktober, spricht Ewald Kreuzer um 19.30 Uhr im Dominikanerhaus Steyr zum Thema „Depression – eine Volkskrankheit?“ Er gibt hilfreiche Tipps für Betroffene sowie Angehörige und zeigt Wege aus der Depression. Im Anschluss informiert der Verein pro homine über die von ihm begleiteten Selbsthilfegruppen.

Selbsthilfegruppe im Dominikanerhaus
In Steyr lädt der Verein jeden zweiten Montag im Monat um 19.30 Uhr im Dominikanerhaus zu einer von zwei Lebensberatern begleiteten Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen und deren Angehörige ein. Dort ist ein ungezwungener Austausch möglich. Auch die gemeinsamen Freizeitaktivitäten (einmal im Monat – Ausflüge, Kino, Theater, Sport) kommen gut an. Auch in Linz und Wels ist der Verein aktiv, 2012 hat er den Gesundheitspreis der Stadt Linz erhalten.

Mehr Suizide als Verkehrsunfälle
„In Österreich gibt es mehr Selbstmorde als Verkehrsunfälle“, sagt Ewald Kreuzer. „2013 haben sich 1291 Menschen das Leben genommen, davon 222 in Oberösterreich.“ Rund 800.000 Menschen sind bundesweit von Depressionen betroffen (mehr Männer als Frauen), die Dunkelziffer ist hoch. „Eine Depression ist eine Krankheit, die jeden treffen kann“, betont Kreuzer. Das Vorurteil, eine Depression sei mit Schwäche und Lebensuntüchtigkeit verbunden, ist weit verbreitet. Wer Hilfe annimmt, könne Wege aus der Depression finden, versichert Kreuzer.

Die Zahl der Patienten steigt
Die steigende Zahl psychischer Erkrankungen bekommt in Steyr auch die Abteilung für Psychiatrie des LKH Steyr zu spüren. „Wir haben einen Zuwachs an Patienten, die vor allem stressbedingt unter psychischen Beeinträchtigungen leiden“, sagt Primar Wolfgang Brandmayr. „Durch unser vielfältiges ambulantes Gruppenangebot (Depressions-Info-Gruppe, Skills-Training, Soziales Kompetenztraining, Achtsamkeitstraining), neben Sozialarbeit, Beratung/ Psychotherapie durch Pro mente-Mitarbeiter und die enge Vernetzung zu extramuralen Einrichtungen – wie auch zum Verein pro homine – erfahren die Menschen im Raum Steyr ein bedarfsgerechtes Behandlungsangebot mit relativ kurzen Wartezeiten.“

Peer-Ausbildung absolviert
Zu den Angeboten des Vereins pro homine zählt die Peer-Beratung von Betroffenen für Betroffene. Vereinsmitglied Ilse Ahammer hat die Ausbildung – ein vom Land OÖ anerkannter Sozialberuf – kürzlich erfolgreich abgeschlossen. Auch Beratung, Vorträge und Seminare für Unternehmen – zugunsten der psychischen Gesundheit der Mitarbeiter – werden angeboten. „Die Burn-out-Prävention soll ein weiterer Servicebereich unseres Vereins werden“, kündigt Obmann Ewald Kreuzer an.

Spendenkonto
Der Verein ist nach wie vor auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen. Werden Sie Vereinsmitglied oder spenden Sie! Ihre Spende hilft!
IBAN: AT69 4353 0351 2076 0000

http://www.pro-homine.at
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