Schule der Alm
Heuziehen im Valsertal: Helfer willkommen

Ein Teil des Heus wurde heuer schon ins Tal gebracht, weitere Fuhren stehen in den nächsten Tagen an.
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  • Ein Teil des Heus wurde heuer schon ins Tal gebracht, weitere Fuhren stehen in den nächsten Tagen an.
  • Foto: Werner Kräutler
  • hochgeladen von Tamara Kainz

VALS.Die "Schule der Alm" geht heuer in das fünfte  Jahr ihres Bestehens. Und die Alm-Lehrer sind auch jetzt, mitten im Winter im Einsatz.

Die "Schule der Alm" ist ein Erfolgsprojekt. Fernsehstationen aus dem In- und Ausland berichten regelmäßig über die sinnstiftende Tätigkeit des Vereins, der sich mittels Freiwilligeneinsätzen für die Erhaltung des Kulturerbes Alm und das Bergmahd einsetzt.

Mehr als Freizeitbeschäftigung

"Das Interesse freut uns natürlich, aber gegründet wurde die Initiative schon rein aus dem Grund, dass wir die viele Arbeit überhaupt bewerkstelligen können", stellt Sennerin Helga Hager klar. Ihr geht es also in erster Linie darum, dass ihre Ziegen im Winter mit bestem Heu versorgt sind. "Hochwertige Futtermittel wie das Bergheu fördern die Gesundheit der Tiere ebenso, wie gute Ernährung dem Menschen wohl bekommt", so Hager. Sie sieht sich daher auch in der "Botschafterrolle": "Wir wollen ein Verständnis dafür schaffen, dass die Lebensmittel und andere Erzeugnisse, welche die Bauern teils unter harten Bedingungen produzieren, mehr wertgeschätzt werden."

Einheimische ebenso angesprochen

Zahlreiche Angebote, wie die Schnupperkurse, bieten sich auch heuer dafür an, das Almleben wirklich kennenzulernen. Diese richten sich freilich nicht nur an Gäste, die die Abwechslung suchen (und dann oft geläutert heimgehen), sondern auch an Einheimische. "Gerade für das Heuziehen jetzt im Winter wäre es schön, wenn sich einige sportliche junge Herren aus der Umgebung bereit erklären würden, mitzuhelfen", verweist Hager auf Unterstützungsbedarf. Wer sich angesprochen fühlt, kann sich jederzeit beim Verein melden.

Selten gewordene Tradition

Apropos Heuziehen: Um einen kleinen Einblick zu vermitteln, wie das Ganze abläuft, dürfen wir nachstehend dankenswerterweise den Blogbeitrag des Obmanns der Schule der Alm, Werner Kräutler, auszugsweise wiedergeben: "In aller Herrgottsfrühe werden die 'Ferggl' über die Schulter gelegt und das 'Staggl' in die Hand genommen. Jetzt warten rund 450 Höhenmeter und knietiefer Schnee auf die Heuzieher, bevor die Männer auf Finaul ankommen.
Denn im Valsertal wird im Winter noch Heu gezogen. Das ist selten geworden in Tirol. Es wird jenes Heu zu Tal gebracht, das im Sommer und Spätsommer geerntet worden ist. Von den Lagerplätzen aus (das kann eine sogenannte Heu-Pille oder aber ein Schober, ein im Freien errichteter Heukegel, sein) wird das duftende Heu auf urtümliche Geräte gebunden und zu Tal ‚gezogen‘. Bisweilen in ganz und gar nicht ungefährlichem Karacho.
Ende Dezember wurde Heu unseres Lehrers Hans 'Joosn' Holzmann zu Tal gebracht. Von seinem einzigartig schönen Bergmahd Finaul. Verbunden sind die körperlichen Anstrengungen mit wahrhaft außergewöhnlichen Aussichten auf das Valsertal und den Padauner Kogel."

Von Haselnussstecken und einem "Wisbam"

Was den ‚Schlitten‘ anlangt: Der besteht aus vier Haselnussstecken in der Länge von etwa 1,80 m. Diese werden von zwei Lochhölzern verbunden und fixiert, dass sie parallel zueinander liegend das Heu aufnehmen können. Um das Heu auf dem Gefährt zu fixieren wird ein ‚Wisbam‘ benötigt. Das ist ein aus einer jungen Fichte geschnittenes Holzstück, das mit viel Kraft über dem Heu vorne und hinten per Seil am 'Ferggl' (das sind die vier Haselnussstecken mit ihren Verbindungen) befestigt wird. So entsteht ein ziemlich gewaltiger Druck, der das Heu zusammenpresst. Diese Kombination wird jetzt ‚Reasl‘ genannt."

Finale in der warmen Stube

Auch eine Bremse ist vorgesehen, der sogenannte ‚Staggl‘, der am unteren Ende eine geschmiedete Stahlspitze aufweist. Mit diesem Staggl verschaffen sich die Heuzieher einerseits beim Aufstieg auf das Bergmahd im meist tiefen Schnee Halt. Bei der Abfahrt dient er andererseits quasi als Joystick und gleichzeitig als Handbremse. Denn der Staggl ist das einzige ‚Gerät’, das ein gewisses Lenken des bis zu 200 kg schweren Gefährtes ermöglicht. Zum Großteil ist es die Gewichtsverlagerung des Heuziehers, der via Staggl den Schlitten im Griff behält. Er ist zudem mit einem über die Schulter geschlungenen Seil mit dem Reasl verbunden.
Wenn die Fuhren erst im Tal sind, werden sie auf einen Anhänger geladen und zu jenem Bauernhof transportiert, der das Heu erhält. Und nach dem Abladen geht’s dann richtig los: Da wird im Bauernhaus ein Essen aufgetischt, dass sich nicht selten der Tisch biegt. Schweinsbraten, Gulasch, Knödel, Salat vom Allerfeinsten. Dass ab und an eine Runde Schnaps aufgefahren wird, ist ebenso selbstverständlich wie die ausgelassene Stimmung bei Tisch."

Finanzielle Unterstützungsmöglichkeit

Die Schule der Alm finanziert ihre Vereinsausgaben ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Öffentliche Gelder werden nicht angenommen. Wer den Verein finanziell unterstützen möchte, hier die Bankverbindung: Schule der Alm, Verein zur Erhaltung von Almen und Bergmähdern, Kto. bei der Tiroler Sparkasse IBAN: AT85 2050 3033 0180 6737, BIC SPIHAT22XXX.
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