Interview
Telfes: Einige heiße Eisen

Bgm. Georg Viertler zu den gewünschten Erweiterungen beim StuBay, dem Thema Nahversorger und dem neuen Gewerbegebiet. | Foto: Kainz
  • Bgm. Georg Viertler zu den gewünschten Erweiterungen beim StuBay, dem Thema Nahversorger und dem neuen Gewerbegebiet.
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TELFES. Als Bürgermeister von Telfes absolviert Georg Viertler derzeit seine zweite Amtsperiode. Der 70-Jährige im Interview.



BEZIRKSBLATT: Herr Viertler, Sie haben ja öfters für den Bürgermeistersessel kandidiert. 2010 hat es dann völlig überraschend geklappt.
Viertler:
Stimmt. Es war damals nicht vorauszusehen, dass ich als Mitglied der SPÖ die Möglichkeit zur Bekleidung dieses Amtes bekomme. Ich gehe davon aus, dass es auch eine Persönlichkeits- Entscheidung war. Inzwischen habe ich mich gut eingearbeitet. Die Aufgabe macht mir Spaß, wenngleich sie oft zeitintensiv ist und viel Kraft erfordert. Auch deshalb, weil ich viele Aufgaben selbst erledige, für die in anderen Kommunen eigenes Personal angestellt ist.


Im Gemeinderat halten Sie mit fünf von 13 Mandaten keine Mehrheit.

Richtig, aber sehr viele Reibungspunkte gibt es nicht. Telfes ist eine Gemeinde mit wenig Einnahmen. Wir haben im Ort nur wenige Gewerbe- bzw. Industriebetriebe und einige große Beherbergungsbetriebe haben aufgehört. Unsere Nachbarn in Fulpmes etwa verzeichnen mehr als das Zehnfache an Kommunalsteuereinnahmen.



Trotzdem ist die Realisierung des StuBay gelungen.

Ja, das war für die Gemeinden eine große Herausforderung. Ich war während des Baus Geschäftsführer – ohne Salär übrigens. Es standen mehrere Varianten, von der gänzlichen Schließung bis zur Sanierung des alten Bades, zur Auswahl. Fix ist, dass Bgm. Robert Denifl und ich wesentlich zur Realisierung des StuBay, so wie es heute dasteht, beigetragen haben. Denn zum Schluss haben wir uns durchgesetzt und die Gemeinden haben sich für den Neubau entschieden. 


... und die Anlage letztlich auch alleine finanziert. Nur Mieders beteiligte sich später noch mit einem Betrag in der Höhe von € 280.000,- an den Errichtungskosten.

Wir haben damals vom Land einen 3-Millionen-Euro-Zuschuss für ein Regionalbad Stubai-Wipptal erhalten. Dadurch, dass Neustift und Schönberg nicht mitgemacht haben, konnten wir auch die Wipptaler Kommunen nicht für eine Beteiligung an unserem Vorhaben gewinnen. Somit haben wir die restlichen Kosten von insgesamt gut zehn Millionen Euro alleine aufgestellt (75 Prozent Fulpmes, 25 % Telfes – die Kommunalsteuer wird fifty-fifty aufgeteilt, Anm. d. Red.) sowie Haftungen der Gesellschaft in der Höhe von 4,7 Millionen Euro übernommen. Im Gesamtbetrieb gelingt es uns derzeit, operativ ausgeglichen abzuschließen. Das heißt, das Freizeitzentrum läuft gut, obwohl das viele so nicht erwartet hätten.



Der TVB Stubai steuert aber auch was bei.

Der TVB Stubai subventioniert das StuBay derzeit mit rund 95.000 Euro jährlich – genauer beläuft sich die Beteiligung auf 1,5 Millionen Euro für die Dauer von 20 Jahren. Das ist aber eine vergleichsweise geringe Summe, wenn man bedenkt, dass seitens des TVB Stubai und von der Gemeinde Neustift angeblich jährlich jeweils ca. 250.000 Euro für den Abgang im Freizeitzentrum Neustift bereitgestellt werden müssen. Wir könnten dieses Geld im StuBay gut gebrauchen, um diese Anlage für alle Gäste und Einheimischen noch attraktiver zu gestalten.



Gibt es denn schon wieder Handlungsbedarf?

Ja. Aufgrund der großen Nachfrage ist eine Erweiterung der Saunalandschaft notwendig. Wir denken an ein zusätzliches Saunagebäude plus einen Saunagarten. Voraussichtlicher Kostenpunkt: rund zwei Millionen. Das kriegen Fulpmes und Telfes alleine nicht mehr hin. Man könnte gleichzeitig auch im Schwimmbadbereich Verbesserungen vornehmen. Es ist halt alles eine Frage der Finanzierung. Für mich ist es jedenfalls schwer verständlich, dass man bei einem Angebot, das wirklich dem ganzen Tal zugutekommt, nicht stärker zusammenhilft.



Was tut sich sonst in Telfes?

Heuer haben wir die Wasserversorgung für die nächsten Jahrzehnte gesichert und im Zuge dessen den neuen Hochbehälter Plöven und eine Versorgungsleitung zwischen Telfes und Plöven gebaut. Über 800.000 Euro sind in dieses Vorhaben geflossen. Was als Nächstes ansteht, ist die Erneuerung großer Teile des Kanals und die Klärwerksanierung, das werden ebenfalls finanzielle Kraftakte für die Gemeinde werden. Und wir zahlen natürlich auch bei den Verbauungen von Halsl- und Schlickerbach mit, verlegen Leerrohre und Versorgungsleitungen für das Breitbandinternet etc.



Infrastrukturell passts soweit ganz gut?

Eigentlich schon. Eine Änderung steht bei unserem Nahversorger bevor: Die derzeitige Betreiberin wird im Mai in Pension gehen. Es gibt einige interessierte Nachfolger. So leicht ist die Gewährleistung des Weiterbetriebes aber leider nicht. Denn die Geschäftsräumlichkeiten sind gepachtet und das Lager gehört der Pfarre. Die Pfarre ihrerseits plant die Errichtung von Eigentumswohnungen. Ich bin daher im Interesse der Gemeinde laufend dabei, mit allen Beteiligten Gespräche zu führen, damit das Geschäft tatsächlich weiter bestehen bzw. betrieben werden kann.


Nicht weit vom SPAR-Markt steht das Hotel Montana – ist es schon verkauft?
Soweit ich weiß, soll es verkauft und umgebaut werden und dann wieder als Beherbergungsbetrieb fortgeführt werden. Das wird seitens der Gemeinde sehr begrüßt und unterstützt. In den letzten Jahren sind ja schon einige andere Gasthäuser weggefallen.



In Sachen neues Gewerbegebiet Fulpmes-Mieders äußerten Sie Bedenken. Warum?

Bei allem Verständnis für das Anliegen unserer Nachbarn – wir befürchten negative Auswirkungen für das südöstliche Wohngebiet. Wir hätten uns gewünscht, bei der Entwicklung oder bei Investitionen eingebunden zu werden, um allenfalls auch einen Nutzen aus der Erweiterung zu ziehen. So aber ist das Gegenteil der Fall. Es soll jetzt auch noch eine neue Zufahrt gegenüber unserem Siedlungsgebiet gebaut werden, obwohl es aktuell schon drei Zufahrtsmöglichkeiten gibt. Das führt zu zusätzlichen Belastungen. Daher haben wir natürlich keine Freude damit, wissen aber, dass wir im Verfahren auch keine Parteistellung haben. 


Werden Sie 2022 wieder kandidieren?

Das werde ich nächstes Jahr um diese Zeit bekannt geben. Aus heutiger Sicht könnte ich es mir vorstellen. Die endgültige Entscheidung hängt aber von mehreren Faktoren ab.
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