Engpass bei Grippe-Impfstoffen
"Da blutet uns das Herz"

V.l.: Kurt Grass, Christine Minatti, Sabine Troyer.
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TELFS, SEEFELD, INZING. In den vergangenen Jahren haben sich zwischen acht und zehn Prozent der Tiroler Bevölkerung gegen die Grippe impfen lassen. Die Apotheken des Landes konnten diesen Bedarf gut decken. Im Jahr 2020 sieht die Situation jedoch ganz anders aus. Die Nachfrage an Grippe-Impfungen hat sich Corona-bedingt sehr stark erhöht, die Apotheken können nicht einmal den Bedarf der Risiko-Patienten abdecken. Woran das momentan drastische Defizit an Grippe-Impfungen in Tirol festzumachen ist und wie die Lage in den Apotheken des Bezirks ist, lest ihr im Folgenden. 

Woher kommt die Knappheit an Grippe-Impfstoffen?

Christine Minatti, Apotheke im Ärztehaus Telfs:
Für mich ist es Tatsache, dass die Regierung einfach zu wenig berechnet hat. Am Anfang des Jahres wurde für heuer eine Grippe-Impfrate von 12% prognostiziert. Das ist natürlich viel zu wenig. Wir haben bis jetzt viel zu wenige Impfungen bekommen. Täglich kommen bei uns 30-50 Bestellungen rein. Das ist ca. fünf mal so viel wie im Vorjahr. Im Dezember soll noch eine Ladung kommen, welche aber auch nicht in Stein gemeißelt ist. Eines ist jedoch klar – aktuell können wir nicht einmal all unsere Risikopatienten mit einem Impfstoff versorgen. 

Christine Minatti, Apotheke im Ärztehaus Telfs
  • Christine Minatti, Apotheke im Ärztehaus Telfs
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Dr. Kurt Grass, Apotheke Seefeld: 
Wir haben zwar (wie die meisten anderen Apotheken auch) bereits im April große Mengen vorbestellt, aus welchen Gründen auch immer, sind diese aber noch immer nicht lieferbar. Den Verantwortlichen hätte schon sehr früh klar sein müssen, dass Impfungen in Corona-Zeiten besonders wichtig sind und dass die Impffreudigkeit um ein Vielfaches steigen wird. Wir konnten in den vergangenen Monaten jeden mit Desinfektionsmittel eindecken, das können wir selber herstellten. Grippe-Impfstoffe können wir aber leider nicht selbst herstellen. Aus diesen beiden Gründen können wir unsere Kunden nur minimalistisch mit Impfungen versorgen. Vor allem Menschen aus Risikogruppen würden es dringend brauchen. Mir und meinem Team blutet das Herz, wenn wir Kunden mit leeren Händen wieder nach Hause schicken müssen, die eine Impfung dringen brauchen würden. Wir haben Kunden, die kommen seit Jahren zu uns in die Apotheke und holen sich ihre Impfung. Es tut weh, diesen Kunden sagen zu müssen, dass es einfach nicht geht, weil nichts da ist. Ich bin seit 15 Jahren hier und die Menschen bekommen meistens alles was sie brauchen. Heuer trifft das zum ersten Mal nicht zu.  

Dr. Kurt Grass, Apotheke Seefeld
  • Dr. Kurt Grass, Apotheke Seefeld
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Sabine Troyer, Apotheke Inzing:
Der verfügbare Grippe-Impfstoff für das Jahr 2020 war schon ausverkauft, bevor er überhaupt produziert wurde. Bis jetzt haben wir nur sehr wenige Impfungen bekommen, was bei der Anzahl an Anfragen nicht mehr ist, als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Vor allem für unsere Stammkunden ist diese Impfungs-Knappheit sehr unangenehm. Viele bringen ihren Frust auch zum Ausdruck. Natürlich müssen wir die Risiko-Patienten vorne anstellten. Aber nichtmal diese können wir zur Gänze versorgen. Es gibt noch immer Personen, die sich nicht bewusst sind, dass die Grippe-Impfung heuer sehr schwer zu bekommen ist. Sätze wie "Ich krieg das jetzt schon seit Jahren, das kann's ja nicht sein." haben wir in letzter Zeit oft gehört. Ca. 600 bis 700. Menschen stehen bei uns bereits auf der Warteliste. Im Dezember soll die nächste Ladung Impfungen kommen. Ich bezweifle allerdings stark, dass diese unseren Bedarf decken werden. Meiner Meinung nach hat man da einfach zu spät reagiert. So viel auf einmal zu produzieren, das geht einfach nicht. Dass im Sommer viele geglaubt haben, Corona sei Geschichte, hat sicher auch nicht geholfen. Wenn man mit den Großhändlern spricht, hört man dass anscheinend viel in Wien hängen bleibt. Ob das so stimmt, wissen wir nicht. 

Wie geht ihr mit der Situation um?

Christine Minatti, Telfer Apotheke im Ärztehaus:
Unsere Aufgabe wäre es ja, den Menschen zu geben, was die brauchen. Aktuell können wir eigentlich nur versuchen, die Leute zu beruhigen. Gefühlt jeder Kunde stellt uns die gleiche Frage und wir müssen immer mit einer schlechten Nachricht antworten. Das ist natürlich auf die Dauer anstrengend und ermüdend. Vor allem weil wir die Menschen oft enttäuschen müssen und verständlicherweise des öfteren auf Unverständnis stoßen. In normalen Jahren lassen sich 200-300 Menschen bei uns impfen. Heuer ist die Anfrage um ein Vielfaches höher und Nachschub gibt es keinen.

Sabine Troyer, Apotheke Inzing:
Wir hoffen natürlich, dass es heuer aufgrund der höheren Hygiene- und Schutzmaßnahmen zu weniger Grippe-Erkrankungen kommt. Trotzdem ist Corona in dieser Zeit natürlich eine Doppelbelastung. Wir wollen – das ist auch unsere Ausfgabe – den Menschen die Angst nehmen. Das wird uns aber sehr schwer gemacht, da uns bei der Ausgabe von Impfstoffen die Hände gebunden sind. Was nicht vorhanden ist, können wir unseren Kunden auch nicht geben. Was wir aber schon tun können, ist die Menschen zur Stärkung ihres Immunsystems aufzufordern. Da kann man bei den Kindern schon ansetzen. Sei es Sport oder gute Ernährung, das Immunsystem kann man auf verschiedenste Art und Weise unterstützen, das empfehle ich wirklich jedem. Das ist ein kleiner Ansatz, aber sicherlich ein wirksamer.

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