03.10.2017, 18:00 Uhr

"Wichtig, dass ich in den Rat komme"

Mag.a iur. Berîvan Aslan, Abgeordnete zum Nationalrat (Foto: Grüner Parlamentsklub)

Die Telfer NR-Abg. Berîvan Aslan kämpft um einen erneuten Einzug ins Parlament. BB bat sie zum Interview.

TELFS. Mag.a iur. Berîvan Aslan ist die erste und einzige Nationalratsabgeordnete aus Telfs (Region Ibk.-Land-West) und geht am 15. Oktober auf Platz 1 der Grünen Landesliste ins Rennen um einen Sitz im Parlament. Es wird eine Zitterpartie ...

Der Abgang vom Grünen Aufdecker Pilz und der harte Kampf von Kern (SPÖ) und Kurz (ÖVP) um die Spitze schwächt die Grünen, es geht für die Grünen am 15.10. ums nackte Überleben!
BERÍVAN ASLAN: Ich bin zuversichtlich dass wir es schaffen. Eine Partei ist nicht nur auf eine Person zu reduzieren, sondern auf Positionen und Leistungen. Pilz war bei uns nicht der einziger Aufdecker, es sind auch Gabi Moser und Werner Kogler – nur Pilz hat die Show für sich genutzt. In der Region bin ich die einzige und erste NR-Abgeordnete und bringe ländliche Themen in die Ausschüsse, daher ist es wichtig, dass ich nochmal ins Parlament komme.

Was machen Sie, wenn nicht?
Ich will weiterhin politisch aktiv sein und für unsere Gesellschaft etwas weiter bringen. Ich bin auch jetzt nicht die klassische Abgeordnete, die nur parlamentarische Anfragen und Anträge erledigt, ich bin ein sozialer Mensch, helfe in Not geratenen Menschen, die auf mich zu kommen. Das ist für mich selbstverständlich.

Wie waren die Hausbesuche?
Abgeordnete geben sich meist unerreichbar, bei Hausbesuchen erfährt man direkt von den Leuten, wo der Schuh drückt. Das Echo war sehr positiv und auch das Feedback für unsere Arbeit. Die Grünen waren in keine Korruptionsskandale verwickelt, obwohl wir in sechs Landesregierungen tätig sind. Das schätzen die Leute, das zeichnet uns aus.

Wie sehen Sie die Wahl in Deutschland?
Die Stärkung der AFD ist meiner Meinung nach auf das Handeln der Regierungsparteien z.B. in der Flüchtlingsfrage zurückzuführen. Die Debatte haben sie populistisch geführt, das hat den Rechten in die Hände gespielt. Was ich in Deutschland viel besser finde: Keine einzige Partei hat erklärt, mit der AFD in eine Koalition zu gehen. Bei uns ist das leider nicht so: Eine SPÖ schließt nicht mal eine Koalition mit der FPÖ aus, das macht mir Sorgen.

Wenn der Einzug der österr. Grünen ins Parlament klappt - mit wem wäre eine Zusammenarbeit vorstellbar?
Eine Koalition mit der FPÖ schließen wir aus. Es wird auch schwierig mit Kurz (ÖVP) und Strolz (NEOS). Am Verhandlungstisch wird man weiter sehen. Jetzt ist einmal der Wähler dran.

In Telfs und Zirl gibt es Initiativen für E-Carsharing. Würden die Grünen den Trend fördern?
Uns geht es vielmehr darum, das Öffi-Netz so breit wie möglich auszubauen und österreichweit das Öffi-Ticket um 1 €/Tag anzubieten. Es macht einen Unterschied, ob tausende Leute mit dem eigenen Auto fahren - auch mit dem E-Auto, und Staus verursachen, Garagen und Parklätze benötigen, oder mit Zug und Bus fahren.

Kann man mit dem Thema "Klimaschutz" die Masse der Wähler bewegen?
Wenn wir jetzt massiv ansetzen, kann man in Zukunft schlimmeres verhindern. Die Landwirtschaft leidet wegen Frost und Unwetter, der Tourismus klagt, wenn die Winter schneelos und kurz sind. Es betrifft uns alle.

Die meisten machen doch ihr Kreuzerl da, wo sie sich am meisten Vorteile für sich erhoffen, z.B. bei Einkommen und Sicherheit!
Wir fordern den Mindestlohn von 1.750 € und die Arbeitszeitverkürzung von 35 Stunden. Generell darf der Sozialstaat nicht ausgehöhlt werden, wie es FPÖ, ÖVP und Neos wollen. Die Folgen tragen Menschen im Niedriglohnsektor. Wir fordern leistbares Wohnen, transparentes Mietrecht und eine Mietzinsobergrenze. Zudem einen gerechteren und leistbaren Bildungszugang für Kinder und Jugendliche (freier Hochschulzugang) und eine flächendeckende Ganztagesbetreuung für Kinder. Wir wollen nicht die Ängste schüren und gewisse Themen nicht populistisch angehen, wie in Deutschland, sondern sach- und lösungsorientiert vorgehen.

Wir danken für das Gespräch!
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