Artur Wechselberger im Interview
"Generelle Situation für Kassenstellen ist trist"

Artur Wechselberger, Ärztekammerpräsident in Tirol

Eine herausfordernde Zeit sieht Tirols Ärztekammerpräsident Artur Wechselbeger für Tirols Ärzteschaft.

Bezirksblätter: Die Ärztekammer erlebt derzeit wohl auch die schwierigsten Wochen ihres Bestehens. Worin liegt im Coronazeitalter die größte Herausforderung?
Artur Wechselberger: „Große Herausforderungen haben derzeit die niedergelassenen Ärzte zu stemmen. Die meisten Ärzte arbeiten in ihren Einzelpraxen ohne Vertretung. Diese Praxen hätten bei einer Infektion und dadurch bei einem wochenlangen Ausfall auch existenziell eine Katastrophensituation. Auch die Mitarbeiter wären betroffen. Das Patientenmanagement, um Ansteckungen zu verhindern, ist bei räumlich beengten Praxen schwierig. Eine Praxis im ländlichen Raum schließen zu müssen, ist für Arzt und Patienten eine schlimme Vorstellung."

Wie ist die Stimmung bei den Ärzten in Tirol?
"Sehr positiv, was die Arbeitseinstellung betrifft. Sie wollen die Menschen in Tirol in dieser schwierigen Zeit gut versorgen, sie wollen als Ansprechpartner agieren. Aber eine gewisse Verunsicherung ist zu spüren, das merken wir an den Anfragen."

Einige, auch praktische Ärzte sind in Quarantäne oder infiziert. Ist die Versorgung der Menschen in den Sprengeln gesichert?
"Noch schon, aber die weitere Entwicklung ist nicht vorauszusehen. Wenn die Ausgangsbeschränkung wirkt, dann hoffen wir, von weiteren Ansteckungen verschont zu bleiben. Probleme gibt es zum Teil im Bereitschaftsdienst. Ein infizierter Arzt könnte telemedizinisch auch in Heimquarantäne beratend tätig sein, es braucht nicht gleich die Praxis geschlossen werden. Hier appelliere ich an die Behörde, Wege zu finden."

Apropos Versorgung: Wie sieht es derzeit mit Kassenstellen in Tirol aus? Gibt es Bewerber?
"Trist. Bei der vergangenen Ausschreibung um Weihnachten hatten wir auf etwa 20 Stellen keinen einzigen Bewerber, einige konnten wir im Jänner dann besetzen. Auch sind strategisch wichtige Stellen unbesetzt, wie etwa ein Augenarzt und ein Psychiater in Jenbach. Selbst eine Facharztstelle für innere Medizin in Hall blieb frei. Das sind neue, schwierige Situationen."

Immer wieder kommt Kritik an der Ausbildung der Ärzte, auch durch zu wenig Turnusplätze. Wird Tirol den Ärztebedarf in Zukunft stemmen können?
"Statistisch gesehen gäbe es genügend Ausbildungsplätze, aber was zahlenmäßig an fertigen Medizinern danach für Kassenstellen – speziell für Hausarztstellen – zur Verfügung steht, ist zu gering. Zu viele Ärzte bleiben an der Klinik oder machen sich später als Wahlarzt selbstständig und wollen keinen Kassenvertrag. Darum bleibt eigentlich nur, noch mehr auszubilden, um dem entgegenzuwirken. Auch Gemeinden könnten die Krankenhäuser auffordern, mehr Ärzte auszubilden. Frühzeitiger Kontakt zu den Jungmedizinern kann helfen, sie in die Praxen zu bekommen."

Wie sehen sie die geplante Tirol Medical School? Hier gibt es bereits Kritik von der Med-Uni?
"Gefühlsmäßig glaube ich nicht mehr, dass diese Medical School kommt. An der Med-Uni wurde ein Institut für Allgemeinmedizin ausgeschrieben, das zusätzlich Lehrinhalte für zukünftige Allgemeinmediziner vermittelt. Für Absolventen mit dieser Zusatzausbildung müssten dann nahtlos Ausbildungsstellen in den Krankenhäusern bereit stehen."

Ihre Funktionsperiode läuft bis 2022 – werden Sie erneut als Präsident zur Verfügung stehen?
"Nein, denn auch die Ärztekammer braucht junge Ärzte in dieser Position. Ich bin seit 30 Jahren an der Spitze der Tiroler Ärzteschaft und ich habe eine ganze Ärztegeneration vertreten. Mit 70 erlischt zudem mein Kassenvertrag. Ich werde wohl nicht mehr als Wahlarzt weiterarbeiten, auch weil ich Kassenarzt mit Leib und Seele bin."

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