Pilotprojekt "Housing First"
Sicheres Wohnen als Basis für ein eigenständiges Leben
- LRin Eva Pawlata (2. v. r.) mit (v. r.) GFin Julia Schratz und den beiden Sozialarbeiterinnen Hanna Marte und Johanna Aigner.
- Foto: Land Tirol/Dorfmann
- hochgeladen von Laura Sternagel
Erst die Wohnung, dann alles andere: Das erfolgreiche Tiroler Pilotprojekt „Housing First“, welches Frauen in schwierigen Lebenslagen unterstützt, wird auch dieses Jahr fortgeführt.
In der Auseinandersetzung mit den vielfältigen Ursachen weiblicher Wohnungslosigkeit hat der Verein lilawohnt vor zwei Jahren das tirolweit erste "Housing First"-Angebot ins Leben gerufen. Dieses wegweisende Projekt, das sich dem Prinzip "erst die Wohnung, dann alles Weitere" verschrieben hat, wird nun dank der finanziellen Unterstützung des Landes Tirol im Jahr 2024 fortgeführt. Mit einer Bereitstellung von 75.000 Euro setzt das Land ein klares Zeichen für die Bekämpfung von Wohnungslosigkeit bei Frauen.
Phänomen der verdeckten Wohnungslosigkeit
Hinter weiblicher Wohnungslosigkeit stehen oft strukturelle Gewalt und ungleiche Lebenslagen. Das Phänomen der verdeckten Wohnungslosigkeit, bei dem Frauen in Zweckbeziehungen oder bei Freunden Unterschlupf suchen, wird durch das "Housing First"-Projekt gezielt angegangen. Dabei erhalten wohnungslose Frauen nicht nur eine eigene Wohnung, sondern auch sozialarbeiterische und psychosoziale Begleitung, um eine nachhaltige Perspektive für ein stabiles und selbstbestimmtes Leben zu schaffen. Der Erfolg des innovativen Ansatzes wurde durch einen Forschungsbericht des Management Center Innsbruck (MCI) bestätigt, der das "Housing First"-Projekt wissenschaftlich begleitete.
„Ich bin überzeugt, dass wir bei der Wohnfrage ansetzen müssen, um Menschen in Tirol langfristig vor Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu schützen. Sicheres Wohnen ist – speziell für Frauen – die Basis für ein eigenständiges und gewaltfreies Leben. Zugleich ist es ein effizientes Mittel gegen Armut. ‚Housing First‘ von lilawohnt ist eine wertvolle Ergänzung der bestehenden Wohnungslosenangebote in Tirol, wozu etwa Sozialberatungsstellen, Betreutes Wohnen, Wohngemeinschaften oder Notschlafstellen zählen“, betont LRin Eva Pawlata und führt aus: „Hinter weiblicher Wohnungslosigkeit steckt vielfach strukturelle Gewalt in Form vorherrschender Geschlechterverhältnisse und ungleicher Lebenslagen von Frauen. Zugleich sind wohnungslose Frauen einem hohen Risiko von physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt. Das untermauert die Wichtigkeit frauenspezifischer Angebote und einer speziell an die Bedürfnisse der Frauen angepasste Betreuung.“
- LRin Eva Pawlata im Gespräch mit GFin Julia Schratz und den beiden Sozialarbeiterinnen des „Housing First“-Projekts.
- Foto: Land Tirol/Dorfmann
- hochgeladen von Laura Sternagel
Langfristiges Hilfsangebot
Die Zielgruppe des "Housing First"-Angebots umfasst Frauen, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind und gleichzeitig einen sozialarbeiterischen oder psychosozialen Unterstützungsbedarf haben. Die Frauen werden dabei unterstützt, eine Wohnung zur langfristigen Anmietung zu finden und diese dauerhaft zu erhalten. Parallel dazu können sie sozialarbeiterische und psychosoziale Begleitung in Anspruch nehmen.
Julia Schratz, Geschäftsführerin von lilawohnt, betont die Besonderheit des Projekts: Die Frauen können in den Wohnungen bleiben, was dazu beiträgt, dass die Auseinandersetzung mit der Frage "Wo kann ich unterkommen?" nicht mehr ihren Alltag bestimmt. Dies ermöglicht den Bewohnerinnen, ihr etabliertes Umfeld beizubehalten.
Aktuell begleiten zwei engagierte Mitarbeiterinnen die Frauen und bieten bedarfsorientierte Unterstützung, Begleitung und psychosoziale Betreuung an. Die positive Resonanz der Bewohnerinnen bestätigt die Wirksamkeit des Projekts und zeigt, dass die Antwort auf Wohnungslosigkeit tatsächlich eine Wohnung ist.
Mehr Informationen zum Projekt finden sich unter lilawohnt.at
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