Studie
Gewässerwärme könnte Tirols Wärmewende lokal unterstützen
- Der Achensee zählt laut Studie zu den Tiroler Gewässern mit besonders großem Potenzial für die lokale Gewinnung von Wärmeenergie.
- Foto: Energieagentur Tirol/Thalheim
- hochgeladen von Thomas Geineder
Flüsse, Seen und Quellen bergen Energiepotenzial für Tirol. Eine neue Studie sieht Chancen für einzelne Regionen, nennt aber auch klare Grenzen.
TIROL. Können Tirols Flüsse und Seen künftig beim Heizen helfen? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine aktuelle Studie der Energieagentur Tirol zur thermischen Nutzung von Oberflächengewässern. Das Ergebnis: Das theoretische Potenzial ist groß, die praktische Nutzung allerdings auf wenige geeignete Standorte beschränkt. Dennoch könnten Gewässer künftig einen ergänzenden Beitrag zur Umsetzung der Strategie „TIROL 2050 energieautonom“ leisten. Besonders für lokale Wärmeprojekte und Fernwärmenetze sehen die Expertinnen und Experten interessante Möglichkeiten.
Wärme aus Wasser gewinnen
Die Nutzung erfolgt über Wärmepumpen. Dabei wird die im Wasser gespeicherte Energie entweder direkt über Wasserentnahme oder mithilfe von Wärmetauschern gewonnen und anschließend auf ein nutzbares Temperaturniveau angehoben.
„Um die Energieautonomie zu erreichen, müssen alle erneuerbaren Ressourcen berücksichtigt werden. Die neue Studie zeigt, dass bei der Dekarbonisierung des Wärmesektors Oberflächengewässer unterstützen können“, erklärt Rupert Ebenbichler, Geschäftsführer der Energieagentur Tirol.
Das Gewässer wird dabei lediglich leicht abgekühlt. Die gewonnene Energie könnte künftig für einzelne Gebäude oder ganze Wärmenetze genutzt werden.
Kühlung wird kritisch gesehen
Bei der Verwendung von Gewässern zur Kühlung fällt die Einschätzung der Studie deutlich kritischer aus. Schon heute steigen die Wassertemperaturen vieler Gewässer infolge des Klimawandels an. Wird Wasser zur Kühlung verwendet, fließt es in der Regel wärmer zurück ins Gewässer und könnte dadurch zusätzliche ökologische Belastungen verursachen. Aus diesem Grund sehen die Studienautoren eine verstärkte Nutzung der heimischen Gewässer für Kühlzwecke kritisch.
Nur wenige Standorte wirklich geeignet
Trotz des hohen theoretischen Potenzials gehen die Fachleute davon aus, dass letztlich weniger als fünf Prozent davon tatsächlich genutzt werden können. Ein wesentlicher Grund sind die komplexen Anforderungen an geeignete Standorte. „Seen bieten zwar aufgrund stabilerer Temperaturverhältnisse und geringer hydrologischer Dynamik grundsätzlich gute Voraussetzungen, abgesehen vom Achensee liegen sie jedoch fernab von größeren Siedlungsbereichen“, erklärt Studienleiter Lukas Schifferle von der Energieagentur Tirol. Auch größere Fließgewässer wie der Inn seien oft nur eingeschränkt nutzbar. Hochwasserereignisse, Treibgut, Geschiebe sowie schwankende Temperaturen erschweren den Einsatz entsprechender Anlagen.
Achensee zeigt großes Potenzial
Dennoch identifiziert die Studie konkrete Möglichkeiten für einzelne Regionen. Besonders der Achensee wird als Beispiel genannt. Theoretisch könnte der See ausreichende Wärmemengen bereitstellen, um sämtliche Gebäude in den Gemeinden Eben am Achensee und Achenkirch zu versorgen. Auch für bestehende oder geplante Fernwärmenetze könnten Gewässer künftig eine interessante Ergänzung darstellen, ohne zusätzliche Biomasse einsetzen zu müssen.
Ergänzung auf dem Weg zur Energieautonomie
Die Energieagentur Tirol sieht in der Gewässerwärme keine flächendeckende Lösung, wohl aber einen zusätzlichen Baustein für die Energiewende. „Planung und Standortwahl sind anspruchsvoll, da einerseits die Temperaturverhältnisse im Gewässer passen müssen und andererseits zahlreiche ökologische Faktoren zu berücksichtigen sind“, halten die Studienverantwortlichen fest. Ebenbichler ergänzt: „Die Energiegewinnung aus Oberflächengewässer hat zwar kein flächendeckendes Potenzial, lokal kann sie aber eine wichtige Ergänzung auf dem Weg zu TIROL 2050 energieautonom sein.“
Chancen für Gemeinden und Betriebe
Geeignete Gewässer vorausgesetzt, könnte die Nutzung von Gewässerwärme künftig dazu beitragen, Heizkosten langfristig stabil zu halten und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern weiter zu reduzieren. Vor allem in dichter besiedelten Gebieten eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten für nachhaltige Wärmeversorgung – sowohl für einzelne Gebäude als auch für größere Fernwärmesysteme. Damit könnte aus Tirols Seen und Flüssen künftig mehr werden als nur Natur- und Erholungsräume: nämlich ein kleiner, aber wichtiger Teil der Energiewende.
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