So tickt NÖ
Bei Kündigungsschutz und Co. - lieber zur Arbeiterkammer Tulln
- Günter Kraft, Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer Tulln.
- Foto: AK Tulln
- hochgeladen von Christoph Fuchs
Umfrage Teil 1: Arbeitsmarkt. Jeder Dritte wurde bereits einmal gekündigt, 14 Prozent von Insolvenzen betroffen.
ZENTRALRAUM. Die Nachrichten vom heimischen Arbeitsmarkt sind schlecht. Die Arbeitslosigkeit steigt in Niederösterreich seit 40 Monaten in Folge. Ende August waren 47.682 Personen beim AMS NÖ arbeitslos vorgemerkt, um 3.043 oder 6,8 Prozent mehr als im Vergleichsmonat 2025. Damit ist der Anstieg doppelt so hoch wie im Bundestrend.
Immer mehr Firmen müssen derzeit Mitarbeiter kündigen. Der erste Teil unserer Umfrage „So tickt Niederösterreich“ widmet sich deshalb dem Thema Arbeitsmarkt. Das Ergebnis zeigt, Kündigungen gehören bereits zum Alltag der Niederösterreicher.
Bildung als Kündigungsschutz
13 Prozent der Arbeitnehmer im Zentralraum waren bereits einmal von der Insolvenz eines Arbeitgebers betroffen. Rund jedem Dritten wurde in Niederösterreich schon einmal gekündigt. Im Zentralraum sind es 29 Prozent. Menschen mit Matura sind weniger betroffen (25%). Ohne Matura steigt der Wert auf 38 Prozent an.
Dabei wahren die meisten Firmen die Form und führen das Kündigungsgespräch persönlich (67%). Kein einziger der Befragten gab an, jemals im Krankenstand gekündigt worden zu sein.
- Wir haben im Zentralraum gefragt: Wurde Ihnen schon einmal gekündigt (li.)? Und wenn ja, wie (re., Mehrfachnennung möglich)?
- Foto: MeinBezirk/Zezula
- hochgeladen von Christoph Fuchs
Im Zentralraum ist es fair
Die Krankenstandsregeln sind dabei recht unterschiedlich. Die meisten Firmen im Zentralraum verlangen Krankmeldungen erst ab dem dritten Tag (41%). 37 Prozent der Firmen wollen bereits ab dem ersten Tag eine ärztliche Krankmeldung.
Auch beim Thema Urlaub versuchen Arbeitgeber offenbar fair zu sein. 91 Prozent der Menschen im Zentralraum sagen, dass sie noch nie gegen ihren Willen auf Urlaub geschickt wurden. Nur 8 Prozent ist das bereits passiert.
Konflikte mit dem Arbeitgeber konnten 89 Prozent der Dienstnehmer bislang immer außergerichtlich beilegen. Nur 9 Prozent mussten den Weg zu Gericht bestreiten, zwei Prozent davon nutzten die Möglichkeit, sich von einer Arbeitnehmer-Organisation vor Gericht vertreten zu lassen.
Verträge und Rechtliches
Zur Beratung werden Organisationen wie Arbeiterkammer oder Gewerkschaft von weit mehr Menschen genutzt. Mehr als jeder Dritte (37%) wandte sich schon mit Anliegen an die Interessensvertretungen. Die häufigsten Anliegen: Prüfung der Abrechnung nach Ende des Dienstverhältnisses (15%), einfache Rechtsauskünfte (9%) und Überprüfung von Verträgen (7%).
Lieber zur Arbeiterkammer
„Wir stellen zunehmend fest, dass sich Beschäftigte Informationen über das Internet oder auch über KI holen. Wir haben bereits mehrfach erlebt, dass solche Auskünfte unvollständig oder schlicht falsch waren. Deshalb empfehlen wir, sich bei arbeits- und sozialrechtlichen Fragen direkt an uns zu wenden“, so Günter Kraft, Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer Tulln. „Eine erste Abklärung kann sehr niederschwellig, rasch und unkompliziert erfolgen, etwa über unsere die Arbeitsrechts-Hotline.“
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