Abschied mit Herzblut
Bürgermeister Klaus Glanznig sagt Servus
- Klaus Glanznig: „Das Leben hat keinen Rückwärtsgang. Der beste Tag zum Genießen ist heut.“
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Nach insgesamt 41 Jahren im Dienst seiner Gemeinde hat sich Treffens Bürgermeister Klaus Glanznig mit Anfang Mai aus der Politik zurückgezogen. Im emotionalen Gespräch blickt er auf Erfolge, Krisen und persönliche Opfer zurück – und auf das, was jetzt kommt.
TREFFEN. Wenn Klaus Glanznig über seinen Abschied spricht, schwingt vieles mit: Stolz, Dankbarkeit – und spürbare Wehmut. „Für mich war das nie ein Job, sondern immer Herzblut“, sagt er im Interview. Mit Mai endet eine jahrzehntelange politische Laufbahn, die ihn und seine Gemeinde geprägt hat.
Große Projekte bis zum Schluss
Auch in seinen letzten Monaten im Amt treibt Glanznig noch zentrale Projekte voran. Der geplante Bauhof etwa nimmt konkrete Formen an: Ein Architektenwettbewerb soll noch bis zum Jahresende abgeschlossen werden, nach dem finanziellen Thema ist die Ausschreibung dann im Frühjahr 2027 vorgesehen. „Ein sportliches Ziel“, nennt er den Zeitplan, der einen Baustart im Herbst kommenden Jahres und eine Fertigstellung im Frühjahr 2028 vorsieht. Parallel dazu laufen weitere Vorhaben: Die Aufarbeitung der Unwetterschäden, der Bau einer neuen Brücke am Pöllinger Bach sowie die Sanierung der Schlossbrücke. „Es gibt immer einiges zu organisieren“, sagt Glanznig – und betont dabei stets das Gemeinsame: „Mir war wichtig, das Wir in den Vordergrund zu stellen.“
Der Moment der Entscheidung
Der Entschluss, aufzuhören, wurde nicht plötzlich getroffen. „Als meine beiden Vizebürgermeister verstroben sind, war das ein Wink, darüber nachzudenken, wie schnell es gehen kann", sagte er und zeigte im Interview die Bilder der beiden auf dem Fensterbank. Nach über 40 Jahren intensiver Arbeit blieb wenig Zeit für Familie und Privatleben. „Ich freue mich auf die Freizeit – auch wenn es natürlich weh tut.“
Verbundenheit spürbar
Besonders emotional wird es im Gespräch, wenn er an seine tiefe Verbundenheit mit dem Ort und dem Gemeindeamt denkt: „Ich bin seit 60 Jahren hier ein- und ausgegangen. Das wird mir fehlen. Wo wir heute sitzen, bin ich früher aufgewachsen.“ Gleichzeitig ist er überzeugt, den richtigen Zeitpunkt gewählt zu haben: „Aufhören, wenn es am schönsten ist.“
Krisen, die geprägt haben
Seine Amtszeit war von zahlreichen Herausforderungen geprägt: Flüchtlingskrise, Wirtschaftskrise, Pandemie – und zwei Unwetter im Jahr 2016 und eben 2022. Besonders letzteres hat ihn an seine Grenzen gebracht. „Das war psychisch und physisch extrem.“ Doch gerade in diesen Momenten zeigte sich auch die Stärke der Gemeinde: „Diese Welle der Hilfsbereitschaft hat mich unglaublich stolz gemacht.“
Zwischen Kritik und Bestätigung
Nicht alles lief reibungslos. Klaus Glanznig erinnert sich an heftige Kritik, etwa 2015 beim Thema leistbares Wohnen: „Ich wurde ausgepfiffen, als ich mich für eine Wohnanlage im Ortskern eingesetzt habe.“ Heute sei man froh über die damaligen Entscheidungen. Ein anderes Beispiel: die Sperre am Pöllinger Bach. Kurz vor der Unwetterkatastrophe wurde sie zunächst mit einer Delegation besichtigt, die ihn damals als „größenwahnsinnig“ bezeichneten. „Zwei Tage später hat diese Sperre rund 40 Objekte geschützt und vermutlich Menschenleben gerettet.“ Auch Rückschläge gehören dazu – wie das gescheiterte Projekt rund um das Hotel Kaiserhof. „Zehn Jahre Arbeit – und dann die Absage vom Investor. Das war enttäuschend.“ Dennoch zeigt er sich zuversichtlich: „Es wird andere Entwicklungen geben.“
„Alleine geht es nicht“
Rund 41 Millionen Euro an Investitionen wurden in seiner Amtszeit umgesetzt. Darauf ist Glanznig stolz – aber er relativiert sofort: „Alleine geht das nicht. Man muss ehrlich und hartnäckig sein – und darf nicht aufgeben.“
Ein neuer Lebensabschnitt
Was nach dem Abschied kommt, kann er sich noch nicht ganz vorstellen. Klar ist: Die Familie rückt in den Mittelpunkt. „Ich habe meiner Frau gesagt: Jetzt wirst du mich nach 43 Jahren Ehe erst richtig kennenlernen.“ Als er über seine Familie spricht, kommen ihm die Tränen. „Ich bin sehr stolz auf meine Frau und meine Kinder. Meine Söhne sind 44 und 33 Jahre und wir haben ein freundschaftliches Verhältnis, das ist für mich besonders.“ Künftig will er sich Zeit nehmen – für gemeinsame Urlaube, fürs Radfahren und Wandern, für seine Gesundheit. Am Ende überwiegt die Dankbarkeit. Für die Unterstützung, für das Vertrauen – und für eine Aufgabe, die sein Leben bestimmt hat.
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