In memoriam
Das ganze Sellraintal nahm Abschied von Karl Kapferer

Die erste Etappe des Trauerzuges führte von der Kirche zum Gemeindeamt. | Foto: Hassl
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  • Die erste Etappe des Trauerzuges führte von der Kirche zum Gemeindeamt.
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Altbürgermeister und Ehrenbürger Karl Kapferer wurde in Sankt Sigmund auf seinem letzten Weg von vielen Menschen begleitet.

SANKT SIGMUND. Ein langer Trauerzug setzte sich bei der Pfarrkirche entlang der Landesstraße in Bewegung. Nicht nur in Sankt Sigmund, sondern im ganzen Sellraintal und auch weit darüber hinaus war die Bestürzung über das Ableben einer herausragenden Persönlichkeit  groß. Eine Aufzählung aller anwesenden Bürgermeister, ehemaliger Amtskollegen, Kameraden und Wegbegleiter würde den Rahmen wohl bei weitem sprengen. Der letzte Weg des Langzeitbürgermeisters führte auf der ersten Etappe dorthin, wo über 29 Jahre seine  Wirkungsstätte zum Wohl seiner Gemeinde und der Region war. Am Platz vor dem Gemeindehaus nahmen die Feuerwehr St. Sigmund, die Schützenkompanie Gries und die Bläser der Musikkapelle ebenso Aufstellung wie die Vertreter mehrerer Vereine, die ihn mit der Ehenmitgliedschaft ein bleibendes Zeichen der Dankbarkeit setzten.  Karl Kapferer wurde die Ehrenbürgerschaft seiner Gemeinde verliehen. Ebenso erhielt er zahlreiche hohe Auszeichnungen.

Verabschiedung

Bei der anschließenden Verabschiedung in der Pfarrkirche wurde all das gesagt, was bei einem Mann seines Kalibers gesagt werden musste. Auch Abt Leopold setzte in einer beeindruckenden Predigt Akzente: "Die Pfarrer werden dazu angehalten, bei Begräbnissen Lobeshymnen und fast schon Heiligsprechungen durchzuführen. Das Lob ist in allen Belangen berechtigt und angebracht - aber Karl war auch einer, der es manchmal faustdick hinter den Ohren hatte." Eine Formulierung, die nicht als Herabwürdigung gedacht war, sondern als zutiefst positive Beschreibung, die bei den Trauergästen mit beifälligem Kopfnicken goutiert wurde. Nicht zuletzt erinnerte auch der Abt an jene "Pistenraupen-Saga", die längst in die Geschichte eingegangen ist. Dass die Finanzierung  des schweren (und kostenintensiven) Geräts vom Schlitzohr aus St. Sigmund justament am Heiligen Abend im Haus des damaligen Landeshauptmann Wendelin Weingartner fixiert werden konnte,  wurde von Abt Leopold sozusagen posthum abgesegnet und somit bis in alle Zeiten auch von kirchlicher Seite legitimiert.
"Karl Kapferer war ein Mann, der die Sonne in sich vereinte und der ihre Strahlen wieder ausschickte," sagte der Abt. Wenngleich es dafür keines Beweises bedurft hätte, schickte am Ende der Verabschiedung die Sonne nach einem wolkenverhangenen Tag ihre Strahlen über das Sellraintal ...

Ehrenbezeugung der Vereine - im Bild die Schützenkompanie Gries, der er viele Jahre angehörte | Foto: Hassl
  • Ehrenbezeugung der Vereine - im Bild die Schützenkompanie Gries, der er viele Jahre angehörte
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Charly und Tschappi

Das waren die Spitznamen, unter denen Karl Kapferer bekannt war. "Aufgewachsen und veredelt" im hoch gelegenen Weiler Praxmar, der stets Mittelpunkt seines Lebens war. Bürgermeister Toni Schiffmann (lange Jahre Amtsleiter und später Nachfolger als Ortschef) stand bei seiner Trauerrede vor einer schwierigen Aufgabe, die er würdevoll, aber auch mit einem der Persönlichkeit des Verstorbenen angemessenen Augenzwinkern herausragend löste. Er würdigte den Bürgermeister, der immer für alle da war- nicht selten auch im eigenen Haus, das manchmal einem Gasthof ähnelte. Den Regionsobmann und den Touristiker, der mit seinem Einsatz vielfach das realisierte, was er für richtig, wichtig und notwendig erachtete. Den hauptberuflichen Wege-, Straßen- und Brückenbauer. Den über Jahrzehnte stets einsatzbereiten Feuerwehrmann und Bergretter. Die unverzichtbare Instanz der Lawinenkommissionen, den stolzen Schützen und den Förderer all jener, die seiner Hilfe bedurften. Den "Bergmenschen", für den Heimat und Natur nicht nur leere Schlagworte bedeuteten. In jüngerer Vergangenheit den Obmann des Seniorenvereins, der alles und jeden kannte, dementsprechend Reisen, Ausflüge und gesellige Anlässe organisierte und sich zuletzt "Urlaub vom Krankenhaus" nahm, um ungeachtet seiner schweren Krankheit bei seinen Senioren verweilen zu können. Den Familienmenschen, Ehemann, Vater und Opa, der trotz aller anderen Aufgaben Prioritäten setzte. "Du warst der Bürgermeister, ich der Sekretär. Du warst nicht nur mein Chef, sondern auch mein Freund, Kamerad und vertrauter Gefährte. Gemeinsam sind wir durch dick und dünn gegangen. Genauso wie viele andere danke ich dir für dein Lebenswerk, deinen Einsatz und deine Freundschaft und sage heute im Namen aller, die dich gekannt, geschätzt und geliebt haben, ein letztes Mal Vergelt' Gott."

Erinnerung: Karl Kapferer wurde von seinem Nachfolger Toni Schiffmann die Urkunde zur Ehrenbürgerschaft überreicht. Beide verband auch eine große Freundschaft. | Foto: Hassl
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Würdigung des Landes

Landesrätin Cornelia Hagele würdigte den Einsatz des Verstorbenen für das Land Tirol. Sie war aber nicht nur als Repräsentantin des Landes, sondern auch als gute Freundin zugegen, die zutiefst bewegt ihre Gedanken in Worte zu fassen versuchte. Am Ende des Gottesdienstes hatten die vielen Trauergäste Gelegenheit, sich persönlich zu verabschieden,.

In eigener Sache

Lieber Karl! Du warst einer jener Bürgermeister, die jeden Besuch im Gemeindeamt oder an welchen Orten auch immer zu einem Erlebnis gemacht haben. Was du diktiert hast, musste nie nachgeprüft oder gar in Frage gestellt werden. Es war mir eine Ehre, vieles von dem, was du in allen Bereichen geleistet hast, der Öffentlichkeit mitzuteilen. Die Erinnerung an dich wird auch in unserer ganzen Redaktion Bestand haben,
Danke für deinen Einsatz. Danke für deine Freundschaft. Ruhe in Frieden.

Weitere Berichte: www.meinbezirk.at/westliches-mittelgebirge

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