Anfang mit U1-Karlsplatz
Baustart für Wiener U-Bahnnetz vor 55 Jahren

Am 3. November 1969 wurde mit dem Bau der U1 am Karlsplatz begonnen. Hier der Baufortschritt am 20. Juli 1970. Im Hintergrund sieht man die Karlskirche. | Foto: Wiener Linien
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  • Am 3. November 1969 wurde mit dem Bau der U1 am Karlsplatz begonnen. Hier der Baufortschritt am 20. Juli 1970. Im Hintergrund sieht man die Karlskirche.
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Am 3. November jährt es sich zum 55. Mal, dass die Grabungen für die erste U-Bahnlinie in Wien begannen. Heute wird bereits an der sechsten Linie gearbeitet. Bis Wien sein eigenes U-Bahnnetz erhielt, dauerte es jedoch.

WIEN/WIEDEN/FAVORITEN. Was vor 55 Jahren begann, sollte bis heute eine echte Erfolgsgeschichte werden. Die Rede ist vom Bau der ersten U-Bahnlinie für die Großstadt Wien, welcher 1969 begann. Die Wiener Linien haben MeinBezirk dazu einen Blick in ihr Öffi-Netz werfen lassen. Dabei dauerte es im Vergleich zu anderen Metropolen recht lange, bis die Idee der öffentlichen Fortbewegung unter der Erde auch in Taten umgesetzt wurde.

Zum Vergleich: London machte das Vorbild, dort gab es die "Tube" bereits seit 1863. In Paris waren Züge bereits ab 1904 in solch einem Netz. Sogar in der "Neuen Welt", wie beispielsweise in Chicago, Boston und Philadelphia wurden U-Bahnprojekte um die Wende zum 20. Jahrhundert umgesetzt. Und selbst im Budapest der Doppelmonarchie rauschten 1896 bereits erste Wagons durch den Untergrund.

Stadtbahn mit Zug der Type N1-n1 Station Hietzing am 3. August 1981. Zu dieser Zeit wurde die Stadtbah- zur U4-Strecke umgeformt. Die Station ist bereits auf U-Bahn-Niveau und mit Stromschienen versehen. | Foto: Wiener Linien
  • Stadtbahn mit Zug der Type N1-n1 Station Hietzing am 3. August 1981. Zu dieser Zeit wurde die Stadtbah- zur U4-Strecke umgeformt. Die Station ist bereits auf U-Bahn-Niveau und mit Stromschienen versehen.
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Und in der damaligen Reichshauptstadt Wien? Da eröffnete Kaiser Franz Joseph 1898, also zwei Jahre später, die erste Teilstrecke der Stadtbahn von Otto Wagner. Damals noch mit Dampflokomotiven. 1900 fanden erste Testfahrten mit elektrischen Garnituren zwischen Michelbeuern und Heiligenstatt statt. Ein erster Schritt in Richtung U-Bahn, den der Erste Weltkrieg wieder zunichtemachen sollte. Bis tatsächlich großflächig elektrische Straßenbahnen eingesetzt wurden, dauerte es bis 1925.

Die Ustrab als Anfang

Schon zu dieser Zeit gab es Überlegungen, Wien auch mit einem U-Bahnnetz zu versehen. Doch die Kämpfe im Zweiten Weltkrieg sollten auch dem Öffi-Netz schwer zusetzen. Die Stadtbahn wurde auf großen Abschnitten, genauso wie unzählige Wohnhäuser, Fabriken und andere Gebäude, zerstört.

Erst 1954 rollte es wieder auf der Bahn von Otto Wagner. Die 50er und 60er Jahre waren vom Wiederaufbau geprägt. Der Fokus lag auf der Wiedererrichtung von Häusern und anderen Einrichtungen. Zusätzlich gewann das Auto als Statussymbol immer mehr Bedeutung. Für eine U-Bahn waren keine Ressourcen da. Stadtplaner Roland Rainer empfahl damals jedoch den Bau einer sogenannten Unterpflasterstraßenbahn – besser bekannt als Ustrab. Bis 1966 wurde die erste Ustrab entlang der ehemaligen Zweierlinie errichtet.

"Grundbeschluss für Grundnetz"

Obwohl die U-Bahn-Ideen in Wien für lange Zeit im Dornröschenschlaf verweilten, ging es zum Ende der 1960er-Jahre dann sehr schnell. Mehr und mehr fasste sich der Gedanke in der Politik, allen voran unter dem damaligen Bürgermeister Bruno Marek (SPÖ), dass auch die Donaumetropole ein Öffi-Netz der Zukunft benötigt. So begann eine Planungsphase, welche die Linien U1 bis U6 vorsah.

Eine Reklame für das U-Bahn-Grundnetz in der Kliebergasse am 19. Februar 1969. | Foto: Wiener Linien
  • Eine Reklame für das U-Bahn-Grundnetz in der Kliebergasse am 19. Februar 1969.
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Am 26. Jänner 1968 wurde dann mit dem "Grundbeschluss des Wiener Gemeinderates zur Errichtung eines engeren Grundnetzes" Wiens U-Bahn-Zeitalter offiziell eingeläutet. Dieses "engere Grundnetz" sah gut 30-Kilometer an Strecke in Form von U1, U2 und U4 vor. Und streng nach Reissbrett wurde auch die Liniennummerierung umgesetzt. In den Plänen wurde von 1 bis 6 durchnummeriert, umgesetzt wurden die Bauprojekte jedoch nach Notwendigkeit für die Bevölkerungsentwicklung. Die Nummern in der Realität blieben dann aber wie im Plan die gleichen. Daher wurde die U4 beispielsweise vor der U3 errichtet. Und bis mindestens 2026 sollte Wien keine U5 haben, sehr wohl aber eine U6.

Altbestand für Öffi-Zukunft

Bei der ersten Errichtung von U1, U2 und U4 kam jedoch den Planern auch zugute, dass es bereits bestehende Infrastruktur gab. Für die U4 von Hütteldorf bis Heiligenstadt konnte man die Stadtbahn-Strecke verwenden. Für die U2-Strecke vom Praterstern bis zum Karlsplatz konnten teilweise die Ustrab-Einrichtungen herangezogen werden. Diese werden übrigens derzeit für das U2/U5 Netz adaptiert.

Baufortschritt am Karlsplatz Richtung Karlskirche und Porrhaus am 12. Februar 1970. | Foto: Wiener Linien
  • Baufortschritt am Karlsplatz Richtung Karlskirche und Porrhaus am 12. Februar 1970.
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Begonnen hat alles jedoch mit dem Bau mit der U1. Im November 1969, also keine zwei Jahre nach dem Beschluss des Gemeinderats, gruben sich die ersten Baugeräte beim Karlsplatz in den Boden. Diese Station sollte das Zentrum der ersten Bauphase sein, denn hier sollten später die drei Linien des engeren Grundnetzes, U1, U2 und U4, aufeinandertreffen. Bis heute sollte die Station mit ihren fünf Ebenen die tiefste in ganz Wien sein.

"Marek-Loge"

Diese erste Bauphase der U1 sollte sich auf einer Länge von sechs Kilometern vom Reumpannplatz über den Karlsplatz und den Stephansplatz zum Praterstern erstrecken. In der Bevölkerung war der U-Bahnbau durchaus nicht unumstritten. Noch immer prägte das Auto als bestes Fortbewegungsmittel viele, andere sahen keinen Nutzen in solchen Projekten. So oder so – man konnte den U-Bahnbau auch mitverfolgen, wofür sich viele Wienerinnen und Wiener durchaus begeistern ließen.

Baufortschritt am Karlsplatz am 10. September 1970. Rechts oben sieht man die "Marek-Loge". | Foto: Wiener Linien
  • Baufortschritt am Karlsplatz am 10. September 1970. Rechts oben sieht man die "Marek-Loge".
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Bei der Baustelle am Karlsplatz wurde eine Aussichtsplattform errichtet. Diese wurde im Volksmund auch liebevoll "Marek-Loge", in Anlehnung an den Bürgermeister, genannt. Auch eine eigene Leitstelle wurde beim Karlsplatz für das unterirdische Öffi-Netz eingerichtet. Diese wurde jedoch 2006 nach Erdberg abgesiedelt.

Nach neunjähriger Bauzeit wurde 1978 der Abschnitt Reumannplatz bis Karlsplatz eröffnet. Die ersten U-Bahngarnituren der Type U, später besser bekannt als "Silberpfeil", wurden unter großem Interesse über offene Bauabschnitte in die Tunnelanlagen gehoben. So etwa auf der Kärtntner Straße. Etappenweise ging es mit der Eröffnung weiter: Ein Jahr später fuhr die U1 dann schon bis zum Stephansplatz, drei Jahre später bis zum Praterstern. Heute erstreckt sich die U1 über 19,3 Kilometer von Leopoldau bis Oberlaa.

U-Bahn-Zug wird mit Kran fürs Publikum in den U-Bahnschacht bei der Kärntnerstraße gehievt, 18. August 1973. | Foto: Wiener Linien
  • U-Bahn-Zug wird mit Kran fürs Publikum in den U-Bahnschacht bei der Kärntnerstraße gehievt, 18. August 1973.
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65 Jahre nach Baustart verfügt Wien über fünf U-Bahnlinien, wobei mit der U5 bereits die sechste in den Startlöchern steht. Die jüngste, fertiggestellte Erweiterung erlebte 2017 die U1 mit der Verlängerung vom Reumannplatz bis nach Oberlaa. Derzeit ist das Netz ganze 83 Kilometer lang. Mit der Fertigstellung des Projekts U2/U5 kommt es dann auf satte 94 Kilometer Länge.

Alle Bilder zum U-Bahnbau von damals findest du unten.

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