Skandal um WKW-Chef
ÖVP distanziert sich von Ruck, SPÖ ringt um Schadensbegrenzung
- In der Wirtschaftskammer rumort es. Wie lange kann sich Walter Ruck nach der anhaltenden medialen Kritik noch im Amt des WKW-Präsidenten halten?
- Foto: Sade Jerabek/MeinBezirk
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Es rumort ordentlich in der Wirtschaftskammer Wien. Die Luft für Walter Ruck wird dünn. Während die SPÖ um Relativierung bemüht ist, distanziert sich die ÖVP vom Kammerpräsidenten. Die Opposition fordert derweil den Rücktritt.
WIEN. Seit Monaten steht Walter Ruck, Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, in der Kritik. Es geht um Postenschacher im großen Stil. Vergangenen Freitag dann der vorläufige Höhepunkt. „Profil“ und „Kronen Zeitung“ veröffentlichen ein Gesprächsprotokoll, das Ruck schwer belastet. Darin soll der WKW-Chef umfassend erläutert haben, wie er seinen Einfluss geltend machte, um Posten und Wahl-Listenplätze in seinem Sinne zu besetzen. MeinBezirk berichtete ausführlich:
Rote Schadensbegrenzung
Besonders pikant sind etwa die Darstellungen seines Naheverhältnisses zu Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Dass die beiden eine langjährige Freundschaft verbindet, ist seit Jahren bekannt. Dass der Bürgermeister jedoch Posten auf Zuruf Rucks besetzen lässt, zeichnet ein desaströses Bild.
Da wäre etwa die Besetzung von Manfred Juraczka als zweiter Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien. Der Posten war nie ausgeschrieben, Juraczka erhielt die Stelle mehr oder weniger über Nacht. Die Wiener SPÖ versucht zu beschwichtigen.
So lässt ein Sprecher des Bürgermeisters auf Anfrage von MeinBezirk wissen, "dass es im Sinne des Gründungsgedankens der Wirtschaftsagentur Wien gelebte Praxis ist, dass die Wirtschaftskammer Wien den zweiten Geschäftsführer vorschlägt“. Und aus dem Büro von Barbara Novak, Wirtschaftsstadträtin und Präsidentin der Wirtschaftsagentur, unterstreicht man: „Über die Bestellung entschieden die zuständigen Gremien der Wirtschaftsagentur Wien auf Grundlage der Satzung und der geltenden Rechtslage.“
- Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak und Bürgermeister Michael Ludwig versuchen in der Causa Ruck zu beschwichtigen. (Archivbild)
- Foto: Valentina Marinelić/MeinBezirk
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Zu den frauenfeindlichen Aussagen, die Ruck über Novak laut Protokoll getätigt haben soll, will sich die Stadträtin nicht äußern. Angesprochen auf das derzeitige Arbeitsverhältnis zwischen ihr und dem Kammerpräsidenten heißt es aus ihrem Büro, sie arbeite „mit zahlreichen Akteurinnen und Akteuren des Wiener Arbeits- und Wirtschaftsstandorts zusammen.“ Diese Zusammenarbeit erfolge „stets sachlich und professionell“.
Alles nur "flapsige Sager"?
Fernab der SPÖ dürfte es auch bei einer anderen Partei gerade hoch hergehen. Zumindest hinter verschlossenen Türen. Die Rede ist von der ÖVP, Rucks politischer Heimat.
So soll Ruck seinen Einfluss geltend gemacht haben, damit sein Sohn Alexander als Spitzenkandidat der ÖVP-Döbling bei der Gemeinderatswahl 2025 kandidierte. Möglich wurde das nur durch den Rückzug der langjährigen Gemeinderätin Margarete Kriz-Zwittkovits. Sie ist auch Vizepräsidentin der Wiener Wirtschaftskammer und soll auf Zuruf Rucks zur Seite getreten sein.
Bei der ÖVP-Döbling will man sich nicht äußern. Eine Anfrage an Bezirksparteiobmann Daniel Resch blieb unbeantwortet. Kriz-Zwittkovits selbst dementiert die Causa. Bezüglich ihres Nicht-Antritts bei der Wahl im Vorjahr habe es nie dahingehende Gespräche mit Ruck gegeben, heißt es in einer Aussendung. Zu den restlichen Vorwürfen heißt es: "Die Bilanz von Walter Ruck ist zehnmal wichtiger als flapsige Sager."
ÖVP geht auf Distanz
Nicht nur dieser publik gewordene Fall dürfte der ÖVP schwer im Magen liegen. In den Protokollen, die „Profil“ und „Krone“ vorliegen, soll Ruck unter anderem gesagt haben, dass die ÖVP in Wien „eh keine Rolle“ spiele. Und wenn die Landespartei „ein bisschen zu keck wird, dann kommt der Wirtschaftskammer-Präsident, macht zweimal Wumm und es ist wieder Ruhe.“
- Die ÖVP Wien distanziert sich in Stellungnahmen deutlich von Walter Ruck und dessen mutmaßlichen Aussagen.
- Foto: Antonio Šećerović/MeinBezirk
- hochgeladen von Barbara Schuster
Seitens der ÖVP Wien distanziert man sich nun von dem sonst so mächtigen Kammerchef. Gegenüber MeinBezirk wird betont: „Wir waren, wie aus den Protokollen in den Medienberichten hervorgeht, nicht in Gespräche dieser Art involviert“. Und weiter: „Wir distanzieren uns klar von diesen Vorkommnissen und Aussagen.“
Die ÖVP grenzt sich unmissverständlich ab, die SPÖ versucht zu entschärfen und die Oppositionsparteien FPÖ und Grüne fordern unterdessen Rucks Rücktritt. Für den Wirtschaftskammer-Chef dürfte die Luft nun wirklich dünn werden.
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