Die Ärmel im Birnengarten -
phantastische Welt der chinesischen Oper

01. "Birnengarten' und Opernhaus - die ganze Welt ist Bühne | Foto: CORS, ICC, YouTube
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  • 01. "Birnengarten' und Opernhaus - die ganze Welt ist Bühne
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Kunst und Kultur vermögen alle Völker miteinander zu verbinden. Überraschungen sind dabei nicht ausgeschlossen. Wer hätte gedacht, dass Oper, von vielen als klassisches Wahrzeichen europäischer Musikkunst angesehen, bereits Jahrhunderte vor Monteverdi am chinesischen Kaiserhof aufgeführt wurde? Nun ist die chinesische Oper im Zuge zahlreicher  Veranstaltungen auch in Europa und nicht zuletzt in Österreich angekommen

Aber was ist „Oper“? „opera in musica“ heißt es auf Latein, also „Musikalisches Werk“, womit prinzipiell eine Kombination von Theaterstück, dessen gesungener Handlung, Musik, Bühnenbild und oftmals Tanz (ab Ludwig dem XIV meist Ballett) gemeint ist

Gemeinsam mit der „Florentiner Camerata“ - einer Vereinigung von Adligen, Gelehrten und ausübenden Musikern – entwickelte der in Cremona geborene italienische Komponist, Gambist, Sänger und zuletzt auch katholische Priester Claudio Monteverdi (1567-1643) diese Art der Darstellung zunächst als Experiment: Die Camerata-Mitglieder wollten die griechische Tragödie zu neuem Leben erwecken. Darin, so meinten sie, habe der Gesang eine zentrale Rolle gespielt. Mit mehr Musik und gesungenen statt gesprochenen Texten erhoffte man sich eine um einiges gesteigerte Wirkung. Diese Erwartung wurde durch Monteverdis erstes Opernwerk, „L’Orfeo“ einer Auftragsarbeit für den jährlichen Karneval in Mantua, bei weitem übertroffen. Mit der antiken Sage von Orpheus, dessen Musik sogar die Götter rührt, und der doch zuletzt wegen mangelnden Vertrauens seine Eurydike nicht aus dem Hades zu führen vermag, bringt Monteverdi Liebe, Verzweiflung, Schmerz, Glück, die ganze Skala menschlicher Gefühle durch Musik und Gesang zum Ausdruck - und die Zuhörer zum Mitfühlen. Eine der beeindruckendsten Inszenierungen dieser ersten Monteverdi-Oper fand 1978 mit Regisseur Jean-Pierre Ponnelle und Nikolaus Harnoncourt als Dirigent und Meister historischer Aufführungspraxis an der Züricher Oper statt.

Kaum bekannt hingegen war im klassischen europäischen Musikleben jedoch bis vor wenigen Jahrzehnten, dass wenigstens sieben Jahrhunderte vor Monteverdi am chinesischen Kaiserhof bereits eindeutig als Oper zu bezeichnendes Musiktheater aufgeführt wurde. Als Initiator dieser chinesischen Oper (Pinyin Xìqǔ) gilt Kaiser Xuanzong (712–755) aus der Tang-Dynastie (618-906), der mit dem „Birnengarten“ (liyuán) die erste bekannte Operntruppe der Welt gründete, deren Auftritte zunächst vor allem der kaiserlichen Unterhaltung dienten sollten. (Bild 01)

Die Stammform dieser bereits hochentwickelten Darstellungsart, das chinesische Theater, welches heute zum Weltkulturerbe zählt, ist jedoch weit älteren Ursprungs. Seine thematischen Grundlagen sind wie in Europa auch in China Märchen, Mythen, der Kampf zwischen Gut und Böse, allgemeiner Norm und individuellem Gefühl, Recht, Unrecht und Gerechtigkeit im Laufe gesellschaftlicher Entwicklungen, historische Ereignisse und Probleme der Gegenwart,  hochsprachliche Dichtung und volkstümliche Schwänke, wobei die diversen Archetypen wie auch in allen anderen Kulturräumen eine ungebrochene Aktualität aufweisen. (Bild 02)

Ähnlich, wie Monteverdis neue Opernform des Theaters in alle Welt ging, zieht es nun auch das chinesische Musiktheater nach jenseits der Landesgrenzen. Naheliegend, dass Wien, selbst Opernhauptstatt von Weltruf, einen verlockenden Ausgangsort für eine euopaweite Präsentation der chinesischen Oper darstellte. In  „Internationale Performance-Reihe traditioneller chinesischer Theaterkunst“ werden von der China Opera Research Society (CORS, Präsident Ming Wenjun) gemeinsam mit International Culture Cooperations (ICC, stv. Vorstandsmitglied & Künstlerische Leiterin Yao Yao, Ehrenpräsident u. Erster Präsident des Wiener Landtags Ernst Woller) diverse Aufführungen veranstaltet und vom Art Development Center (Ministry of Culture and Tourism The People‘s Republic of China) organisiert. Kooperationspartner sind in Österreich u. A. Prof. Elke Hesse, Direktorin des MuTh (Musik u. Theater, Konzertsaal der Wiener Sängerknaben im Augarten), in dem unter dem Titel „LEGENDÄRE CHINESISCHE OPERN“ Vorstellungen bis November 2025 geplant sind; der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) und Vizepräsident John Herzog; Bernd Jaumann, Leiter des Festivals Sichtweisen, und.das Konfuzius-Institut an der Universität Wien. Und analog zu den Kinderprogrammen der Wiener Staatsoper, wodurch bereits junge Menschen in lustvoller Weise an wertvolles Kulturgut herangeführt werden, sollen Kinder auch an den märchenhaften Stoffen Chinesischer Oper frühzeitig Gefallen finden und zwar auf besondere Art: Mit „Lego Serious Play (R) - Bausätzen können die Kleinen erlebte Opernszenen nach eigenen Vorstellungen nachbauen und sie dabei spielerisch verarbeiten und interpretieren (Bild 03 - 08).

Neben vielen Ähnlichkeiten gibt es jedoch auch Unterschiede zwischen chinesischer und europäischer Opernform. So wird inhaltlich das zum Teil auf Laotse und Konfuzius zurückgehende Motiv der Pflichten des Individuums gegen das Kollektiv stärker als in Europa betont, und  die Art der Interpretation unterscheidet sich in mehreren Komponenten insgesamt deutlich von der europäischen Gestaltung. Steht bei letzterer die einigermaßen stringente Handlung und deren möglichst eindrucksvolle stimmliche Wiedergabe und musikalische Begleitung vor oft opulentem Bühnenbild im Vordergrund, so erscheint das Geschehen in der chinesischen Oper wesentlich ausgeprägter durch eine Gesamtdarstellung bestimmter Charaktertypen mit Hilfe von Stimmmodulation, Rhythmisierung, Tanz, Kostüm und eine mit diesem verbundene Gestik bis Akrobatik dargestellt. Die Formen der ungemein phantasievollen Kostüme entspringen keiner zufälligen Entwicklung, sondern sind auf die unterschiedlichen Elemente der Gestik abgestimmt, welche durch die Kostümteile besonders betont werden sollen. Zu den wichtigsten Attributen zählen dabei die Ärmel, deren oft fließende Stoffe in entsprechender Weite und Länge vielfältige Bewegungsnuancen zwischen Hand und Schulter eindrucksvoll verstärken. Entsprechend vielseitig und fordernd ist demnach auch die Ausbildung der auftretenden Schauspieler*innen (Bild 09).

Am Konfuzius-Institut der Universität Wien begann am 23. Jänner 2025, mit Beteiligung zahlreicher Kulturschaffender und u. A. mitmoderiert vom   John Herzog (Vizepräsident ÖJC)die von International Culture Cooperations (ICC) initiierte Veranstaltungsreihe „Erlebnis - Chinesische Oper in Österreich“ In seinem Vortrag „Geist, Magie und Charakteristik chinesischer Theaterkunst“ gab Prof. Guo Xiaonan, chinesischer Theaterregisseur und Künstler von hohem Ruf, Einblicke in Entstehung, Wirkung und Hintergrund chinesischer Opernmotive. Oft sind die Zuschauer gefordert, sich mit Hilfe einer relativ einfachen Kulisse und symbolisierender Bewegungsmuster und Stimmlagen sehr          komplexe Handlungen vorzustellen – chinesischer Tradition entsprechend. Dennoch erscheinen Charaktertypen und Handlungen, seien es die von Bauern, Seefahrern, Händlern oder Adeligen, aus dem wirklichen Leben gegriffen. Und immer wieder zeigt sich die Lust am Skurrilen, Phantastischen, Märchenhaften - der auch mit Europa verbindenden Grundlage vieler Opernthemen.

In der Abfolge der Dynastien und im Lauf ihrer Verbreitung in die verschiedenen Kantone Chinas hat die chinesische Oper zudem immer wieder neue Akzente aufgenommen und innerhalb ihrer Charakteristik eine beträchtliche Bandbreite entwickelt. So flossen während der Yuan-Dynastie (1279–1368) in die Oper Elemente des Zájù (Varieté) ein, das auf bestimmten Reimformen und Rollen bestimmter Charakterarchetypen wie „Dàn“ (weiblich), „Shēng“ (männlich) und „Chǒu“ (Clown) basiert (man denke beim Clown etwa an den europäischen Hanswurst oder Harlekin und die elementare Grundbedeutung von ‚weiblich’ und ‚männlich’ im Yin-Yang-Zeichen ). Eine Form, aus der nachfolgend die „Kanton-Oper“ mit Stücken wie „Die Purpur-Haarnadel“ und „Die Verjüngung der roten Pflaumenblüte“ entstand. Wie in Europa, nur wesentlich länger, bis zum 20. Jahrhundert wurden dabei die Frauenrollen traditionell von Männern gespielt.. Aus der im 16. Jahrhundert nationale Bedeutung erlangenden Kunstform der Kunqu-Oper (kūnqǔ), welche im 19. Jahrhundert von Opernensembles aus der Provinz Anhui um Akrobatik und anspruchsvolle Choreographie.bereichert wurde, entwickelte sich schließlich die heutige, als wesentlichste Form geltende Peking-Oper (jīngjù) (Bild 10)

Auf die Yuan-Dynastie (1271-1368), deren Herrscher vornehmlich Angehörige der vom Norden her in China eingefallenen Mongolen aus dem Geschlecht Kublai Khans waren, folgte nach einer Revolte wieder eine chinesische, die Ming-Dynastie (1368 – 1644). Unter deren Herrschaft entstand als besonders anspruchsvolle Form der chinesischen die Wu-Oper, in der sich mehrere Vokalstile, hohes literarisches Niveau und akrobatische Kampfkunst vereinigen. Eine Probe dieser außergewöhnlichen Darstellungsart präsentierten Künstler*innen des Zhejiang Wu Opera Research Institute, bereits im MuTh. Mit „Die Legende der Weißen Schlange“ gelangte am 05. April 2025 eine der bekanntesten alten Volkssagen Chinas auf die Bühne. Sie erzählt die bewegende Liebesgeschichte zwischen der Schlangengöttin Bai Suzhen und dem Gelehrten Xu Xian. Wie auch hierzulande stehen dabei tiefes Gefühl und gesellschaftliche Normen in einem Gegensatz, der sowohl Opfer- als auch Kampfbereitschaft erfordert. Besonders interessant ist dieser traditionelle Sagenstoff nicht zuletzt wegen seines auch in der europäischen Überlieferung beheimateten Motivs der „Mahrten_Ehe“ - einer Verbindung zwischen einem menschlichen Partner und einem solchen aus der übernatürlichen „Anderswelt“. So findet sich dieses Grundmotiv z.B. auch in der Ursprungslegende des Grafengeschlechtes von Lusignan. von der schönen „Melusine“, einer Wasserfee  und Frau eines Sterblichen, deren menschlicher Unterleib sich jeden Sonntag wieder in den einer Schlange verwandeln muss. (Bild 11).

In den insgesamt acht in Österreich stattfindenden Aufführungen (sieben im MuTh, eine geplant in Graz) werden die acht Hauptgruppen der Chinesischen Oper mit ihren Entstehungsorten detailliert vorgestellt und ihre besonderen Darstellungselemente im Programm der Veranstaltungsreihe beschrieben:
„Stadt Jinhua, Provinz Zhejiang
Die Wu-Oper    "Bai She Zhuan - Die Legende der weißen
                                     Schlange"  
(Bild 12)

                                      MuTh, 5. u. 6. April 2025
                              Zhejiang Wu-Opernensemble   
"Sie gilt als eines der „lebenden Fossilien“ des traditionellen chinesischen Theaters. Sie entstand in der Ming-Dynastie und vereint sechs bedeutende Vokalstile chinesischer Opern. Besonders charakteristisch ist ihr ausdrucksstarker Stil, der sowohl literarische Eleganz als auch akrobatische Kampfkunst („Wen und Wu“) verbindet"  
Stadt Nanning, Autonome Region Guangxi der Zhuang-Nationalität
Die Gui-Oper    "Ren Mian Tao Hua - Das Mädchen unter den
                                     Pfirsichblüten"   
(Bild 13)
                              MuTh, 12. und 13. Juli 2025
                              Theater der Autonomen Region Guangxi der Zhuang-Nationalität
"Beheimatet in der Region Guangxi, wird diese Oper im Dialekt von Guilin gesungen. Sie vereint den kräftigen Stil der Qi-Oper mit der Zartheit der regionalen Cai Cha-Melodien (Tee-Pflücker-Liedern) und spiegelt seit über 300 Jahren die kulturelle Vielfalt Südchinas wieder.“"
Stadt Kunshan, Suzhou, Provinz Jiangsu
Die Kunqu: "Xi Xiang Ji - Das Westzimmer"  (Bild 14)
                             MuTh, 2. und 3. August 2025

                             Kunshan Contemporary Kunqu Opera Theatre
"Sie gilt in China als die „Mutter aller Theaterkünste“. Seit über 600 Jahren beeinflusst sie mit ihren fein geschliffenen Melodien (Shuimo Qiang) und der strengen, eleganten Spielweise tiefgreifend die Ästhetik des chinesischen Theaters. Das Contemporary Kunqu Opera Theatre aus Kunshan, der Wiege des Kunqu, widmet sich der akademischen Pflege und Weitergabe der klassischen Kunqu-Tradition. Die Darsteller:innen folgen strikt den überlieferten Gesetzen des Singens, Rezitierens, Spielens und Bewegens. Jede Geste, jeder Ton ist tief verwurzelt in der historischen Kultur und Ästhetik Chinas. Besonders hervorzuheben ist das enge Zusammenwirken von Flöten- und Trommelmeistern, deren Kunstfertigkeit („Eine Flöte führt die gesamte Aufführung“) den dramaturgischen Fluss der gesamten Inszenierung bestimmt. So verweben sich die alten Tonleitern (Gong, Shang, Jue, Zhi, Yu) nahtlos mit dem Geschehen auf der Bühne und verleihen der Kunqu-Oper ihre unverwechselbare Seele."
Stadt Shaoxing, Provinz Zhejiang
Die Yue-Oper    "Liang Shanbo und Zhu Yingtai -   
                                      Die Schmetterlingsliebenden" 
(Bild 15)
                                       MuTh, 23. und 24. August 2025
                                       Shaoxing Xiaobaihua Yue Opera Inheritance Center

"Sie ist bekannt für ihren lyrischen und sanften Gesangsstil sowie ihre Vorliebe für romantische Erzählungen von Gelehrten und schönen Frauen. In ihrer über hundertjährigen Geschichte hat die Yue-Oper mehr als zehn unterschiedliche Stilrichtungen hervorgebracht, die sich jeweils durch eigene Gesangs- und Darstellungstechniken auszeichnen. Das Shaoxing Xiaobaihua Yue Opera Inheritance Center überzeugt durch die seltene Verbindung von literarischer und kämpferischer Darstellung. Die Künstler:innen meistern sowohl die feinen, kultivierten Melodien der Yin-Schule zur Darstellung gebildeter Männer als auch die kraftvollen, heroischen Gesänge der Fan-Schule, die energiegeladene Figuren wie Krieger oder Helden verkörpern."
Stadt Yangzhou, Provinz Jiangsu
Die Yang-Oper    "Wu Han San Sha - Drei Attentatsversuche
                                          des Wuhan"   
(Bild 16)
                                          Muth, 23. und 24. September 2025
                                          Yangzhou Opernforschungsinstitut China

"Als eine der ältesten und bedeutendsten regionalen Opernformen Chinas ist sie in Yangzhou in der Provinz Jiangsu beheimatet. Sie verbindet die zarte Eleganz der Yangzhou Qingqu (lyrische Gesänge) mit der ursprünglichen Schlichtheit des sogenannten „Weihrauch-Theaters“. Die YangOper besticht durch ihre Vielseitigkeit: Sowohl besticht sie durch feinsinnige Darstellungen innerer Konflikte in intimen Kammer-Szenen als auch durch kraftvolle Schilderungen von Heldenmut und Schlachten."
Stadt Xi’an, Provinz Shaanxi
Die Qinqiang    "Zai Xu Hong Mei Yuan - Die wiedererblühte rote P
                                     flaumenblüte" 
(Bild 17)
                                     vorläufig Graz, Oktober 2025
                                     Shaanxi Opern- und Theaterforschungsinstitut China

"Sie gilt als das älteste Genre der Bangzi-Opern Chinas und ist vor allem im Nordwesten des Landes verbreitet. Markant für diese Gattung sind ihr kraftvoller, leidenschaftlicher Gesang sowie spektakuläre Spezialtechniken wie das „Feuerblasen“ und das „Schüsselschlagen“."
Stadt Wuxi, Provinz Jiangsu
Die Xi-Oper      "Zhen Zhu Ta - Die Perlenpagode"  (Bild 18)
                                   MuTh, 21. und 22. Oktober 2025
                                    Wuxi Xi-Operntheater, China

"Geboren in den wasserreichen Landschaften Südchinas,´inmitten der sanften Sprachmelodie des Wu-Dialekts, ist sie tief geprägt vom milden Wesen der Region rund um den Tai-See. Sie sammelt und erzählt die Freuden und Leiden des Alltags der Menschen, eingebettet in bekannte Melodien und mit berührenden, lyrischen Gesängen sowie feinsinnigen Darstel- lungen, die das sanfte Wesen der Jiangnan-Kultur zum Ausdruck bringen. Das Wuxi Xi-Opern-theater gilt als eine tragende Säule der Bewahrung und Erneuerung dieses Genres. Seine Darsteller zeigen klassische Techniken wie das „Taschentuchspiel“ und „Fächer-Spiel“, ausgeführt mit höchster Eleganz und Präzision."
Stadt Huai’an, Provinz Jiangsu
Die Huai-Oper    "Zhao Wu Niang - Die Legende von Zhao Wu Niang" 
                                        (Bild 19)
                                        MuTh, 15. und 16. November 2025
                                        Huai Opernensemble der Provinz Jiangsu China

"Sie entstand aus der reichen Kultur der nordchinesischen Ebenen in Jiangsu, wurzelt in den Klangformen „Huai-Diao“ und „La-Diao“, die für ihre schmerzvoll-schönen, tiefgründigen Melodien bekannt sind. In ihren Gesängen spiegeln sich die Entschlossenheit und die Härte des bäuerlichen Lebens wider. Das Jiangsu Huai Opernensemble zählt zu den führenden Gruppen, die um die Pflege und Weiterentwicklung dieser traditionsreichen Kunstform bemüht sind. In der Nachfolge des berühmten „Chen-Stils“ verbinden die Künstler:innen klassisches Kultur-Erbe mit moderner Ästhetik, etwa durch innovative Bühnenbilder und zeitgemäße musikalische Arrangements, die alten Stücken neue Strahlkraft verleihen."

Mythen, Märchen und tiefe Weisheit sind Weltenreisende. Gemeinsam mit anderen gelangten auch solche aus China weit früher als ihre Darstellung in Opernform.nach Europa – und faszinierten.

Eine der reichhaltigsten und tiefsinnigsten Sammlungen solcher Motive ist das auf das 2te vorchristliche Jahrtausend zurückgehende Orakel: I Ging – das Buch der Wandlungen, welches Konfuzius wie Lao Tse als Grundlage ihrer Philosophien diente. Ursprünglich mit Schafgarbenstängeln, später mit drei gleichen Münzen durchgeführt, enthält es 64 Spruchzeichen aus je sechs waagrechten, durchgehenden oder durchbrochenen Strichen, wobei innerhalb der beiden Formen noch zwischen stabil und labil unterschieden wird. Die so entstehenden Hexagramme, sowie die in ihnen enthaltenen Trigramme gewinnen durch die unterschiedliche Position ganzer und durchbrochener Striche ihre Bedeutung. So setzt sich etwa das Zeichen 11 - Friede aus dem Zeichen für ‚Kien, das Schöpferische’ (männlich, unteres Trigramm, 3 ganze) und ‚Kun, das Empfangende’ (weiblich, oberes Trigramm, drei mittig durchbrochene Striche) zusammen. Diese Qualitäten beziehen sich jedoch nicht auf physisches Geschlecht, sondern auf archetypisches Erleben von Wirkmustern, die jeder Mensch zu unterschiedlichen Anteilen in sich vereint. 

1920 gründete der deutsch-baltische Mineraloge und Philosoph Hermann Graf Keyserling (1880-1946) in Darmstadt die „Schule der Weisheit“. Diese philosophische Vereinigung orientierte sich sich an der ethischen Forderung nach einem ganzheitlich selbstbestimmten Menschen. Neben Kultur- und Geistesgrößen wie C.G.Jung, Rabindranath Tagore und anderen ging auch einer der profundesten Sinologen Europas, der evangelische Theologe Richard Wilhelm (1873 . 1930) aus und ein. Als Missionar in China setzte er sich für höhere Bildung von Frauen und Mädchen ein, entwickelte eine tiefe Wertschätzung für den Konfuzianismus und übersetzte in Folge in Zusammenarbeit mit dem Diederichs Verlag das I Ging wie auch Texte von Laotse ins Deutsche. Er unterrichtete an der Universität Peking Deutsche Literatur und Philosophie, gründete in Frankfurt am Main ein China-Institut und sammelte darüber hinaus mehr als 100 chinesische Märchen. Hermann Keyserlings Sohn Arnold Keyserling (1922.2005) unterrichtete bis kurz vor seinem Tod) als Religions- und Kulturphilosoph etliche Jahre an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und widmete dabei dem I Ging zumindest ein ganzes Semester. (Bild 20)

Durchaus ein Thema für die chinesische Oper könnte auch das berührende Märchen  „Die Nachtigall“  desdänischen Dichters Hans Christian Andersen (1805-1875) abgeben. Es geht darin um Gefangenschaft und Freiheit, Künstlichkeit und Natur, Krankheit und Heilung, Illusion und Erkenntnis, Sehnsucht und Erlösung. Umgekehrt geschah bereits: Europäische Regisseure inszenierten Macbeth als Peking-Oper, mit Kungfu-Kampfchoreografien als Machtkampf – im Sinn des Dialoges zwischen Ost und West.  Von noch Ungemütlicherem, nämlich von Höllenqualen berichtet indes eine Sammlung alter chinesischer Textilbilder aus der Himalayaregion, auf welchen grausame Jenseitsstrafen für schwere Vergehen im Diesseits dargestellt sind. Auch die nach buddhistischer Anschauung verbotene Tötung von Tieren und das Schlachten und Essen von Hunden gehören zu solchen, von Höllenschergen qualvoll geahndeten Sünden (Harald Haack: „Höllenqualen“, bibliophile Taschenbücher) (Bild 21)

Wesentlich entspannter und positiver hingegen zeigt sich der Umgang mit einem auch in Europa altbekannten Fabelwesen: dem Drachen („Long“) Er wird - anders als in Europa - in China jedoch nicht als feuerspeiendes, menschen- (meist jungfrauen-)fressendes Ungeheuer verstanden, sondern als Herr des Wassers und der Gewässer als mythische Gottheit, der gute Ernten und damit Leben, Freude und Glück zu verdanken sind. Kein Geringerer als der Schriftsteller Michael Ende (1929-1995) hat denn auch anstatt eines mittelalterlichen Monsters den weißen Glücksdrachen Fuchur in seine be- und verzaubernde „Unendliche Geschichte“ geholt. (Bild 22)

Die chinesischen Opernbühnenbilder mögen schlichter sein als in der europäischen, doch auch die chinesische Oper benötigt für ihre eine Vielzahl künstlerischer und handwerklicher Erzeugnisse. Noch ungleich mehr an Produkten chinesischen Kunsthandwerks gelangte bereits kurz nach Marco Polos Reisen als Lackmöbel, Tapete, Porzellan oder Fayence unter dem Sammelbegriff „Chinoiserie“ nach Europa und finden sich bis heute in zahlreichen Herrschaftssitzen, nicht zuletzt auch im Schloss Schönbrunn. Der wichtigste Bestandteil der chinesischen Oper scheint jedoch erst allmählich Eingang in die europäische Musikwelt zu finden - die Musik. Und diese (traditionelle) Musik, so die Universitätsprofessorin. Gong Nili aus Guiyang in Südwestchina, sollte über drei Eigenschaften verfügen: 1. Gemeinsames Freudeempfinden, 2. Harmonie zwischen Himmel und Erde, somit auch der Natur, und letztendlich 3. innere Schönheit, die nicht Begehrlichkeit, sondern tiefes Mitfühlen auslöst. Womit wir wieder bei der chinesischen Oper wären. 

Ungeachtet aller zeit- und ortsbedingt entstandenen Variationen hat sich diese besondere musikalische Darstellungsform bis heute eine zu ihrem Ursprung zurückreichende Ganzheitlichkeit und Faszination des Phantastischen bewahrt. Und auch heute noch nennen sich ihre Schauspieler*innen „Schüler des Birnengartens“

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