Hochwassergefahr
So sicher ist Wiener Neustadt Stadt und Bezirk
- Ein Starkregenschauer zog über Wr. Neustadt und flutete innerhalb von Minuten die Sickerschächte des Regenwasserabflusssystems der Stadt.
- Foto: FF WRN
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Die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt rückt jährlich im langjährigen Durchschnitt zu 1.300 Einsätzen aus. Davon fallen etwa 60 Prozent auf technische Hilfeleistungen. Dazu zählen Verkehrsunfälle, Menschenrettungen oder Tierrettungen, aber auch Einsätze im Zusammenhang mit Hochwasser nach Starkregenfällen gehören zum Spektrum der ehrenamtlichen Tätigkeit.
WIENER NEUSTADT(Bericht der FF Wiener Neustadt). Dafür ist die Stadt bestens gerüstet: „An neuralgischen Punkten wie Unterführungen sind Pumpen eingebaut, die bei Hochwasser überschüssiges Wasser abpumpen. Allerdings können diese ausfallen. Hier ist es für die Bevölkerung wichtig, besondere Vorsicht walten zu lassen“, erklärt Wiener Neustadts Branddirektor und Feuerwehrkommandant Christian Pfeiffer.
Gefahrenquelle Kanaldeckel, Strömungen und Überflutungen
„Sieht man ein überflutetes Gebiet vor sich, so muss man mit den Gefahrenquellen unter der Wasseroberfläche vertraut sein“, so Pfeiffer weiter. Dabei spricht der erfahrene Feuerwehrmann vor allem geöffnete Kanaldeckel an. Diese werden von der Gemeinde oder der Feuerwehr geöffnet, um dem Wasser das Ablaufen zu erleichtern. Auch Strömungsverhältnisse können zum Problem werden, wenn zum Beispiel Wasser in ein Gebäude eindringt und sich seinen Weg aus dem Haus sucht. „Kommt man mit dem Fahrzeug zu einer überfluteten Unterführung, so sollte man tunlichst das Durchfahren vermeiden. Man weiß nicht, wie tief das Wasser tatsächlich ist und man kann nicht erkennen, wie schnell welche Menge an Wasser nachläuft“, weiß Pfeiffer aus Erfahrung.
Spezielle Ausrüstung
Die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt hat für solche Fälle mehrere Pumpen auf Lager, um autarke Einheiten auf mehrere Schadstellen zu verteilen. „Wir arbeiten hier – ähnlich einem Massenanfall an Verletzten – mit einem Triagesystem. Die über Notruf gemeldeten Schadstellen werden in einem kleinen Stab im Feuerwehrhaus bewertet, ein Einsatzoffizier prüft die Einsatzorte und gibt eine Abarbeitungsreihenfolge vor. Dabei haben Menschenrettungen und besonders gefährdete Objekte Vorrang. Wassereintritte bis 5 cm werden von uns in einem solchen Fall gar nicht beachtet, weil unsere Pumpen so niedriges Wasser gar nicht aufsaugen können. Mit speziellen Wassersaugern ist zwar das Entfernen von solchen Mindermengen möglich, allerdings ist dies in der ‚heißen Phase‘ zu Personalintensiv, weshalb solche Einsätze nach unten auf der Prioritätenliste geschoben werden“, bittet Pfeiffer um Verständnis.
- Wiener Neustadts Branddirektor und Feuerwehrkommandant Christian Pfeiffer.
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Für Menschenrettungen aus dem überfluteten Gebiet gibt es im niederösterreichischen Feuerwehrwesen ein mehrstufiges Hilfeleistungssystem. Die Feuerwehr Wiener Neustadt verfügt über sogenannte Eisrettungsanzüge. Diese werden auch im Hochwassereinsatz eingesetzt, um in überflutete Bereiche vordringen zu können. Außerdem gehört auch die Rettungsschwimmerausbildung zu unserem Schulungsangebot, welches von immer mehr Feuerwehrmitgliedern in Anspruch genommen wird. Der niederösterreichische Landesfeuerwehrverband unterhält auch den Sonderdienst Tauchdienst, dessen Mitglieder für die Fließwasserrettung ausgebildet sind, um die eigenen Kräfte bei eventuellen Evakuierungen zu unterstützen. Die Österreichische Wasserrettung wird in Extremfällen ebenfalls hinzugezogen, um die Bevölkerung im Falle eines Falles gesichert aus Gebäuden zu bringen. Zusätzlich verfügt die Feuerwehr Wiener Neustadt über eine Großpumpe auf einem Anhänger, mit welcher große Mengen an Wasser gepumpt werden können. Insgesamt stehen in Niederösterreich mehrere solcher Pumpen zur Verfügung, um im Katastrophenfall Hilfe leisten zu können. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Markt Piesting zum Beispiel ist ebenfalls eine solche Pumpe stationiert. Im Katastrophenlager der Freiwilligen Feuerwehr Wiener Neustadt befinden sich mehrere tausend Sandsäcke, welche im Einsatzfall befüllt werden müssen und zur Sicherung von Straßenzügen verwendet werden können.
Gefährdete Bereiche im Bezirk Wiener Neustadt
Ob man in einem vor Hochwasser gefährdeten Bereich lebt, kann man anhand seiner Wohnadresse im „Natural Hazard Overview & Risk Assessment Austria“ System des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft selbst überprüft werden. Unter hora.gv.at gibt es sogar eine 3D-Animation, welche – ungeachtet bereits vorhandener Schutzbauten – die Hochwasserrisiken anzeigt, mögliche Hochwasserstände bei 30jährigen, 100jährigen und 300jährigen Hochwässern anzeigt. Auch die Auswirkung und notwendigen Schutzbauten (Schutzmauern oder Sandsackdämme) können angezeigt werden.
Verhalten der Bevölkerung essenziell für die Sicherheit
Die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt empfiehlt im Hochwasserfall der Bevölkerung folgende Maßnahmen:
- Meiden Sie überflutete Bereiche
- Melden Sie Wassereintritte über den Notruf 122, sofern Sie diese nicht selbst bewältigen können
- Legen Sie sich selbst Hochwasserschutzmaßnahmen bereit: Sandsäcke für die Sicherung von Garagenabfahrten und Kellerabgängen oder mechanische Hochwasserschutzinstallationen helfen, Schaden zu vermeiden
- Planen Sie – sofern Sie in einem gefährdeten Gebiet leben – Elektroinstallationen in Kellern etwas höher
- Sollte Ihr Haus massiv betroffen sein und mehr als 50cm unter Wasser stehen, begeben Sie sich in ein höher gelegenes Geschoß und wählen Sie den Notruf 122
Infobox:
Unter hora.gv.at können Hochwasserrisiken anhand der prognostizierten Pegelstände bei HQ30, HQ100 und HQ300 angezeigt werden. HQ steht dabei für die Wassermenge, welche bei einem Ereignis, welches statistisch betrachtet in 30, 100 oder 300 Jahren einmal vorkommt. Allerdings sind aufgrund von klimatologischen Veränderungen die Wahrscheinlichkeiten für solche Hochwasserereignisse in den letzten Jahren gestiegen.
Das unternehmen die Gemeinden aus dem Bezirk gegen Hochwasser
Roman Gräbner, Hochwasserschutzbeauftragter in Wöllersdorf-Steinabrückl: " Ich begleite das Projekt seit 2017. Aktuell befindet sich unser Hochwasserschutz noch im Bau. Spatenstich war 2019. Die Gesamtkosten werden sich auf über € 9 Millionen inkl. Förderungen vom Land und Bund belaufen. Geschützt werden ~750 Einwohner deren Wohngebäude im HQ100 Abflussbereich liegen. In Steinabrückl wurden die Arbeiten bis auf ein paar Kleinigkeiten bereits fertiggestellt. Die Schutzfunktion ist dort bereits komplett gegeben. In Wöllersdorf sind die Arbeiten noch im Gange. Die Maßnahmen sind sowohl lineare Maßnahmen als auch Geländeanhebung, Brückenneubau und auch Aufweitung wenn möglich. Das Projekt unterliegt natürlich auch einer ökologischen Bauaufsicht. In Wöllersdorf wird in einem Streckenabschnitt der Piesting ~8m mehr Breite gegeben. Damit der Wasserstand im Normalfall aber nicht zu niedrig wird, wurde auch eine Niederwasserrinne geplant, welche sich durch Bermen schlängelt, welche mit Buhnen besetzt sind. Weiters werden Strauchweiden gepflanzt sowie Wurzelstöcke und Totholz so platziert, damit Fische Schattenbereiche zur Verfügung stehen.
- Foto: Wöllersdorf-Steinabrückl
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Dort, wo es HWS-Ereignisse gab, besteht der Ruf nach einem Hochwasserschutz, wenn man allerdings so wie wir vorausschauend einen Hochwasserschutz für HQ100 inkl. Freibord 50cm plant, gibt es eben auch Gegenstimmen. Es wurde vor Baubeginn sogar ein Retentionsbecken geprüft, was aber leider aus einigen Gründen nicht umsetzbar war. Es war auch von Beginn an eine Bepflanzung nach Bauabschluss angedacht, jedoch ist im Abflussbereich nicht jeder Wunsch um zu setzen. Auch Aufweitungen sind innerhalb eines Ortsgebietes nicht überall um zu setzen. Trotzdem glaube ich, dass wir unter den vorliegenden Begebenheiten einen guten Kompromiss in der Planung finden konnten.
- Foto: Wöllersdorf-Steinabrückl
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Gemeinde Hollenthon: "Wir haben im Ortsteil Stickelberg in den letzten Jahren in ein kleines Rückhaltebecken investiert. Laufend wird über unseren Gemeindeübergreifenden Wasserverband Schlatten Schwarzenbach mit der Unterstützung der Wildbach- und Lawinenverbauung in die Sanierung unserer Bachläufe investiert."
"Im Falle eines Hochwasserereignisses kann die Piesting in dieses Ausweichgerinne fließen und wird mittels einer eigens dafür errichteten kleinen Staumauer daran gehindert auszuufern", so die Gemeinde Felixdorf.
Die Hohe Wand hat ebenfalls in den Hochwasserschutz investiert und investiert laufend weiter wie in Regenwasserkanalsanierungen, Grabenräumungen etc.
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