18.05.2016, 10:47 Uhr

Wie hart trifft uns der Klimawandel?

Deutschlandsbergs Bürgermeister Mag. Josef Wallner, Prof. Helga Kromp-Kolb, Energieagentur-West-Geschäftsführerin Irmgard Pribas und Mag. Peter Hofman. (ökologisch produzierter Tee als Gastgeschenk) (Foto: Franz Krainer)

Klimaexpertin Prof. Helga Kromp-Kolb im Gespräch mit der WOCHE.

DEUTSCHLANDSBERG. Berechtigte Sorge um die Entwicklung, aber auch der unerschütterliche Glaube an die Vernunft der Menschen prägte das WOCHE-Gespräch mit Klimaexpertin Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb.


Auswirkungen auch in unserem Gebiet

„Auch die südliche Steiermark wird vom Klimawandel nicht verschont bleiben, vor allem die Landwirtschaft und die Wasserressourcen!“ Klare Worte aus dem Mund einer Frau, die sich weit über die Grenzen Österreichs einen Namen gemacht hat. Helga Kromp Kolb, promovierte Umweltmeteorologin und Klimaforscherin von Weltruf doziert an der Uni für Bodenkultur in Wien, war in leitender Position an der Zentralanstalt für Meteorologie tätig und arbeitete als Associate Professor an der State University von San Jose/USA. Das große silberne Verdienstzeichen der Republik Österreich (2013), der Konrad Lorenz Preis (1991) und die Auszeichnung „Wissenschaftlerin des Jahres 2005“ dokumentieren den hohen internationalen Stellenwert von Kromp-Kolb. Anlässlich eines Vortrags auf Einladung der Energieagentur Weststeiermark in der Koralmhalle hatte die WOCHE die Möglichkeit zu einem faszinierenden Gespräch. Kromp-Kolb beeindruckte vor allem durch ihre argumentative Treffsicherheit, untermauerte mit aktuellen Zahlen die Klima-Entwicklung und analysierte die globale Schieflage, nicht ohne immer wieder darauf hinzuweisen, dass es „noch viele Möglichkeiten gibt“ dem Schlimmsten zu entkommen.


Größte Herausforderung

Dass der Klimawandel „zur größten Herausforderung der Menschheitsgeschichte“ werden könnte, bestritt sie nicht! „Das Problem ist ungeheuer vernetzt, die Überbevölkerung und die soziale Ungerechtigkeit spielen genauso eine Hauptrolle wie der sorglose Umgang mit allen weltweit vorhandenen Ressourcen abseits der Energie.“ Während laut Kromp-Kolb ein (viel zu langsames) Umdenken erkennbar ist, kritisierte sie vor allem die Schwellenländer, die mit veralteten Technologien den Klimawandel weiter anheizen. Die EU zeigt inzwischen, dass sie eine „Energiewende“ erzwingen möchte, für Österreich gelte das aber nur bedingt. Für den Süden Österreichs befürchtet die Klimaexpertin vermehrt Missernten, extreme Trockenheit, Wassermangel häufige Dürreperioden, andererseits aber auch extreme Niederschläge, ein Ergebnis der steigenden Temperaturen in der Arktis. „Es ist beinahe pervers, dass es unsere Landwirtschaft zuerst trifft, denn unsere Bauern produzieren oft CO²-neutral, die Menschen müssen nur erkennen, dass Qualität und kurze Transportwege den Klimawandel bremsen, aber auch was kosten!“ Politisch werden schon in 20 Jahren die Klimaflüchtlinge zum Dauerthema, eine Folge der Auszehrung großer afrikanischer Regionen, aber auch die Trinkwasserknappheit in Südostasien, wo eine Milliarde Menschen vom Wasser aus dem Himalaja abhängig sind, könnte bis zu 100 Millionen Menschen zur Flucht zwingen. Trotzdem bleibt Helga Kromp-Kolb optimistisch: „Wir müssen die Herausforderung Klimawandel annehmen, ein erfülltes Leben jenseits heutiger beinahe perverser Verbrauchs- und Wegwerfstrategien suchen und einen neuen „Way of Life“ finden, der dem Planeten die Chance auf Erholung bietet!“ Der Politik schreibt sie ins Stammbuch: „Wenn die Probleme der armen Welt nicht gelöst werden, koste es was es wolle, wird der soziale Frieden auch bei uns nicht zu halten sein.“
von Franz Krainer

Fakten:
Der Jacobshavengletscher in Grönland hatte um 1900 eine Fließgeschwindigkeit von 40 cm pro Tag, 2010 eine von 40 Meter. In Grönland fließt täglich die 200-fache Menge an Süßwasser ins Meer, wie New York pro Tag verbraucht.
Die Niederschläge in Australiens landwirtschaftlich genutzten Gebieten hat in 30 Jahren um 20 Prozent abgenommen. 2006 mussten auf Grund des Wassermangels mehr als 200.000 Schafe getötet werden.
Der Tschadsee in Afrika ernährte 1970 etwa 4 Millionen Menschen, heute ist er durch Wasserentnahme für die Baumwollproduktion auf 40 % seiner ursprünglichen Größe geschrumpft.
In Bangla Desh müssen Menschen von den kleinen, sedimentbasierten Inseln durchschnittlich alle zwei Jahre wegziehen, weil durch das Abschmelzen der Himalaja-Gletscher die Fließgeschwindigkeit des Brahma Butra und des Ganges erhöht wird. Betroffen sind derzeit etwa 12 Millionen Menschen.
Die UNO (UNHCR) rechnet bis 2035 mit weltweit 100 Millionen Klimaflüchtlingen.
Ein 3-prozentiges Wirtschaftswachstum bedeutet eine Verdoppelung des Ressourcenverbrauchs in 24 Jahren.
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