16.03.2016, 05:30 Uhr

Ein Dorf aus Holz anno dazumal

(Foto: Österr. Freilichtmuseum Stübing)

Das Freilichtmuseum Stübing, mitten in der Natur, ist ein Museum zum Erleben, Erfahren und Angreifen.

STÜBING. Sobald er den Boden des Österreichischen Freilichtmuseums Stübing berührt hat, erlebt der Besucher eine Reise in eine Welt, die Geschichte erlebbar macht und Tradition aufrecht erhält. Das Freilichtmuseum, das zu den größten in Europa zählt (und zudem Gründungsmitglied der Association of European Open Air Museums ist und mit dem Museumsgütesiegel ausgezeichnet wurde), lädt zu einem Spaziergang quer durch Österreich – von Ost nach West, vom sonnigen Burgenland über die grüne Steiermark, durchs mostreiche Oberösterreich bis ins bergige Vorarlberg.

Dorf der Kultur und Geschichte

97 bäuerliche Bauten geben einen Einblick in das Wohnen, Leben und Arbeiten aus sechs Jahrhunderten. "Authentizität und Funktionalität – das möchten wir unseren Besuchern vermitteln. Unser ältestes Gebäude, der Getreidekasten vom Silberberg, Großstübing, stammt aus dem Geburtsjahr Leonardo da Vincis, 1452. Der verzinkte Blockbau diente als Vorratskammer für Mehl oder Fleisch", erzählt Museumsdirektor und Geschäftsführer Egbert Pöttler, der das Lebenswerk seines Vaters fortführt.
Rund 65 Hektar groß ist das Naturschutzgebiet. Die ländliche Kultur zeigt sich nicht nur in den Wohnhäusern, sondern auch durch eine Schule, Rauchstube, Greißlerei, Schmiede, ein Rüsthaus, diverse Kräutergärten etc. Vogelgezwitscher inklusive, Handyempfang exklusive.

Lebensnotwendiges Naturmaterial Holz

Als lebendiges Museum verrät es einiges vom Leben und Überleben unserer Vorfahren: "Wie die Häuser gebaut wurden, also mit welchen Materialien, und wie die Räumlichkeiten genutzt wurden, sagt viel über die Kultur. Deko spielte keine Rolle; wichtig war, das Heim den Lebensumständen entsprechend sicher zu gestalten." Dabei ist Holz ein wichtiger Faktor: "Man bediente sich den Materialien, die einfach da waren. Aus der Natur. Holz gehört zur historischen Lebenswelt der bäuerlichen Kultur dazu." So bot der Wald, wie heute, nicht nur Schutzraum, sondern diente als Energieträger und Werkstofflieferant. "Mit den Hühnern schlafen gehen und mit ihnen heraus" besagt eine Bauernregel und meint, seinen Tagesablauf und -rhythmus dem natürlichen Tageslicht anzupassen. Und wenn es dann doch zu dunkel und ungemütlich wurde, war das offene Feuer Licht- und Wärmequelle zugleich. Darüber hinaus diente Holz für die Außen- und Innenausstattung, war Material für Möbel, Zäune, Gatter, Musikinstrumente, fürs Brauchtum (Maibaum, Blochziehen etc.) und im Transport und Haushalt sowieso nicht wegzudenken.


Information

Kontakt: Österreichisches Freilichtmuseum Stübing, 8114 Stübing, Mail: service@freilichtmuseum.at, Tel.: 03124 / 53 700, Web: www.freilichtmuseum.at, Öffnungszeiten: ab dem 18. März bis zum 31. Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr. Führungen auf Anfrage, Anmeldung erforderlich.

Veranstaltungen im März:
18. März – Palmbuschenbinden
18. März bis 28. März – Schmieden, Fastenkrippe
19. März – Schmieden, Schnitzen, Glasmalerei, Schützenscheiben, Modelstutzen, Kunststricken, Zwirnknöpfe, Maisstrohfiguren, Salbensieden
20. März – Osterhandwerk und Osterbrotbacken (9 bis 16 Uhr; traditionelles Handwerk und Brauchtum rund um Ostern mit Ostereierbemalen, Osterbrotbacken etc.)
22. März – Modelstricken, Knüpfspitze

(Veranstaltungen sind der Webseite zu entnehmen)


Von Ost nach West
Objekte aus dem Burgenland (u.a.): Berglerhaus aus Neustift bei Güssing, Glockenturm aus Schallendorf bei St. Michael, Scheune aus St. Nikolaus bei Güssing
Objekte aus der Steiermark (u.a.): Holzknechthütte aus der Bärenschützklemm bei Mixnitz, Wagenschuppen aus Semriach, Feuerwehrrüsthaus aus Reitern, Dörrofen aus Kornberg bei Stiwoll, Schule aus Prätis bei Pöllau
Objekte aus Kärnten (u.a.): Wohnhaus "Paule" des Kärntner Ringhofes aus Saureggen, Reichenau, Weißes Kreuz aus St. Martin am Krappfeld
Objekte aus Oberösterreich (u.a.): Vierkanthof aus St. Ulrich bei Steyr, Bundwerkstadel aus Tarsdorf im Innviertel
Objekte aus Niederösterreich (u.a.): Waldviertlerhof aus Rammelhof bei Arbesbach, Backofen des Waldviertelhofes
Objekte aus Südtirol (u.a.): Wohnhaus des "Wegleithofes" aus St. Walburg im Ultental, Mühle aus Schnals
Objekte aus Tirol (u.a.): "Hanslerhof" aus Alpbach, Badstube aus Alpbach
Objekte aus Salzburg (u.a.): Rauchhaus aus Siezenheim, Mühle aus Lamm im Lungau
Objekte aus Vorarlberg (u.a.): Bregenzerwälderhaus aus Schwarzenberg, Alphütte von Mittelarger, Bregenzerwald

Allgemein
Gründer: Republik Österreich / Univ.-Prof. DDr. Viktor Herbert Pöttler
Geschäftsführer und Museumsdirektor: Mag. Egbert Pöttler
Größe: rund 65 Hektar Gesamtfläche, Naturschutzgebiet
Objekte: 97 historische Bauten, davon rund 20 Wohnhäuser und Sondergebäude (Schule, Mühle, Seilerei etc.)
Ältestes Objekt: der Getreidekasten vom Silberberg, Großstübing, aus dem Jahr 1452
Jüngstes Objekt: die Seilerei aus Feldbach aus dem Jahr 1946
Erstes Objekt: das Rauchstubenhaus "Sallegger Moar" aus Sallegg bei Birkfeld aus dem Jahr 1775, das 1963 vom Freilichtmuseum wieder aufgebaut wurde
Letztes Objekt: die "Steffeln Hütte" von der Blaa-Alm bei Altaussee

Historische Gastro
Das Freilichtmuseum Stübing erhält im Mai ein weiteres historisches Gut: das Gasthaus "Zum Göller" lädt zum geschichtlichen Genuss und Verweilen ein. "Zum Göller" stand ursprünglich am Lahnsattel nahe Mariazell und wurde 1830 als Wohnhaus errichtet. Eigentlich als Kaffeehaus betrieben, wurde es zum Wirtshaus, das von Pilgern und Holzknechten gleichermaßen als Unterkunft diente. 2008 wurde das Gasthaus von den Mitarbeitern des Freilichtmuseums fachgerecht abgebaut, vor dem Verfall bewahrt und 2015 schließlich restauriert, um es im Mai wieder aufgebaut zu eröffnen. Das Konzept: historische Speisen aus allen Regionen Österreichs. Einzelne Themenschwerpunkte wie "Aufdeckt is'!", "Küchengeschichte(n)" oder "Heute ist Knödeltag" garantieren für volle Mägen.



(Alle Fotos, wenn nicht anders gekennzeichnet: WOCHE)
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