05.10.2016, 10:00 Uhr

Sie mag es gerne leiwand – Graz persönlich mit Annemieke van Dam

Fiebert ihrer Premiere in der Grazer Oper entgegen: Ab 15. Oktober (19.30 Uhr) ist der niederländische Musical-Star Annemieke van Dam in "Chess" zu sehen. (Foto: Prontolux)

Musicalstar Annemieke van Dam über ihre neue Rolle in Graz, Wiener Schmäh und nicht notwendige Käseimporte.

"Soll ich noch eine Pirouette um die Laterne machen?" Musical-Star Annemieke van Dam zeigt sich beim WOCHE-Fototermin vor der Grazer Oper von ihrer quirligen Seite, ganz so wie bei ihren Auftritten auf den großen Musical-Bühnen in Europa. Spätestens seit die 34-jährige gebürtige Holländerin im Jahr 2008 die Rolle der Elisabeth angenommen hatte, stieg sie in den Olymp der Musical-Darstellerinnen auf. "Ich habe Elisabeth alleine in Deutschland über 30 Mal gespielt und mein Leben komplett auf diese Rolle eingestellt. Das war sicher der Durchbruch in meiner Karriere", bilanziert van Dam.

Ein neuer Schachzug

Ein Durchbruch, der bei einem Verbleib in Holland wohl nie passiert wäre. "In Deutschland hatte ich viel mehr Möglichkeiten, daher war es absolut die richtige Entscheidung, meine Heimat zu verlassen." Zugute kam van Dam auch ihre Bilingualität, spricht sie doch neben Niederländisch auch perfekt Englisch und Deutsch. "Wenn ich probe, habe ich noch ab und an Probleme mit den Artikeln. Die Logik dahinter kann man ja auch nicht verstehen", lacht die sympathische Dame, die im niederländischen Tilburg eine Musical-Ausbildung absolviert hat.
Am 15. Oktober feiert van Dam, die früher oft sieben bis acht Mal pro Woche auf der Bühne stand ("Das ging an die Substanz"), ihre Premiere in der Oper Graz. Als Florence wird sie im Musical "Chess" zu hören und zu sehen sein. "Zuerst hab ich mir gedacht: Oh mein Gott, mit Schach habe ich ja überhaupt nichts am Hut. Wie ich mir die Musik angehört habe, war ich aber sofort Feuer und Flamme für diese Rolle", sagt van Dam über das Stück, das zur Zeit des Kalten Krieges spielt.

Plädoyer für Österreich

Eine Premiere ist aber nicht nur das Stück an sich, auch in Graz weilt van Dam, abgesehen von einem Kurzauftritt in einer Florian-Silbereisen-Show, zum ersten Mal. "Ich habe von vielen Kollegen gehört, dass die Stadt toll ist. Jetzt bin ich seit vier Wochen hier, habe ein supercooles Appartement und bin wirklich begeistert. Allzu viele Erkundungstouren habe ich allerdings noch nicht gemacht."
Besser findet sie sich mittlerweile in Wien zurecht, ist die Bundeshauptstadt doch zu ihrer Heimat geworden. "Ich habe im Jahr 2004 schon in Wien vorgesungen und bereits damals gesagt, dass ich einmal in dieser wundervollen Stadt wohnen möchte. Mittlerweile ist dieser Traum in Erfüllung gegangen", sagt van Dam, die mit ihrem Freund Julian Looman in der Metropole Quartier bezogen hat. "Mir taugt der Wiener Schmäh einfach, dazu kommt noch das sehr kulturelle und historische Umfeld. Oft denke ich mir noch immer, wie ‚geil‘ hier alles ist."

Liebe zum Schmarren

Das Heimweh plagt die reiselustige Niederländerin ("Im November mache ich eine Jeep-Safari, Angst und Vorfreude wechseln sich momentan ab") daher nur selten. "Die Familie geht mir schon ab. Auch die Direktheit der Holländer vermisse ich in Österreich in manchen Situationen."
Kulinarisch lässt ihre Wahlheimat jedoch keine Wünsche offen. "Am Anfang habe ich sogar noch Produkte aus Holland mitgenommen, wie zum Beispiel Käse. Mittlerweile ist das nicht mehr nötig, ihr habt selbst so tolle Sachen", verweist van Dam etwa auf Kaiserschmarren und Fiakergulasch.
Zum Essen ist sie allerdings nicht nach Österreich gezogen, sondern zum Spielen. Zwischen ihrer letzten Rolle in "Mary Poppins" und "Chess" lagen gut sieben Monate, die die Globetrotterin unter anderem auf Kuba verbracht hat. Auch für die Karriere danach sorgt sie bereits vor. "Seit einem Jahr mache ich in Kopenhagen eine Ausbildung zur Gesangslehrerin. Mich interessieren die verschiedenen Singtechniken ungemein. Man kann dabei noch so viel lernen." ^

Steckbrief
Geboren am 18.08.1982, Rotterdam
Musical-Ausbildung in Tilburg
Durchbruch mit der Rolle als Elisabeth im Jahr 2008
Spielte zuletzt das Kindermädchen Mary Poppins
Ab 15. Oktober spielt sie in der Oper Graz "Chess – Das Musical"

WOCHE-Wordrap
An Graz gefällt mir ... das französisch-italienische Flair.
Wäre ich nicht beim Musical gelandet, ... wäre ich Polizistin.
Treffen würde ich gerne ... Barack Obama.
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