22.06.2016, 14:16 Uhr

Ein Alltag der etwas anderen Art

Starker Zusammenhalt: Esther Stadlmann ist stolz auf ihre Drillinge Peter, Paul und Marie (v. l.), die nichts zwischen sie kommen lassen. (Foto: geopho.com)

600.000 Menschen in Österreich leben mit einer Behinderung. Ein Einblick bei einer betroffenen Familie.

Um 5.30 Uhr klingelt bei Familie Stadlmann in Kalsdorf der Wecker. Dann machen sich die elfjährigen Drillinge Paul, Peter und Marie fertig für die Schule. Während Paul in die Waldorfschule und Marie ins Musikgymnasium nach Graz fahren, führt Peters Weg ins Odilieninstitut.

Hilfe beim Sprechen

Der aufgeweckte Schüler sitzt im Rollstuhl und ist von klein auf sprachlich beeinträchtigt. In Österreich leben rund 600.00 Menschen mit Behinderung, 63.000 davon sind von einer Beeinträchtigung beim Sprechen betroffen und so wie Peter auf assistierende Technologien angewiesen. Doch bisher besteht rechtlich kein einheitlicher Anspruch auf eine Versorgung mit diesen „Sprechhilfsmitteln“. Der „Verbund – Empowerment Fund der Diakonie“ unterstützt daher Betroffene gemeinsam mit dem Lifetool-Beratungsnetzwerk, um ihnen zu einem selbstbestimmteren Leben zu verhelfen. „Ohne seinen Computer mit Augensteuerung und dem iPad mit der speziellen Software wäre es für Peter sehr schwer. Die Lifetool-Mitarbeiter haben uns hier gut beraten,“ meint Esther Stadlmann bei unserem Besuch in Kalsdorf. Während Peter die Lernspiele auf seinem iPad präsentiert, schnappt sich sein Bruder noch einen Muffin vom Tisch und Marie verlässt das Haus für den Klavierunterricht. Ein scheinbar stimmiges Familienbild.

24-Stunden-Betreuung

Doch auch, wenn die Stadlmanns den Alltag so gut es geht meistern, warten täglich neue Herausforderungen. „Unser Haus wird gerade ausgebaut. Peter soll überall selbst fahren können, es darf keine Schwellen geben, damit er mit dem Rollstuhl nicht kippen kann." Die Förderung einer größtmöglichen Selbstständigkeit ist das Ziel. Ziele hat Peter selbst große. Studieren möchte er einmal, am liebsten Chemie. Und wie er zur Uni kommt, weiß er auch schon – „mit dem Ferarri“, lächelt er verschmitzt. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Trotz der Hilfe von "Lifetool" und dem "Diakonie Fund" fehlt es oft an finanzieller Unterstützung. Und auch der Familienentlastungsdienst kann eine 24-Stunden-Betreuung nicht ersetzen. „Die Spontaneität geht verloren. Aber wenn ich Peters fröhliches Wesen sehe und wie er fremden Leuten oft die Berührungsängste nimmt, ist das schön“, meint die Mutter.
„Berührungsängste, was ist das?“, fragt Peter nachdenklich, bevor er sich freundlich verabschiedet und uns selbststeuernd mit dem Sensor seines Rollstuhls die Haustür öffnet.

Hier geht's zum Artikel: Lieftool will ein selbstständiges Leben ermöglichen
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.