19.05.2016, 15:00 Uhr

Ein Präsident muss jetzt auch "Online" können

Am Sonntag wird der neue Bundespräsident gewählt. (Foto: KK)

Politikanalyst Peter Plaikner über die Rolle von Social Media im Präsidenschafts-Wahlkampf.

Rund 174.000 Facebook-Fans für Norbert Hofer, an die 113.000 für Alexander Van der Bellen, seinen Gegner um die Bundespräsidentschaft. Hier hat der Kandidat der FPÖ die Nase klar vor dem ehemaligen Vorsitzenden der Grünen. Wie aber die Stichwahl, also sozusagen der zweite Durchgang im Rennen um die Hofburg am Sonntag ausgehen wird, werden eher nicht die entscheiden, die schon deklarierte Fans eines der Kontrahenten sind, sondern jene, die es seit der ersten Wahlrunde noch zu überzeugen gilt.
Dabei ist vor allem auch das Internet entscheidend. Glaubt man dem Politikanalysten Peter Plaikner, ist aber schon einmal eines klar: "Dies ist der erste wirkliche Social-Media-Wahlkampf in Österreich." 3,6 Millionen Facebook-Accounts gibt es laut dem Experten im Land, 600.000 davon werden von Vertretern der Generation 50-plus betrieben und sogar bei den über 70-Jährigen sind 30 Prozent täglich im Netz. Alle zwischen 16 und 29 könne man sowieso am besten online erreichen, so Plaikner. Ein Potenzial, das nicht hoch genug einzuschätzen sei. Wer dabei online vorne liegt, kann der Medienberater nicht sagen. "Bei den Zielgruppen, die beide Kandidaten erreichen wollen, gibt es nicht viele Überschneidungen. Beide müssen deshalb andere Strategien fahren." Während das Online-Handwerk – starke Bilder, Videos, plakative Botschaften – sowohl bei Hofer als auch bei Van der Bellen ähnlich sei, könne man die Inhalte nicht vergleichen.

Private Initiativen

Neben den offiziellen Online-Auftritten spielen auch private Initiativen eine Rolle. Von Graz aus versucht etwa gerade die Gruppe Wahlkoffer.at Stimmung für den Kandidaten ihrer Wahl zu machen, die dazu aufruft, auch offline Stellung zu nehmen. "Wir versuchen, die Leute zu motivieren, sich mit dem Thema zu beschäftigen, wählen zu gehen und keinen Blödsinn zu wählen", erklärt Thomas Wolkinger, einer von 60 bis 70 Initiatoren der Gruppe. Der Spruch "Bitte geht alle wählen, es ist vielleicht das letzte Mal" wurde auf Facebook innerhalb von wenigen Tagen etwa beinahe 4.000 mal geteilt. Und auch Anhänger von Norbert Hofer haben etliche Facebook-Gruppen wie Wir unterstützen Norbert Hofer gegründet, um ihm zum Wahlsieg zu verhelfen. Laut "Profil" wurde sogar auf der Website der Pfarre Hürm in Niederösterreich für Hofer geworben, der Beitrag ist aber mittlerweile nicht mehr sichtbar.
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