02.05.2016, 18:29 Uhr

Sie nennen es Liebe, wir nennen es Arbeit

Ob Peter Rosegger neben seiner Publikationstätigkeit auch wirklich alleine den gesamten Haushalt inclusive Kindererziehung gemacht hat?

Kunstaktion im öffentlichen Raum macht auf unbezahlte Reproduktionsarbeit aufmerksam.

Der 1. Mai ist nicht „Tag der Arbeit“. Historisch war er ein Kampftag der Arbeiter_innen-Bewegung gegen Ausbeutung und unmenschliche Lebensverhältnisse. Die Bezeichnung als „Tag der Arbeit“ macht jene unsichtbar, die die „Arbeit“ verrichten. Noch mehr jene, deren Tätigkeiten nicht als „Arbeit“ gesehen wird.

Einige Aktivistinnen feierten gestern nicht die „Arbeit“, sondern stellen „Arbeit“ in Frage. „Arbeit“ entscheidet in dieser Gesellschaft über Wert und Wertlosigkeit von Tätigkeiten und Menschen, über Teilhabe, Lebensbedingungen und Lebenszeit. Viele menschlich notwendige Tätigkeiten gelten nicht als „Arbeit“, und umgekehrt zählen viele sinnlose und destruktive Tätigkeiten als „Arbeit“.

Der 1. Mai wurde zum Aktionstag der unsichtbaren Arbeiter_innen erklärt. Das sind alle Menschen, die Care-„Arbeit“ machen: putzen, kochen, pflegen, Sex, erziehen und bilden, zuhören, wickeln, Fluchthilfe leisten usw. – und das schlecht oder unbezahlt, oftmals illegalisiert. Care betrifft uns alle. Doch meist sind es Frauen, die diese Tätigkeiten verrichten, oft im Privaten, unter unsicheren Bedingungen, unsichtbar. Auch die Kämpfe der Care-Arbeiter_innen gegen Ausbeutung, Grenzregime und für ein gutes Leben werden unsichtbar gemacht.

So wurden kurzerhand Denkmäler und Statuen in Graz mit Putzutensilien, Windeln, Schürzen und Ähnlichem gesschmückt, um Care-Arbeiter_innen und ihre Kämpfe sichtbar zu machen.
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