21.04.2016, 13:30 Uhr

Kreuzallergie: doppelte Dröhnung für Betroffene

Die Zahl der Kreuzallergie-Betroffenen hat sich in den vergangenen 15 bis 20 Jahren mehr als verdreifacht. (Foto: underdogstudios - Fotolia.)

Kreuzallergien plagen viele Menschen – und wirken sich auf gesamten Organismus aus. Aber was tun?

BEZIRK (ebd). Die meisten Allergien werden durch Eiweiße verursacht. Obwohl die auslösenden Allergenquellen grundverschieden sind, ähneln sich die Eiweißmoleküle häufig sehr. Sie kommen beispielsweise sowohl in Pollen als auch in Lebensmitteln vor und werden vom Immunsystem leicht verwechselt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Heuschnupfenallergiker auch auf bestimmte Lebensmittel allergisch reagieren. Die Symptome dieser so genannten Kreuzallergien können fallweise schwächer verlaufen als bei der zugrunde liegenden Hauptallergie, sind jedoch nicht minder belastend.

Viele Allergiker, die zum Beispiel auf Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze oder Latex reagieren, vertragen auch bestimmte Lebensmittel nicht. Meist kommen Kreuzreaktionen mit Pollen und Nahrungsmitteln vor. Sie gelten als häufigste Ursache für Nahrungsmittelallergien bei Jugendlichen und Erwachsenen. Rund die Hälfte aller PollenallergikerInnen (insbesondere Birken- und Beifußpollen) hat auch eine Kreuzallergie. Die Zahl der Betroffenen hat sich in den vergangenen 15 bis 20 Jahren etwas mehr als verdreifacht. „Ist der Körper etwa durch Stress oder Infekte belastet und leidet der Betroffene bereits unter einer Hauptallergie, ist die Wahrscheinlichkeit, eine Kreuzallergie mit Überreaktionen zu entwickeln, ungleich höher, sagt Oberärztin Andrea Aschenbrenner-Etzl, Internistin am LKH Schärding.

Am bekanntesten sind Kreuzreaktionen in Verbindung mit Nüssen, Obst, Gewürze, Fisch und Meeresfrüchten. In vielen Fällen treten sie nur vorübergehend in der jeweiligen Pollensaison auf, was die Diagnose erschweren kann. „Das Komplizierte daran ist, dass die Ähnlichkeit der Allergie auslösenden Stoffe meist nicht bekannt ist, somit denken Betroffene auch nicht daran, spezielle Kreuzreaktionen zu vermeiden. Daher ist es wichtig, zu wissen, inwiefern bestimmte Allergene sich nahe stehen, um mögliche kreuzallergische Anzeichen richtig deuten zu können“, erklärt die Expertin.

Kreuzallergien können sich symptomatisch auf den gesamten Organismus auswirken. Die allergietypischen Beschwerden treten oft direkt nach dem Essen auf. Je länger eine Hauptallergie schon besteht, desto häufiger kommt es zu Kreuzreaktionen auf ähnliche Allergene in Lebensmitteln. „Bei Kreuzallergien empfiehlt es sich daher – neben der medizinischen Abklärung – zum Beispiel ein detailliertes Ernährungstagebuch zu führen und auch die Zutatenliste von Lebensmitteln genau zu studieren.

Oft sind es nämlich nicht bestimmte Lebensmittel, sondern unvermutete Inhaltsstoffe wie etwa Spuren von Sellerie oder Erdnüssen in Gewürzmischungen, Fertiggerichten oder Backwaren, die zu heftigen Symptomen führen können. Die EU-weite Deklarationspflicht aller Inhaltsstoffe von Lebensmitteln bietet hierfür eine große Unterstützung.“, weiß Aschenbrenner-Etzl.

Welche Therapie?

Therapie der Wahl bei einer Kreuzallergie ist zunächst die Allergenkarenz (Vermeidung) und die Behandlung der Ursprungsallergie (z. B. Heuschnupfen). Besonders gute Erfolge lassen sich mit der Hyposensibilisierung erzielen, welche zum Beispiel beim niedergelassenen HNO- oder Lungen-Facharzt angeboten wird. Die Praxis zeigt, dass eine gut behandelte Grundallergie auch langfristig weniger Beschwerden mit Kreuzreaktionen verursacht.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.