26.06.2016, 10:53 Uhr

Statt Entwöhnung nur Entrüstung

Wirkt oder wirkt nicht? Bilder wie dieses prangen auch auf den Zigarettenpackungen, die in Österreich verkauft werden. (Foto: Edler)

Schockbilder auf den Zigarettenpackungen schockieren höchstens die Trafikanten.

Bilder sagen mehr als Worte – wahrscheinlich einer der Beweggründe, warum nun auch in Österreich nur noch Zigarettenpackungen mit den umstrittenen Schockbildern – im EU-Jargon "Bild-Text-Warnhinweise" – verkauft werden dürfen. Ausnahme: Vorräte an alten Schachteln dürfen noch bis Mai 2017 abgegeben werden. Doch der alte Lagerbestand ist schön langsam weg.

Schock sitzt nicht tief

Mit der Gesetzesnovelle reiht sich Österreich in die Liste jener Länder, die mittels Schockbilder den Appetit auf Tabak verderben möchten. Weltweit greifen bereits 77 Länder zu dieser Maßnahme. Für Claudia Kahr, Geschäftsführerin von Vivid, der Fachstelle für Suchtprävention, prinzipiell begrüßenswert: "Aus suchtpräventiver Sicht ist es gut, wenn Verpackungen von Tabakprodukten keine Werbefläche mehr sind." Kahr vermutet allerdings, dass die Schockbilder eher Nichtraucher davon abhalten, erstmals zur Zigarette zu greifen, als Raucher dazu bringen, ihr Laster aufzugeben.
Das bestätigt auch der klinische Gesundheitspsychologe Roman Sander: "Aktuelle Gehirnforschungen zeigen, dass derartige abschreckende Bilder wirken – allerdings nicht langfristig." Raucher würden sich außerdem Vermeidungsstrategien und Auswege suchen, um den Schockbildern zu entgehen. "Sie stecken die Zigarettenschachtel einfach in ein Etui und es passt wieder", schmunzelt der Experte.

Strand statt Raucherlunge

Zielführender wären sowohl für Kahr als auch für Sander die Erweckung positiver Assoziationen: "Wenn auf den Packungen ein schöner Sandstrand zu sehen ist, den man sich mit dem durchs Aufhören ersparten Geld leisten kann, ist das mehr Ansporn, sich vom Rauchen zu verabschieden, als jedes noch so grausige Bild einer Krankheit", erklärt der Psychologe.
Claudia Kahr: "Die perfekte Kombination wäre aus unserer Sicht überhaupt Packungen mit positiven Bildern und der Kontakt einer konkreten Ansprechstelle für die Entwöhnung."

"Übertrieben und ordinär"

Der Feldbacher Trafikant Andreas Frank findet die Schockbilder übertrieben. "Sobald sich die Kunden daran gewöhnt haben, denken sie nicht mehr darüber nach." Wie die Warnhinweise gekommen sind, habe es am Anfang einen ähnlichen Wirbel gegeben. Dass man Raucher damit zum Aufhören bewegen kann, glaubt Frank nicht. "Wenn das so einfach wäre, dann würden viel mehr Menschen zum Rauchen aufhören."
Was mögliche Umsatzrückgänge betrifft, gibt sich der junge Feldbacher Unternehmer gelassen: "Man kann sich Situationen schlecht- oder schönreden. Ich bin eher ein Mensch, der die Sachen schönredet, weil man einfach nichts an der Situation ändern kann. Man kann nur das Beste daraus machen. Was aber auch mich zum Nachdenken bringt, ist, dass die Regierung das Rauchen mehr oder weniger verbieten bzw. abdrehen möchte. Jetzt mit den Schockbildern und dann mit dem Rauchverbot." Dabei: "Für mich ist die Trafik meine Existenz!"
Nahversorger Franz Unger in Unterpurkla in der Gemeinde Halbenrain denkt ähnlich wie Frank. Er betreibt einen Spar-Markt und hat eine Trafik dabei. "Die Bilder sind übertrieben und ordinär." Einen Raucher könne man seiner Ansicht nach nicht entwöhnen. Umsatzeinbußen befürchtet Franz Unger allerdings nicht – und wenn, dann nur am Anfang.

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