Voestalpine streicht 550 Jobs in Kapfenberg und Kindberg

Im Kindberger Rohrwerk sind für den Herbst 250 Kündigungen geplant.
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Die Voestalpine will im Herbst in der Steiermark zwischen 500 und 550 Jobs streichen. Betroffen sind rund 250 Arbeitsplätze in Kindberg und bis zu 300 in Kapfenberg. Lehrplätze und Forschung sind von den Einsparungen nicht betroffen.

„Wir sind gerade dabei, in der Steiermark einen Sozialplan für rund 500 bis 550 Mitarbeiter auszuverhandeln“, erklärte Konzernchef Herbert Eibensteiner am Mittwoch in einer Telefonkonferenz.

Minus von 70 Millionen Euro

„Wir gehen davon aus, dass der Sozialplan ab September zur Anwendung kommen wird“, so Eibensteiner. „An den Standorten Kapfenberg und Kindberg wird sich der Stahlkonzern laut Eibensteiner nachhaltig anpassen müssen und meint damit die schwächelnde Nachfrage aus der Öl- und Gasindustrie und aus der Luftfahrtindustrie infolge der gedämpften Weltkonjunktur.

Der Konzern verzeichnete im ersten Quartal 2020 ein Minus in der Höhe von 70 Millionen Euro nach einem Gewinn von 90 Millionen im Vorjahr. Die Finanzkennzahlen des Voestalpine-Konzerns zum 1. Quartal 2020/21 spiegeln die coronabedingte weltweite Rezession wider. So reduzierte sich der Umsatz im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres um 28,1 Prozent von 3,3 auf 2,4 Milliarden Euro. Die Anzahl der Beschäftigten im Voestalpine-Konzern verminderte sich entsprechend der geringeren Produktionsauslastung gegenüber dem Vorjahresstichtag um 7,3 Prozent von 51.670 auf 47.894. Im Juni 2020 waren in Österreich rund 10.400 und in Deutschland rund 2.600 Voestalpine-Mitarbeiter in Kurzarbeit bzw. international weitere 2.300 in kurzarbeitsähnlichen Modellen (z.B. Großbritannien, Rumänien, Belgien, Frankreich, USA).

Zeltweg und Leoben nicht betroffen

Vom Konjunktureinbruch nicht betroffen ist die Fertigung von Schienen und Weichen – an den Standorten in Zeltweg und Donawitz sind keine Einschnitte geplant. In den meisten Bereichen gibt es daher auch keine Kurzarbeit mehr.

„Unser Forschungsbudget ist nicht betroffen, genauso wie die Ausbildung unserer Lehrlinge. Das sind Investitionen in die Zukunft für uns“, stellte Eibensteiner klar. Erst Anfang Juli hatte die Voestalpine angekündigt, in der Steiermark Lehrlinge zu suchen

Reaktionen: "Dramatische Situation"

Als „dramatisch“ bezeichnet der stv. SPÖ-Klubchef Jörg Leichtfried die angekündigten Kündigungen in den Voestalpine-Werken Kapfenberg und Kindberg und fordert von der Bundesregierung „ernsthafte Gespräche mit dem Voestalpine-Vorstand und einen Sozialplan für die Menschen vor Ort. Wir sind mitten in der größten wirtschaftlichen und sozialen Krise, die die Menschen nun auch in Kapfenberg und Kindberg trifft. Jetzt ist ernsthafte Politik, die für einen Weg aus dieser größten Krise nach dem Zweiten Weltkrieg sorgt, gefordert“, so Leichtfried.
„Jetzt muss Geld in die Hand genommen werden, das Arbeitslosengeld auf 70 Prozent erhöht werden, es muss eine Erhöhung des Familienzuschlages zum Arbeitslosengeld geben, einen Corona-Tausender und eine Qualifizierungsoffensive für Zukunftsberufe, außerdem soll die Aktion 20.000 wieder aktiviert werden“, so Leichtfried. Zudem verweist Leichtfried auf die bereits im Mai von der steirischen Landesregierung ins Leben gerufene Stiftung mit 40 Millionen Euro.

Als „schmerzhaft, aber nicht überraschend" bezeichnen Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) und Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ) die Nachricht über einen drohenden Stellenabbau bei der Voestalpine an den Standorten Kapfenberg und Kindberg. „Es ist bedauerlich, dass sich das Unternehmen auf Grund der Auswirkungen der Corona-Pandemie, von denen die Luftfahrtbranche besonders betroffen ist, zu diesem Schritt gezwungen sieht. Angesichts der aktuellen Situation war diese Entwicklung leider absehbar", so Eibinger-Miedl und Kampus, die dem Unternehmen sowie den betroffenen Mitarbeitern Unterstützung zusichern: „Wir tun alles, was möglich ist, um die Betroffenen zu unterstützen, sodass sie möglichst rasch wieder einen Arbeitsplatz finden". Dazu diene auch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Land Steiermark und dem AMS. Um die sozialen Folgen abzufedern, sei überdies ein Sozialplan, den das Unternehmen angekündigt hat, dringend notwendig.

„Die Ankündigung der Konzernführung stellt für den Bezirk Bruck-Mürzzuschlag und die gesamte Steiermark eine absolute Hiobsbotschaft dar. Aufgrund der Ereignisse in den letzten Monaten waren solche Entwicklungen leider zu befürchten, aber das Ausmaß ist nun dennoch erschreckend. Die Bundes- und die Landesregierung sind nun gefordert, sofort entsprechende Gespräche mit dem Voestalpine-Vorstand zu führen, um den Stellenabbau zu verhindern oder zumindest etwas geringer ausfallen zu lassen. Sollte es trotzdem zu einem Personalabbau kommen, braucht es ein lückenloses soziales Netz, um diese unverschuldet betroffenen Arbeitnehmer aufzufangen. Bei tatsächlich stattfindenden Kündigungen müssen umgehend Zukunftsperspektiven für diese Menschen geschaffen werden. Es braucht hier einen Schulterschluss des steirischen Sozialressorts mit der Bundesregierung und dem AMS, um alle nur notwendigen Maßnahmen zu setzen, diese arbeitsmarktpolitische Katastrophe und die daraus resultierenden sozialen Schicksale möglichst abzuwenden oder einzudämmen“, so FPÖ-Bezirksparteiobmann NAbg. Hannes Amesbauer.

Im Kindberger Rohrwerk sind für den Herbst 250 Kündigungen geplant.
Herbert Eibensteiner, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG.

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