INTERVIEW
"Landflucht mit viel Aufwand entgegenwirken"

WEITERSFELDEN. Über Landflucht, Demografie und die Zukunft von Weitersfelden hat sich BRS-Freistadt-Redakteur Roland Wolf mit dem Weitersfeldener Bürgermeister Franz Xaver Hölzl (ÖVP) unterhalten.

Weitersfelden hat seit 1971 rund 24 Prozent der Bevölkerung eingebüßt. Macht Ihnen diese Entwicklung Sorgen?
Es ist richtig, dass Weitersfelden seit 1971 pro Dekade etwa 100 Personen verloren hat. Diese Entwicklung bereitet uns seit langem Sorgen. Daher haben wir einen intensiven Agenda-21-Prozess gestartet, in dem alle Lebensbereiche bearbeitet werden. Das Ziel dieses Prozesses ist es, ein Leitbild zu erstellen, Schwächen zu beheben und Stärken auszubauen. Alle Maßnahmen zielen letztendlich darauf ab, die Abwanderung zu stoppen. Und weil wir schon einiges umgesetzt haben, konnte die Anzahl der Hauptwohnsitze in den letzten zehn Jahren konstant gehalten werden.

Warum ziehen die Menschen aus der Peripherie weg?
Trotz vieler Vorzüge des ländlichen Raums ist die Nähe zum Arbeitsplatz der wesentliche Grund, um aus den peripheren Lagen abzuwandern. Bei uns sind Arbeitsplätze rar und die Pendler müssen weite Strecken auf sich nehmen.

Wie wirkt die Gemeinde Weitersfelden dem Trend zur Landflucht entgegen?
Mit viel Aufwand und Anstrengungen. Wir werden nicht müde, die Vorzüge Weitersfeldens im ländlichen Raum hervorzustreichen und bewusst zu machen. Unter Vorzügen verstehe ich die ausgezeichnete Nahversorgung, das hervorragende Vereinsleben, den großen Zusammenhalt, die gute Infrastruktur und vieles mehr.

Welche Instrumentarien sind nötig, damit Randlagen nicht völlig aussterben?
Die individuelle Lage einer Gemeinde ist Gott gegeben. Daher sollte ein gerechter Finanzausgleich im kleinen Land Österreich die Standortunterschiede zwischen Gunstlagen und Ungunstlagen ausgleichen. Dies geschieht derzeit leider noch immer völlig unbefriedigend und ungerecht. Denn es gelten in weiten Bereichen noch immer die Grundlagen aus der Wiederaufbauzeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist nicht zu verstehen, dass die Stadt Wien für einen Wiener Bürger etwa das Dreifache von dem erhält, was die Gemeinde Weitersfelden für einen Weitersfeldener Bürger bekommt. Die zweite Ungerechtigkeit ist die Kommunalsteuer und ein weiterer Punkt ist die Raumordnung. Das System der "Gemeindefinanzierung neu" ist ein guter Ansatz, um die Schieflage der Kommunalsteuer etwas zu korrigieren.

Was wünschen Sie sich von der Landes- beziehungsweise Bundespolitik?
Einen gerechten Finanzausgleich, eine adaptierte und bessere Wohnbauförderung, einen zielgerichteten öffentlichen Verkehr und ein auf die Raumtypen abgestimmtes Raumordnungs- und Naturschutzgesetz.

Können Sie der aktuellen Kampagne der Bezirks-SPÖ gegen Landflucht etwas abgewinnen?
Natürlich kann ich dieser Initiative etwas abgewinnen. Grundsätzlich bin ich über jede Aktivität gegen die Landflucht dankbar. Wenn das nun die SPÖ aufgreift, hege ich die Hoffnung, dass sie vielleicht in den von ihr dominierten Städten bei den Finanzausgleichsverhandlungen eine Änderung der Blockadehaltung bewirkt und ein größeres Verständnis für den ländlichen Raum hervorruft. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass die Mühlviertler Alm seit mehr als 25 Jahren mit einer Vielzahl an Maßnahmen und Projekten erfolgreich an dieser Thematik arbeitet.

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