Kabinengespräche
Unternehmerinnen erzählen, warum der erste Schritt oft der schwerste ist
- Beim Gondelgespräch am Nassfeld tauschten sich Unternehmerinnen über ihre Erfahrungen mit der Selbstständigkeit aus. Im Bild links Christian Wastian und Sonja Wurzer von der Wirtschaftskammer Hermagor sowie rechts Sonja Simschitz, Corinna Enzi und Karin Tschabuschnig (von vorne nach hinten).
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Beim Kabinengespräch am Nassfeld tauschten sich Unternehmerinnen aus dem Gailtal über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und die Bedeutung gegenseitiger Unterstützung aus.
NASSFELD. Welche Herausforderungen bringt die Selbstständigkeit mit sich und wie wichtig ist der Austausch mit anderen Unternehmerinnen? Darüber wurde bei einem Kabinengespräch am Nassfeld am Freitag, dem 16. Oktober, gesprochen. Dabei standen vor allem die Sichtbarkeit von Frauen in der Wirtschaft, gegenseitige Unterstützung und der Mut zur Selbstständigkeit im Mittelpunkt.
Übersetzerin für Frauen
Karin Tschabuschnig aus St. Stefan ist seit 15 Jahren selbstständig und Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft im Bezirk Hermagor. Ein besonderes Anliegen ist ihr, auch kleinere Unternehmen sichtbarer zu machen. „Ich sehe mich als Übersetzerin zwischen der Wirtschaftskammer und uns Frauen“, betonte sie. Viele Frauen hätten gute Ideen, würden sich aber oftmals nicht zutrauen, diese auch tatsächlich umzusetzen. „Es gibt so viele, die kreativ sind und gute Ideen haben, aber gleichzeitig sehr schüchtern sind“, erzählte Tschabuschnig. Dabei spiele es für sie keine Rolle, wie groß ein Unternehmen sei oder ob Mitarbeiter beschäftigt werden. „Es ist wichtig, dass jeder gesehen wird“, hob sie hevor.
Der Schritt in die Selbstständigkeit
Dass der Weg in die Selbstständigkeit manchmal auch ganz spontan beginnen kann, zeigt die Geschichte von Sonja Simschitz, die seit rund fünf Jahren ein Friseurgeschäft in Hermagor führt. Zuvor war sie 18 Jahre lang in einem Friseurbetrieb in Weißbriach tätig. Als ihr damaliger Chef seine Pensionierung ankündigte, entschied sie sich schließlich dazu, sein Friseurgeschäft in Hermagor zu übernehmen. „Das hat sich dann in zwei Monaten ergeben“, erinnerte sie sich. Neben der Renovierung und dem Umbau musste sie sich auch mit den Herausforderungen der Unternehmensgründung auseinandersetzen. Besonders die Unterstützung bei offenen Fragen sei für sie dabei hilfreich gewesen. „Man wird ernst genommen“, betonte die Unternehmerin. Mittlerweile engagiert sie sich gemeinsam mit Karin Tschabuschnig bei Frau in der Wirtschaft und möchte auch andere Frauen auf ihrem Weg unterstützen.
Austausch untereinander
Wie wichtig die Vernetzung gerade für kleinere Unternehmen ist, betont auch Corinna Enzi aus Weißbriach. „Ich glaube, dass gerade bei kleineren Unternehmen oft unterschätzt wird, wie gut man sich untereinander vernetzen kann“, meinte sie. Auch ihr selbst sei anfangs nicht bewusst gewesen, wie viele Veranstaltungen und Möglichkeiten zum Austausch es eigentlich gibt. „Das ist an mir damals ganz am Anfang auch oft ein bisschen vorübergegangen“, gab sie zu. Durch den Kontakt mit anderen Unternehmerinnen habe sie festgestellt, dass viele mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert seien. „Es ist völlig egal, in welcher Branche man unterwegs ist. Jeden beschäftigt das Gleiche“, erzählte Enzi. Gerade deshalb sei es wichtig, Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen.
- Sonja Simschitz, Corinna Enzi und Karin Tschabuschnig (v. l.) tauschten sich beim Gondelgespräch am Nassfeld über ihre Erfahrungen als Unternehmerinnen aus.
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Mut zur Veränderung
Auch Sonja Wurzer, die seit fast zehn Jahren selbstständig ist und sich im Team von Frau in der Wirtschaft engagiert, weiß, wie wichtig gegenseitige Unterstützung ist. Mittlerweile hat sie sich ein zweites berufliches Standbein aufgebaut. Besonders schätzt sie an der Selbstständigkeit die Möglichkeit, Beruf und Familie miteinander zu verbinden. „Ich liebe es, durch dieses Netzwerk mit Menschen in Kontakt zu sein, weiterzuhelfen und etwas zu verändern“, schilderte sie. Gleichzeitig möchte sie auch anderen Frauen Mut machen, beruflich neue Wege einzuschlagen. Viele Menschen seien mit ihrer Arbeit unzufrieden, würden sich aber nicht trauen, etwas zu verändern. Dabei sei es ihrer Meinung nach nie zu spät, sich beruflich neu zu orientieren.
- Christian Wastian und Sonja Wurzer von der Wirtschaftskammer Hermagor
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Hemmschwellen überwinden
Dass viele Frauen nicht nur vor dem Schritt in die Selbstständigkeit, sondern auch davor zurückschrecken, Unterstützung in Anspruch zu nehmen, wurde bei den Gesprächen ebenfalls deutlich. Besonders die Wirtschaftskammer werde von vielen noch immer als Behörde wahrgenommen. „Viele haben einfach eine Hemmschwelle, wenn es um die Wirtschaftskammer geht“, erzählte Tschabuschnig. Dabei gebe es zahlreiche Beratungs- und Unterstützungsangebote, von denen viele Unternehmerinnen gar nichts wissen würden. Tschabuschnig möchte deshalb auch zu einem Umdenken anregen. „Ich bin nicht der Bittsteller, wenn ich hingehe, sondern ich zahle auch meine Kammerumlage. Und ich darf das ja einfordern“, betonte sie. Mit diesem Bewusstsein könne man auch selbstsicherer an die Wirtschaftskammer herantreten und Unterstützung in Anspruch nehmen.
Angebote bekannter machen
Auch Christian Wastian, Bezirksstellenleiter bei der Wirtschaftskammer in Hermagor, kennt diese Unsicherheiten. „Viele denken automatisch an ein Amt. Aber das ist es eigentlich nicht“, erklärte er. Vielmehr gehe es darum, Unternehmer bei ihren Anliegen zu beraten und ihnen aufzuzeigen, an wen sie sich mit ihren Fragen wenden können. Oftmals fehle schlicht das Wissen darüber, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Genau hier möchten auch die Unternehmerinnen von Frau in der Wirtschaft ansetzen. Durch persönliche Gespräche, gemeinsame Veranstaltungen und gegenseitigen Austausch wollen sie dazu beitragen, Unsicherheiten abzubauen und bestehende Angebote bekannter zu machen. Denn oftmals sei bereits der erste Schritt die größte Hürde.
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