19.05.2017, 09:32 Uhr

"Bauer unser," der du hoffentlich nicht ausstirbst

IMST (ps). Artgerechte Tierhaltung, EU Ausgleichszahlungen, Bauernsterben und weitere heikle Themen wurden bei der Filmvorführung von "Bauer unser" mit anschließender hochkarätigen Podiumsdiskussion behandelt. Dass es den Bauern alles andere als rosig geht, wurde auch unlängst bei dem katastrophenähnlichen Kälteeinbruch und den damit verbundenen Schäden in der Landwirtschaft auch für einen Laien klar. Doch der gezeigte Film und die anschließenden zahlreichen Wortmeldungen aus dem bunt gemischten Publikum zeichneten ein gesellschaftskritisches Bild.
Die Überproduktion von Lebensmitteln, die ökonomisch untragbare Fütterung der Tiere, die Tatsache dass Bauern pro verkauftem Schwein acht Euro dazuzahlen müssen, nur um Bauer bleiben zu können sind die Folgen einer zwanghaften Vergrößerung der landwirtschaftlichen Betriebe. "Lebensmittel sollen im Handel nichts kosten, dann ist genügend Geld da für die teuer beworbenen Konsumgüter," lautet beispielsweise ein Zitat aus dem Film. Doch auch positive Beispiele, wie der Vetterhof in Vorarlberg wurden vorgestellt. Deren Existenzgeheimnis scheint die Vielfalt der erzeugten Produkte zu sein.


Spannende Diskussion

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit dem Direktor des Bauernbundes Hannes Abentung, Bauer und Gastronom Jakob Prantl, Bezirksblätter Chefredakteur Sieghard Krabichler und dem GF des Fleischhof Oberland Georg Schuler wurde den durchaus kritischen Wortmeldungen Raum und Zeit gegeben. So wurde die Frage nach den Folgen des russischen Wirtschaftsembargos an Georg Schuler gerichtet. Dieser nannte konkrete Zahlen, die man mit etrem starkem Export von Schweinefleisch nach China wieder wett machen konnte. Jakob Prantl gab zu bedenken, dass er selbst größte Hindernisse überwinden musste, um die eigene Milch und den daraus gemachten Käse auf seiner Ski- und Almhütte selbst vermarkten zu dürfen. Bekanntlich darf auf Hütten nur noch pasteurisierte Milch und keine Rohmilch mehr verkauft werden. Daraufhin stellte er kurzerhand einen Milchautomaten auf seiner Gastterrasse auf.



Auch die Medien, vertreten durch Chefredakteur der Bezirksblätter, Sieghard Krabichler, wurden kritisch durchleuchtet. Eine Wortmeldung aus dem Publikum kritisierte die landesweite Berichterstattung über die Folgen von Zeckenbissen bei Kühen. Verunsicherte Konsumenten überranten die Bauern mit Fragen um die Risiken des Milchtrinkens. "Die Bezirksblätter als Regionalmedien sind bestrebt, die aktuellen Themen von allen Blickwinkeln zu beleuchten und zu hinterfragen. Seriöse Berichterstattung ist uns wichtig, Panikmache aus Sensationsgier ist nicht unser Geschäft. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und gehen sensibel damit um."


So breitgefächert wie die Themenauswahl des Abend, waren auch die Meinungen des Publikums und er Gäste am Podium. Obstbauer Stefan Maier von Mair´s Beerengarten in Rietz erklärte die Diskrepanz der unterschiedlichen Preisgefüge europaweit. Er klärte auf, dass für ihn ein Arbeiter 17 Euro in der Stunde kostet, in Marokko, einem Obst-Hauptimportland Europas, kostet ein Arbeiter gerade sieben Euro am Tag. Ein Preisvergleich ist damit schon nicht mehr fair.



Auch Bezirksbäurinnenvertreterin Renate Dengg unterstrich die Notwendigkeit der Wertschtzung und Wertschöpfung. Selbst vermarktet sie Lämmer, und das zu einem guten Preis. Viele Meinungen wurden gehört, Moderator und Mitorganisator Magnus Gratl vom Forum Land führte gewohnt souverän durch die Diskussion. Unter den Anwesenden wurde auch Rudolf Köll, Peter Raggl, Margret Falkner, Hermann Holzknecht, Andrä Neururer, Reinstadler Lukas und Maria Hauser gesichtet.



Eine Veranstaltung mit nicht enden wollendem Gesprächspotential und durchaus hoffnungsvollen Ansätzen für die Zukunft der Bauern.
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