Märkte in Innsbruck
Dieser Innsbrucker will das Marktgeschehen revolutionieren
- Paul Prost direkt im Marktgeschehen mit einem Verkäufer von Viptalerbrot.
- Foto: Lucas Micka
- hochgeladen von Lucia Königer
Schätze entdecken, ratschen, etwas essen und florierende Marktstände: Genau so stellt sich Paul Prost das Marktleben in Innsbruck vor. Der gebürtige Berliner organisiert mittlerweile mehrere Märkte und hat noch einige Ideen, wie die Stadt ihre Plätze stärker beleben könnte.
INNSBRUCK. Eigentlich sollte Innsbruck für Paul Prost nur eine Zwischenstation sein. Vor acht Jahren kam der gebürtige Berliner in die Stadt. Als gelernter Koch wollte er hier etwas Geld verdienen und anschließend weiterreisen. Daraus wurde nichts. „Ich habe mich in Innsbruck sehr verliebt“, erzählt er.
Auch beruflich schlug Prost schließlich einen anderen Weg ein. Während eines Studiums gründete er gemeinsam mit anderen den Kulturverein Dachziegelflow.
- Paul Prost (links) mit David Peric, dem aktuellen Leiter des Dachziegelflows und Organisator des Open Mics im Rapoldi Park.
- Foto: Lucas Micka
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Aus ersten Musikveranstaltungen und Open-Mic-Abenden wurden mit der Zeit größere Veranstaltungen und Straßenfeste. Irgendwann stellte sich die Frage, wie man große Plätze mit Leben füllt. Die naheliegendste Antwort: ein Markt. Seit 2024 gibt es somit die "Nachteule", die vor allem in der damaligen Bale ihr Zuhause hatte.
- Früher konnte Paul Prost auf die Bale als Veranstaltungsort zurückgreifen.
- Foto: Hans Friedrich
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„Ich habe angefangen, mich darum zu kümmern und Leute dazuzuholen“, erzählt Prost. Schnell wurde daraus mehr als eine einzelne Veranstaltung. Heute organisiert er unter anderem den Kunsthandwerksmarkt am Sparkassenplatz, Nacht- und Kinderflohmärkte, WHIP! - die Bikebörse, den anstehenden Herbstmarkt am Marktplatz sowie den Kulinarikmarkt am Bozner Platz.
„Ich mag dieses Gesellschaftliche daran“
Was Prost an Märkten besonders fasziniert, ist dabei nicht allein das Verkaufen. Für ihn sind Märkte vor allem Orte der Begegnung.
„Man kommt zusammen, stöbert ein bisschen und hat immer Zeit zum Ratschen“, beschreibt er seine Vorstellung. Das gelte auch für die Händlerinnen und Händler. Wer gerne auf Märkten verkaufe, sei häufig ein kommunikativer Mensch und schätze den Austausch.
- Schätze entdecken auf den Flohmärkten.
- Foto: Hans Friedrich
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Seine eigene Handschrift bringt Prost ebenfalls ein. Essen und Trinken gehören für den gelernten Koch ebenso dazu wie Live-Musik. Gleichzeitig möchte er Kunsthandwerk und gebrauchten Dingen eine Bühne geben. Nachhaltigkeit spielt dabei eine Rolle.
Ein Stück Berlin in Innsbruck
Die Idee, Märkte stärker als regelmäßige Treffpunkte zu etablieren, hat Prost aus seiner Heimatstadt mitgebracht. In Berlin gebe es in vielen Stadtvierteln regelmäßige Wochenmärkte mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten: von Stoff- über Flohmärkte bis hin zu Kulinarikangeboten.
„Das habe ich hier ein bisschen vermisst“, sagt Prost. Innsbruck habe zwar bereits große und etablierte Märkte. Was ihm fehle, sei vor allem die Regelmäßigkeit. Ein fixer Termin unter der Woche, bei dem die Menschen wüssten, dass sie dort zusammenkommen, etwas entdecken oder einfach etwas trinken können. Genau in diese Richtung möchte er das Innsbrucker Marktgeschehen weiterentwickeln.
Bühne für regionale und junge Kreative
Bei der Auswahl der Ausstellerinnen und Aussteller legt Prost Wert auf Regionalität und Handarbeit. Beim Kunsthandwerk gehe es ihm darum, dass Produkte tatsächlich selbst hergestellt werden und möglichst aus regionalen und nachhaltigen Materialien bestehen.
Gleichzeitig möchte er auch jenen eine Chance geben, die noch am Anfang stehen.
- Märkte könnten für junge Kreative eine niederschwellige Möglichkeit sein, ihre Produkte erstmals einem Publikum zu präsentieren.
- Foto: Hans Friedrich
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Besonders die Nachteule sei dafür eine Plattform. Dort finden sich laut Prost viele junge Menschen, die gerade beginnen, Schmuck, Kleidung oder Lampen herzustellen. „Da geht sehr viel mehr“, ist er überzeugt. Märkte könnten für junge Kreative eine niederschwellige Möglichkeit sein, ihre Produkte erstmals einem Publikum zu präsentieren und die ersten kleinen Schritten in das Unternehmertum zu gehen.
Zwischen Vision und finanzieller Realität
Die größte Herausforderung ist allerdings nicht die Idee, sondern deren Umsetzung als "One-Man-Show". Prost organisiert vieles selbst. Er kümmert sich um die Webseite, einzelne Grafiken, Organisation und Kommunikation und versucht, die notwendigen Genehmigungen und Abstimmungen mit den Behörden unter einen Hut zu bekommen.
Gleichzeitig sollen die Märkte für die Ausstellerinnen und Aussteller leistbar bleiben. „Du kannst einfach nicht so hohe Standmieten kassieren, sonst würde sich das am Ende für viele nicht mehr rentieren“, erklärt Prost.
Damit entsteht ein Spannungsfeld: Je niederschwelliger und vielfältiger das Angebot sein soll, desto schwieriger wird es, die Veranstaltungen ausschließlich über die Standgebühren zu finanzieren. Prost ist deshalb teilweise auf finanzielle Unterstützung der Stadt angewiesen.
Mehr Unterstützung für die Märkte
Hier sieht Prost noch Luft nach oben. Gerade innerstädtische Flohmärkte seien bei der Stadt nicht immer besonders gern gesehen und mit vergleichsweise mühsamen Auflagen verbunden. Außerdem fallen oft immense Kosten für den Platz und Strom an, was es für junge Unternehmer nicht leicht macht, Fuß zu fassen. Das bedauert der Marktveranstalter. Denn ohne finanzielle Unterstützung müsse er stärker darauf achten, dass ein Markt wirtschaftlich möglichst ertragreich ist. Dadurch werde das Angebot automatisch kommerzieller und weniger niederschwellig, als er es eigentlich gestalten möchte.
Seine Vorstellung geht in eine andere Richtung: Märkte sollen möglichst vielen Menschen offenstehen und gleichzeitig einen Mehrwert für das Stadtleben schaffen.
- Für Prost ist der Bozner Platz ein Beispiel dafür, welches Potenzial regelmäßige Veranstaltungen für die Innenstadt haben könnten.
- Foto: Lucas Micka
- hochgeladen von Lucia Königer
Als Beispiel nennt Prost den Bozner Platz. Grundsätzlich sei dieser für ihn ein schöner Ort in der Innenstadt. „Er kann noch ein bisschen Leben gebrauchen“, meint er. Gemeinsam mit dem Kulinarikmarkt habe er deshalb erste Erfahrungen gesammelt. Darüber hinaus habe er der Stadt bereits umfangreichere Konzepte vorgelegt. Diese seien bisher allerdings nicht in der gewünschten Form umgesetzt worden.
Für Prost ist der Platz ein Beispiel dafür, welches Potenzial regelmäßige Veranstaltungen für die Innenstadt haben könnten. Ein Markt alleine sei dabei nur ein Teil des Konzepts.
Auch im Winter geht es weiter
Eine Pause legt Prost im Winter ohnehin nicht ein. Im Gegenteil: Er arbeitet auch hinter den Kulissen des Innsbrucker Christkindlmarkts und kümmert sich unter anderem um die Markthütten in der Altstadt und in der Maria-Theresien-Straße.
Gleichzeitig möchte er mit der Nachteule wieder einen eigenen Weihnachtsmarkt auf die Beine stellen. Als möglichen Veranstaltungsort hat er das Zeughaus im Blick. Die Suche nach geeigneten Indoor-Flächen ist allerdings schwierig, denn viele seien für kleinere, nicht ausschließlich kommerziell ausgerichtete Projekte schlicht zu teuer.
- Für den Weihnachtsmarkt hofft Prost auf das Zeugheus als Location.
- Foto: Hans Friedrich
- hochgeladen von Lucia Königer
Trotz aller Hürden will Prost an seiner Idee festhalten. Für ihn sind Märkte mehr als Verkaufsflächen. Sie sollen Orte sein, an denen Menschen zufällig miteinander ins Gespräch kommen, regionale Produkte entdecken, jungen Kreativen begegnen und gemeinsam Zeit verbringen. Und genau davon könnte Innsbruck seiner Meinung nach noch ein bisschen mehr vertragen.
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