Influencer
Innsbruck als "Creator-Hauptstadt" - Fluch oder Segen?
- Das Bild, das auf Social Media von Innsbruck entsteht, zeigt vor allem die schönsten Seiten der Stadt und zieht die Leute in ihren Bann. Influencer haben die Stadt für sich entdeckt, um idealen Content zu kreieren. Fluch oder Segen für Innsbruck?
- Foto: Königer/Symbolbild
- hochgeladen von Lucia Königer
Innsbruck wird auf Instagram und TikTok weltweit gezeigt. Für die einen ist das eine Chance für Kultur, Tourismus und lokale Projekte, für andere ein Grund zur Sorge. Die Diskussion zeigt: Es geht weniger um ein Gegeneinander, sondern um die Frage nach Verantwortung.
INNSBRUCK. Berge direkt vor der Haustür, die Altstadt, Sportmöglichkeiten und kurze Wege zwischen Stadt und Natur: Für Sebastian Jäger (Hier geht es zum Instagramprofil) sind das genau die Gründe, warum Innsbruck für viele Content Creator so interessant geworden ist. Der Innsbrucker Influencer bezeichnet die Stadt deshalb auch als „Creator-Hauptstadt“.
„Am Vormittag im Café sitzen und am Nachmittag auf der Skipiste oder mitten in der Natur sein – dieser Lifestyle ist natürlich sehr Instagram-tauglich“,
erklärt der gebürtige Tiroler aus Reutte. Immer mehr Creator würden deshalb nicht nur für ein Auslandssemester nach Innsbruck kommen, sondern die Stadt auch bewusst als Standort für ihre Arbeit wählen.
- Fast alles an Innsbruck ist "Instagram-tauglich". Das kann Positives aber auch Negatives bringen.
- Foto: Königer/Symbolbild
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Doch genau darin liegt auch ein Spannungsfeld. Denn das Bild, das auf Social Media entsteht, zeigt vor allem die schönsten Seiten einer Stadt.
Das perfekte Innsbruck-Bild hat auch Schattenseiten
„Instagram zeigt natürlich oft nur einen Ausschnitt der Realität“, so Jäger, der in Innsbruck ein Soziologie- und Architekturstudium absolvierte. Deshalb versucht er auf seinem eigenen Kanal bewusst, auch andere Seiten Innsbrucks zu zeigen. Nicht nur Berge und Sonnenuntergänge, sondern auch Kultur, Veranstaltungen und Menschen, die die Stadt mitgestalten. Er gibt Themen eine Bühne, die auf Social Media sonst leicht untergehen und weniger "Screentime" erhalten.
- Sebastian Jäger versucht einen moderateren Weg des Influencer-Daseins in Innsbruck.
- Foto: Sebastian Jäger
- hochgeladen von Lucia Königer
Ein Punkt, der ihm wichtig ist: Der viel gezeigte Outdoor-Lifestyle sei ein Privileg und nicht der Alltag aller Menschen.
„Nicht jeder kann am Mittwochvormittag auf der Skipiste stehen. Viele Menschen haben Arbeit, Familien und andere Verpflichtungen.“
Gerade diese Diskrepanz sorgt immer wieder für Diskussionen. Unter Social-Media-Beiträgen über Innsbruck finden sich regelmäßig kritische Kommentare von Menschen, die sagen: Die Stadt sei nicht nur eine Kulisse für schöne Bilder.
Kritik an Geheimtipps und überlaufenen Orten
Wie stark soziale Medien Orte verändern können, zeigt auch eine aktuelle Diskussion rund um Berg- und Wandertipps. Der Verein Berglerei sorgte mit einem Facebook-Beitrag für Aufmerksamkeit, in dem angekündigt wurde, künftig weniger konkrete Tourentipps und Ortsangaben zu veröffentlichen. Der Grund: Manche Naturplätze würden durch virale Beiträge innerhalb kurzer Zeit zu überfüllten Hotspots.
In den Kommentaren erhielt der Verein viel Zustimmung. Kritisiert wurde vor allem, dass manche Beiträge Reichweite über Verantwortung stellen würden und unerfahrene Personen durch spektakuläre Bilder zu schlecht vorbereiteten Touren verleitet werden könnten.
Jäger sieht das Thema differenziert. Social Media könne durchaus dazu beitragen, dass Orte bekannter werden und Menschen neue Angebote entdecken. Gleichzeitig müsse man sich fragen, wer von dieser Aufmerksamkeit profitiert und wer möglicherweise darunter leidet.
„Die Frage ist: Schaffen wir es, dass nicht nur einzelne Personen oder Unternehmen profitieren, sondern dass auch die Menschen vor Ort etwas davon haben?“
Die Verantwortung der Creator
Genau hier setzt auch die „Creator Night Innsbruck“ an, die Jäger gemeinsam mit markify.at ins Leben rufen konnte. Praktischerweise handelt es sich bei Markify um einen Online-Shop für Influencer-Kooperationen, um Firmen bei der Kundengewinnung zu unterstützen, somit ein perfekter Kooperationspartner für ein Event, wie die "Creator Night Innsbruck".
An diesem Abend wurde Szene zusammengebracht und Raum für Austausch zwischen Creator, Unternehmen und der Stadt geschaffen. Letztere war untere anderem durch das "Innsbruck Stadtmarketing" und "Innsbruck Tourismus" vertreten. Als Eventpartner und Location provider konnte das mariatheresia gewonnen werden.
Eine fruchtbare Kooperation entstand bereits daraus: Der Veranstalter von Munkys Air Jam fand über die Creator Night seine Geschäfts- und Kooperationspartner und konnte somit das Event an der Nordkette professionell realisieren. Ohne diese Partnerschaft hätte Simon Weninger (Munkys Air Jam), nach eigenen Angaben, das Event nicht mehr alleine stemmen können.
- Eine fruchtbare Kooperation der Creator Night Innsbruck: Simon Weninger (Veranstalter der Munkys Air Jam) und Influencer sowie Veranstalter der Creator Night Sebastian Jäger.
- Foto: Sebastian Jäger
- hochgeladen von Lucia Königer
Ziel der Creater Night war nicht, Social Media grundsätzlich infrage zu stellen, sondern über den Umgang damit zu sprechen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse laut Jäger: Reichweite bringt Verantwortung mit sich.
„Wenn man mit einem Video hunderttausende Menschen erreicht, muss man sich überlegen, welche Botschaft man damit vermittelt.“
Dabei gehe es nicht nur um Naturschutz, sondern auch darum, die Menschen hinter einem Ort wahrzunehmen.
„Es geht nicht nur um die schöne Kulisse, sondern um die Menschen, die dort leben, arbeiten und diese Orte prägen.“
Mehr Austausch statt Fronten
Für Jäger liegt ein wichtiger Teil der Lösung im Dialog. Die lokale Bevölkerung müsse die Chancen von Social Media erkennen, gleichzeitig müssten Creator sensibler dafür werden, welche Auswirkungen ihre Inhalte haben können.
„Oft würden sich viele Konflikte lösen, wenn sich die verschiedenen Seiten besser kennen würden.“
Letztendlich muss man sich wohl eingestehen: Die Entwicklung lässt sich nicht einfach zurückdrehen. Die Stadt wird weiterhin auf Social Media sichtbar sein. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, ob Innsbruck gezeigt wird, sondern wie und in welchem Ausmaß.
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