"Plätze, für die es sich zu kämpfen lohnt"

Die drei Zinnen in den Sextner Dolomiten dienen den Alpenvereinen als Titelbild ihrer neuen Kampagne "Unsere Alpen – einfach schön!".
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  • hochgeladen von Andreas Marksteiner

Am 4. Dezember starteten die Alpenvereine aus Österreich, Deutschland und Südtirol ihre gemeinsame Kampagne "Unsere Alpen – einfach schön!". Ziel ist es, ein Bewusstsein zu schaffen für die Gefährdung des Natur- und Kulturraums Alpen durch die stetig fortschreitende Verbauung und Versiegelung.

Mit wenigen Modifizierungen einigte sich die Tiroler Landesregierung vor Kurzem auf eine Fortführung des Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms (TSSP). Das sei aber nicht der Grund dafür gewesen, dass genau jetzt die neue Kampagne ins Leben gerufen wurde. Vielmehr habe man sich am internationalen Tag der Berge (am 11.12.) orientiert. Ein Dorn im Auge sind die jüngsten Entwicklungen rund um das TSSP dem Österreichischen Alpenverein (ÖAV) natürlich trotzdem. Es handle sich dabei mittlerweile lediglich "um eine Verkehrsverlagerung, nicht mehr um eine Verkehrsvermeidung, wie ursprünglich geplant", kritisiert die Leiterin der Abteilung Naturschutz beim ÖAV Liliana Dagostin.

Endausbaugrenzen gefordert

Der Alpenverein verstehe sich "nicht als grundsätzlicher Gegner des Tourismus, sondern als Partner", betont ÖAV-Generalsekretär Robert Renzler. Als "Anwalt der Alpen" sehe man sich aber auch in der Pflicht, Alternativen zum "harten Tourismus" aufzuzeigen. "Noch gibt es sie, die schönen Plätze, für die es sich zu kämpfen lohnt", stellt Gerold Benedikter, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, fest. Was bisher noch fehle und auch ins TSSP festgeschrieben gehöre, sind Endausbaugrenzen. Bereits jetzt seien über 41 Prozent der gesamten Fläche Österreichs verbaut. Jeden Tag aufs Neue würde eine Fläche von 20 Fußballfeldern verbaut und versiegelt, wobei hier in Zukunft durch "aktuelle Fehlentwicklungen" noch "ein deutliches Mehr" drohe.

"Weg von der Kriegsrhetorik"

"Alle touristischen Kräfte sollten sich zusammensetzen und einen Dialog führen", in den auch die Bevölkerung eingebunden gehöre, meint Robert Renzler. Die Landesregierung könnte einen solchen Dialog moderieren. In jedem Fall müsse man "weg von der Kriegsrhetorik", um miteinander eine für alle lebenswerte Zukunft im Alpenraum zu schaffen. Dass es nicht ewig so weiter gehen könne wie bisher, habe unter anderem die jüngste Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zur geplanten Liftverbindung Kappl-St. Anton gezeigt. Nun hoffe man, "dass das richtungsweisend sein wird", erklärt Liliana Dagostin.

"Mit Wasser spielt man nicht"

Ein weiteres Thema, das der ÖAV ganz bewusst in den Mittelpunkt der noch jungen Kampagne stellt, ist das der Wasserrahmenrichtlinie. Diese stehe auf dem Prüfstand, weil diverse EU-Mitgliedstaaten und unterschiedliche Lobbys Stimmung für eine Aufweichung machen würden. Der Vorwand, dass die Ziele der Richtlinie (ein Verschlechterungsverbot und ein Verbesserungsgebot) ohnehin nicht erreicht werden könnten, stimme schlichtweg nicht. Dementsprechend setze sich der Alpenverein zusammen mit anderen Naturschutzorganisationen für den Schutz des Wassers ein. "Mit Wasser spielt man nicht", so Dagostin.

Analog und digital

Eingeläutet wurde die länderübergreifende Kampagne, die zwei bis drei Jahre lang laufen soll, am 4.12. mit drei zeitgleich stattfindenden Pressekonferenzen in Innsbruck, München und Bozen. Außerdem veröffentlichten die beteiligten Vereine eine eigene Kampagnenzeitung und eine zentrale Website. Postings in den sozialen Medien sollen diese Kanäle noch ergänzen. Drei Postkarten-Sujets mit Motiven "brennender Themen" aus den jeweiligen Ländern werden in Zukunft ebenfalls stetig erweitert. Während man hierbei in Österreich zum Start "das Thema Wasser spielt", stehen in Bayern das Riedberger Horn und in Südtirol das noch weitgehend naturbelassene Höhlensteintal im Fokus.

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