Handy an Schulen
Tiroler Reaktionen auf das geplante Handyverbot
- Das Handyverbot als großer Aufreger, Stellungnahmen aus Tirol.
- Foto: Kaufmann
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Die Landesschülervertretung Tirol betont: "Die geplante Einschränkung der Handynutzung an Schulen stoßt bei Tirols Schülern auf Unverständnis." Die AHS Gewerkschaft Tirol erklärt: "Handyverbote zu beschließen, ohne den Lehrpersonen die dazu notwendigen Erziehungsmittel in die Hand zu geben, ist populistisch." Auch der Landeselternverband Tirol hat eine ausführliche Stellungnahme abgegeben. Eine Übersicht.
TIROL. Das 2. Schülerparlament der Landesschülervertretung Tirol (LSV) fand im Landtagssaal statt. Besonders im Fokus: das geplante Handyverbot der Regierung, das eine klare Positionierung innerhalb der Jugend zeigte. Gleichzeitig stellte die LSV Tirol ihre neue Mental Health Kampagne „Alles steht Kopf“ vor – eine Initiative, die großen Zuspruch fand und die psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern in den Mittelpunkt rückt.
Unverständnis
Die geplante Einschränkung der Handynutzung an Schulen stößt bei Tirols Schülerinnen und Schülern auf Unverständnis. Anstatt ein generelles Verbot auszusprechen, fordert die LSV Tirol einen bewussten und pädagogisch sinnvollen Umgang mit digitalen Geräten im Unterricht.
Die Schülervertretung spricht sich daher klar gegen eine pauschale Einschränkung aus und fordert stattdessen zukunftsorientierte Aufklärung sowie eine sinnvolle Integration digitaler Medien in den Schulalltag. „Ein generelles Handyverbot an Schulen ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt – statt Verbote brauchen wir Aufklärung und einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien.“ – Lana Lazarevic, BMHS-Landesschülervertreterin.
- Landesschülervertretung Tirol 2024/25 mit
Landeshauptmann Anton Mattle - Foto: Luka Kolanovic
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Neue Kampagne
Neben der Debatte über das Handyverbot lenkte die LSV Tirol mit ihrer neuen Kampagne "Alles steht Kopf" die Aufmerksamkeit auf ein weiteres zentrales Thema: psychische Gesundheit. Besonders in der Schule sind Stress und Leistungsdruck für viele Schülerinnen und Schüler belastend – dennoch wird über mentale Gesundheit oft zu wenig gesprochen. Die Initiative soll dazu beitragen, das Thema zu enttabuisieren und Unterstützung für Betroffene leichter zugänglich zu machen. „Psychische Gesundheit ist genauso wichtig wie körperliche – es ist Zeit, dass wir darüber sprechen und uns gegenseitig unterstützen.“ – Matteo Plattner, stv. AHS Landesschulsprecher.
- Matteo Plattner, stv. AHSLandesschulsprecher
- Foto: Luka Kolanovic
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Lehrpersonen einbinden
Da das Thema Handyverbot derzeit vom neuen Bildungsminister forciert wird, hält der Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft Tirol, Matthias Hofer, dazu fest:
1) Als Reaktion auf die Coronazeit hat man begonnen, Schülern in der Unterstufe flächendeckend digitale Endgeräte kostengünstig zur Verfügung zu stellen. Gerade die Partei des Bildungsministers hat lange Zeit die stockende bzw. fehlende Digitalisierung in den Schulen kritisiert. Nun kommt mit einem generellen und flächendeckenden Handyverbot in der Volksschule und der Unterstufe die Kehrtwende. Das ist ein weiteres Beispiel für unkoordinierte Anlassgesetzgebung.
2) Die Problematik mit der Handynutzung in der Schule ist kein neues Phänomen, viele Schulen haben daher schon vor langer Zeit Regelungen in ihren Hausordnungen festgelegt. Diese Regelungen sind natürlich je nach Standort und Problemlage unterschiedlich. Eine generelle Vorgabe bei den Regelungen wäre daher wenig hilfreich, Probleme sind dort am besten zu lösen, wo sie auftreten.
3) Noch vor wenigen Tagen hat das Bildungsministerium in einer schriftlichen Stellungnahme festgehalten, dass aus seiner Sicht ein generelles Handyverbot in den Schulen rechtlich nicht umsetzbar ist.
4) So vernünftig schulische Handyregelungen auch sind, sie werden zwangsläufig zur Makulatur, wenn man deren Um- und Durchsetzung nicht im gleichen Atemzug mitregelt. Die vom Bildungsminister vorgeschlagenen „Konsequenzen“ bei Nichteinhaltung der Regelungen, die vom Klassenbucheintrag bis zur Vorladung der Eltern reichen sollen, werden die Schüler sicher vor Ehrfurcht erschaudern lassen …
Handyverbote zu beschließen, ohne den Lehrpersonen die dazu notwendigen Erziehungsmittel in die Hand zu geben, ist populistisch. Nachdem die allermeisten Schulen bereits für sie passende Regelungen in der Hausordnung festgelegt haben, wäre es nun die Aufgabe des Bildungsministers, den Lehrpersonen bei der Durchsetzung dieser Regelungen den Rücken zu stärken und ihnen entsprechende Erziehungsmittel dafür in die Hand zu geben. Und natürlich geht es dabei auch um Haftungsfragen, wenn Handys in diesem Kontext beschädigt werden. (Matthias Hofer)
Landeselternverband Tirol
Seit mehr als 48 Stunden prasseln bei uns im Landeselternverband Tirol (LEVT) E-Mails, WhatsApp-Nachrichten und Anrufe herein. Viele Fragen, Anregungen oder Aufregungen, Sorgen, aber auch Lob zu dieser geplanten Maßnahme des neuen Bildungsministers Christoph Wiederkehr sind uns näher gebracht worden, erklärt der Landeselternverband Tirol in einer Aussendung. "Basierend auf den vielen Dutzend dieser eingelangten Reaktionen aus dem Kreis von Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerschaft erlaubt sich das Präsidium, eine Stellungnahme zur „handyfreien Schule“ abzugeben.
Digitale Grundbildung versus Schulautonomie
In der Regierungserklärung werden hoffnungsvoll schulautonome Entscheidungsmöglichkeiten ausgesprochen. Mit der Ankündigung aus Wien als Zwangsmaßnahme für alle Schulen ein Handyverbot zu erlassen, scheint eine Irritation sowohl bei Schulgemeinschaften, Elternvereinen, aber auch von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrpersonal in Tirol gegeben zu sein. Viele Schulen und Elternvertreter, welche sich in der Schulgemeinschaft aktiv einbringen, haben seit vielen Jahren in ihren Schulforen und Schulgemeinschaftsausschüssen eigenständige Maßnahmen, je nach Sinnhaftigkeit und Bedarf, für ihre Bildungseinrichtungen entschieden und diese in ihrer Schulordnung festgeschreiben. Diese Entscheidungen wurden in Korrespondenz mit den Bildungsanforderungen der digitalen Grundbildung, den Lehrplänen und vor allem einem auch künftig rechtlich notwendigen Bedarf zur Nutzung von mobilen Geräten erstellt. Andererseits sehen IT-Lehrerinnen und Lehrer auch Herausforderungen wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung bei Tablets, IT-Security, Phishing, Identitätsdiebstahl und Cybermobbing. Dies sind wichtige Themen, bei denen Schüler lernen sollten, sicher mit Technik umzugehen.
Sind Handys in der Schule ein Problem?
Aus Sicht vieler Eltern, Schülerinnen und Schüler und auch Lehrkräften sind Handys an sich kein Problem. Wohl aber die sozialen Medien und die Geiselhaft, in die sich unsere Kinder dort begeben. Smartphones sind ja nur die ubiquitäre Konsum-Hardware.
Wesentlich hilfreicher wäre ein „soziale-Medien-Verbot“ in der Schule, aber die Apps lassen sich nicht blockieren. Aufklärung über die Mechanismen im Hintergrund, vor allem hinsichtlich erwirtschafteter Umsätze, auch in Richtung Eltern ausgesprochen, ist im familiären Umfeld als auch Schulalltag notwendig. Dies wird nicht nur im Informatik-, sondern auch im Ethik- und Biologieunterricht (Suchtrezeptoren …) anzusiedeln. Das Grundübel beginnt nicht erst in der Volksschule, sondern bereits zuvor, wo immer wieder Eltern ihren Kleinkindern im Kinderwagen bereits ein Handy zur Bespaßung in die Hand drücken, um sich erzieherische Freiräume zu schaffen.
Gesundheit und Handy
Aufgrund der hohen Stundenanzahl, welche die Kinder täglich am Handy verbringen, müssen wir davon ausgehen, dass manche Kinder die gesamte Wachzeit Mobilgeräte nutzen. Wie uns manche derart betroffene Eltern mitteilten, sind eindeutige negative gesundheitliche Folgen bekannt. Mediziner haben uns bestätigt, dass Kurzsichtigkeit, stark zunehmend Adipositas bei Kindern mit Begleiterkrankungen und hohes Suchtpotenzial nachweisbar werden. Zudem gestörtes Sozialverhalten unter Kindern samt Gewalt. Somit könnten Schulen, wo eine Einschränkung möglich ist, diese Faktoren bei schulautonomen Planungen berücksichtigen! Die jetzige Elterngeneration ist mit dem Handy aufgewachsen und sieht dies leider oft zu unreflektiert und lebt dies oft selbst exzeptionell ihren Kindern vor. Zuhause bestehen offensichtlich mitunter unkontrollierte IT-Freiheiten sowohl am Handy als auch an anderen digitalen Geräten. Daher wäre von unserer Seite des LEVT eine gezielte Nutzung mit Lehrerinnen und Lehrern im Unterricht natürlich sozial- und bildungspädagogisch zielführend.
Haftung, Versicherungen, Verantwortungsübergang
Handygaragen, Verwahrung in den Schulspinden, Wegsperren und viele andere Möglichkeiten bei der Hinterlegung oder Abnahme von Handys haben vielseitige Auswirkungen oder Aspekte, welche vorerst vom neuen Bildungsminister Christoph Wiederkehr nicht berücksichtigt werden. Wer haftet für die abgegebenen oder abgenommenen Handys? Die Schulen und Lehrerinnen und Lehrer sehen ihre Aufgabe nicht in einer persönlichen Haftung, wenn wieder einmal ein Handy auf unerklärliche Weise verschwindet oder beschädigt wird. Sollen die Schulen nun eine Sonderversicherung abschließen? Oder übernimmt der Bundesminister persönlich die Haftung aufgrund der von ihm erteilten Weisung? Schülerinnen und Schüler sind stolz auf die modernsten und neuesten Handys, welche durch ihre oftmals Hochpreisigkeit nicht einmal gegen Diebstahl oder Schäden von den Eltern versichert werden.
„Wer haftet“ - das ist eine der Hauptfragen, welche uns dem LEVT in Tirol gestellt wurde. Soll es einen Handybeauftragten geben oder muss die Schulleitung das Opfer bringen? Wo ist der Verantwortungsübergang? Eltern-Schüler:innen-Lehrer:innen-Schulleitung oder…?
Ankündigungen seitens Regierungsvertreterinnen und -vertretern sind oft schnell formuliert, doch müssen diese in einem Gesamtkontext mit den zu berücksichtigenden exogenen- und endogenen Faktoren erstellt werden. Der LEVT sieht hier noch seitens des zuständigen Ministers sehr viele offene und rechtlich relevante Fragen offen.
Schlussbemerkung
"Uns ist eine gelebte Schulgemeinschaft, bestehend aus Elternvertretern, Schüler:innen und Lehrer:innen sowie Spezialist:innen wichtig. Es muss weiter die Möglichkeit gewahrt bleiben, dass vor allem in Zusammenarbeit mit den Elternvereinen jede Schule den Handybedarf für sich selbst prüft und Maßnahmen umsetzen darf. Die Einführung eines teilweisen oder gänzlichen Handyverbots ist seit vielen Jahren in Tiroler Schulen bereits eingeführt und in deren Hausordnungen verankert", hält der LEVT in seiner Aussendung fest.
Vor- und Nachteilen
Aus Lehrersicht kann es durchaus eine Erleichterung sein, wenn auch die Eltern ein teilweises oder gänzliches Verbot unterstützen. Dies würde dem pädagogischen Personal einiges ersparen. Zum Beispiel weniger Disziplinarmaßnahmen, keine endlosen Diskussionen und keine zusätzliche Einschulung für Schüler, die ihr Handy ja bereits seit Jahren nutzen. Schlussfolgernd ist der Schwerpunkt auf digital unterstützte Sozialkompetenz zu legen, die konstruktiv - disruptives Denken als Fundament zulässt. Das Handyverbot im Schulbereich kann durchaus zielführend in Brennpunktschulen sein, jedoch sollte diese in Eigenverantwortung der jeweiligen Schule, Schulleitung und der Schulgemeinschaft überlassen bleiben. Auch aufgrund der Haftungs- und Versicherungsfragen. Das „Handyverbot“ ist ein interessantes Thema für den politischen Einstieg, jedoch sollen wichtigeren Maßnahmen zur Verbesserung der Bildung, wie Deutschförderklassen, Mathematik, Sozial- und Ethikunterricht, Sommerschulen, usw. welche längst überfällig sind, einen wichtigeren Stellenwert eingeräumt werden.
- Lana Lazarevic, BMHS-Landesschülervertreterin
- Foto: Anna Thaler
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