Freizeit
Die Surfer vom Sillkraftwerk - Surf'Inn "Eine Welle für Innsbruck"
- Surfen in Innsbruck? Am Sillkraftwerk ist das dank dem Verein Surf'Inn möglich. Wie der Verein dazu kam und welche Herausforderungen mit "einer Welle für Innsbruck" einhergehen, erfahrt ihr hier.
- Foto: Surf'Inn
- hochgeladen von Lucia Königer
Wer an Innsbruck denkt, hat meist Berge, Ski oder Mountainbikes im Kopf. Eine Surfszene erwartet man hier eher nicht. Genau das wollten einige Surfbegeisterte ändern und gründeten den Verein Surf'Inn – Eine Welle für Innsbruck. Dahinter steckt jahrelange Tüftelei, viel Eigeninitiative und auch so mancher Konflikt.
INNSBRUCK. Früher gab es einige natürliche Wellen außerhalb Innsbrucks. Doch bauliche Maßnahmen wie etwa von Fischaufstiegshilfen verschwanden diese Spots nach und nach. „Die Wellen waren plötzlich verschwunden“, erzählt Gründungsmitglied Ilja Kunz im Gespräch. Für die kleine Szene begann damit die Suche nach einem neuen Platz. Fündig wurden die Surfer schließlich beim Kraftwerk untere Sill der IKB. Dort gab es bereits eine kleine Welle, die man mit einfachen Mitteln verbessern wollte. Der Bereich am Werkskanal bot aus Sicht des Vereins ideale Voraussetzungen: sauberes Wasser, wenig Geschiebe und eine Strömung, die sich beeinflussen ließ.
Vom Holzkeil zur Stahlkonstruktion
Die Idee: mit einer eigenen Konstruktion wollte man die Welle am Kraftwerk vergrößern. Die ersten Versuche waren improvisiert. Ein etwa 1,5 Meter breiter Holzkeil wurde mit Stahlseilen im Wasser befestigt. Immer wieder gingen die Holzkonstruktionen kaputt. „Das waren echt ernüchternde Tage“, erinnert sich Kunz. Teilweise seien Einbauten innerhalb kürzester Zeit zu Bruch gegangen. „120 Euro waren dann in zwei Sekunden zerstört“. Trotzdem machte die Gruppe weiter.
- Hier gut zu sehen: die selbst entwickelte "Wellenkonstruktion".
- Foto: Surf'Inn
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Nach mehreren Fehlschlägen entschied sich Surf'Inn schließlich für eine stabilere Lösung. Die heutige Stahlkonstruktion veränderte die Möglichkeiten deutlich. „Der Einbau der Stahlrampe war ein Quantensprung“, sagt Kunz. Seitdem können die Surfer eine breitere Welle erzeugen und besser auf unterschiedliche Wasserstände reagieren.
Eine nächtliche Aktion mit Polizei und Kraftwerksmitarbeitern
In der Entstehungsgeschichte der Welle ist dem Team von Surf‘Inn besonders eine nächtliche Abseil- und Welleninstallationsaktion in Erinnerung geblieben. Damals, vor vielen Jahren, seilten sich einige Surfer an den Kraftwerksmauern ab, brachten einen Holzkeil im Wasser an und warteten gespannt auf das Ergebnis. Die Welle funktionierte tatsächlich, doch plötzlich ging das Flutlicht im Auslauf des Kraftwerks an. Kurz darauf standen Polizei und Kraftwerksverantwortliche vor Ort.
- Surfen in einer Alpenregion? Auch für Innsbruck ist das dank Surf'Inn möglich.
- Foto: Surf'Inn
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Die Situation verlief überraschend entspannt und freundlich, der Einbau wurde noch im Beisein aller Beteiligten entfernt und alle verließen den Ort des Geschehens in die Dunkelheit der Nacht. Aus der anfänglichen Kontrolle entwickelte sich später ein Gespräch mit dem Kraftwerksbetreiber. Am Ende eines sehr positiven Gesprächs erhielt der Verein die Erlaubnis, neue Rampeninstallationen zu testen. Die Bedingung: Surf‘Inn trägt die volle Verantwortung und Haftung für die Einbauten. Seitdem gibt es einen regelmäßigen und professionellen Austausch mit dem Kraftwerksbetreiber. Vor Umbauten wird telefoniert oder gemailt, auch über Arbeiten am Kraftwerk wird der Verein informiert.
Viel Arbeit für eine einzige Welle
Wer glaubt, die Mitglieder treffen sich nur zum Surfen, unterschätzt den Aufwand. Material muss gekauft, tonnenschwere Module müssen geschweißt und mit Hilfe von Kränen an der richtigen Stelle installiert und immer wieder gewartet und verbessert werden, eine komplexe Steuerung der Module wurde ebenfalls vom Verein selbst entwickelt und umgesetzt. Finanziert wird das Projekt vor allem durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und private Darlehen aus den eigenen Reihen.
- All die Mühe lohnt sich, wenn man auf einer nahezu perfekten Welle im Sonnenlicht in Innsbruck surfen kann.
- Foto: Surf'Inn
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Trotzdem bleibt der Einstieg vergleichsweise günstig. Der Jahresmitgliedsbeitrag liegt bei 50 Euro. Dafür gibt es eine Sicherheitseinweisung, Zugang zu den Surf-Sessions und Betreuung durch erfahrene Mitglieder.
Gesurft wird vor allem von Frühjahr bis Winter. Bislang war die späteste Surf-Session am 6. Dezember des vergangenen Jahres. Organisiert wird das Ganze inzwischen digital: Über eine App sehen Mitglieder Pegelstände und freie Plätze und können sich direkt anmelden.
Zwischenmenschliche Herausforderungen
Ganz reibungslos lief das Projekt allerdings nie. Besonders mit einem Vertreter der Fischerei kam es laut Verein über Jahre hinweg zu Spannungen. Surf‘Inn berichtet von E-Mails, konstruktiven Gesprächsversuchen, die immer wieder im Sand verliefen. Letztes Jahr wurde der Verein Surf‘Inn dann plötzlich angezeigt, weil für die Einbauten keine wasserrechtliche Genehmigung vorlag. Daraufhin mussten zahlreiche Stellen eingebunden werden: Vom Wasserbau über den Hochwasserschutz bis hin zu technischen Fachabteilungen. Mit Erfolg: Heute liegt die Genehmigung vor und es wird regelmäßig gesurft.
- Letztes Jahr wurde der Verein Surf‘Inn dann plötzlich angezeigt, weil für die Einbauten keine wasserrechtliche Genehmigung vorlag.
- Foto: Surf'Inn
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Die Surfer betonen, dass ihre Konstruktionen jederzeit wieder entfernt werden können und keine dauerhafte Veränderung des Flusses darstellen. Gleichzeitig zeigen sie Verständnis für den Schutz der Fischbestände und hätten sich nach eigenen Angaben mehr direkten Austausch statt jahrelanger heimlicher Konflikte gewünscht.
Aus Sicht von Surf‘Inn sei es vor allem ärgerlich, die Chance verpasst zu haben, gemeinsam mit allen Beteiligten sinnvolle Regeln für sensible Bereiche im Fluss zu erarbeiten und diese über die große Reichweite des Vereins, nicht nur an Surfende, sondern auch an Badegäste, Hundehalter und so manch anderen Flussinteressierten im umliegenden Bereich zu vermitteln und zu sensibilisieren. Stattdessen müsse der Verein nun eine Entschädigung für einen winzigen Flussabschnitt bezahlen, welcher sich weder als Laichgrund noch als natürliches Habitat beschreiben ließe.
Ein neuer Treffpunkt am Wasser
Trotz aller Hürden ist rund um die Welle inzwischen eine kleine Community entstanden. Spaziergänger bleiben stehen, schauen den Surfern zu und kommen ins Gespräch.
Für die Zukunft hat Surf'Inn eine klare Vision: Die Welle soll langfristig stärker Teil der Stadt werden. „So wie es Skateparks gibt, so wie es Trails gibt, kann es auch eine Welle geben“, sagt Kunz.
- Trotz aller Hürden ist rund um die Welle inzwischen eine kleine Community entstanden.
- Foto: Surf'Inn
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Wer jetzt neugierig geworden ist, muss übrigens kein eigenes Material besitzen. SurfInn verleiht Boards und Neoprenanzüge und begleitet Anfängerinnen und Anfänger bei den ersten Versuchen auf der Welle. Informationen zu Mitgliedschaft, Terminen und Surf-Sessions gibt es unter Surfinn.at.
Am kommenden Freitag, den 28. August findet zudem im PMK in Innsbruck die jährliche & mittlerweile legendäre Party des Vereins statt. Neben hochkarätigen Bands wie Lyca und Bikini Beach erwartet euch erstklassiger Rap, eine fette Tombola & feine Vibes.
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