26.01.2018, 09:59 Uhr

5.000 BesucherInnen beim "Tag der Lehre 2018"

Am Donnerstag wurden in der Messe Innsbruck verschiedenste Lehrberufe präsentiert.

LH Platter: "Die Lehre muss noch mehr an Bedeutung gewinnen – wir fördern die duale Ausbildung!"

Am Donnerstag wurde in der Messe Innsbruck nicht nur präsentiert und ausgestellt – es wurde unter anderem auch gekocht, vermessen und gewerkelt: Beim dritten Tiroler "Tag der Lehre" stellten Lehrlinge im Beisein von AusbilderInnen anhand praktischer Arbeiten ihr Können unter Beweis und gaben den knapp 5.000 BesucherInnen Einblicke in die verschiedensten Lehrberufe. Die größte Lehrlingsveranstaltung ihrer Art in Österreich wird vom Land Tirol, der Wirtschaftskammer Tirol, der Arbeiterkammer Tirol sowie der Industriellenvereinigung Tirol, dem AMS Tirol, dem Landesschulrat für Tirol und den Tiroler Fachberufsschulen organisiert. Das Ziel: Jungen Menschen das breite Ausbildungsspektrum einer Lehre sowie die damit einhergehenden Chancen aufzeigen.

Über 30 Lehrberufe auf 5.500 Quadratmetern

In Tirol gibt es über 10.700 Lehrlinge. An 22 Tiroler Fachberufsschulen (TFBS) wird ihnen theoretisches Wissen ergänzend zu bereits praktisch Erlerntem vermittelt. "Die duale Ausbildung stellt eine optimale Kombination des Lernens dar. Die Lehrlinge von heute bilden das Rückgrat der Tiroler Wirtschaft von morgen. Im Wissen dessen ist es uns ein Anliegen, die duale Ausbildung in Tirol weiter zu fördern und ihr Ansehen in der Gesellschaft zu stärken", zeigt sich LH Günther Platter über die aktuelle Entwicklung erfreut: "Die Lehrlingszahlen in Tirol steigen. Das zeigt, dass Maßnahmen wie die Fachkräfteoffensive und Informationskampagnen greifen und wir auf dem richtigen Weg sind. Die Lehre muss noch mehr an Bedeutung und Attraktivität gewinnen – Veranstaltungen wie der Tag der Lehre sind ein wichtiger Teilaspekt, um dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern."

Lehrlinge werden in Tirol gefördert

Finanzielle Unterstützung für Lehrlinge gibt es seitens des Landes: "Im Rahmen der Fachkräfteoffensive und durch die vielen bewährten Angebote aus der Arbeitsmarktförderung stärkt das Land Tirol junge Menschen, die den Weg einer dualen Ausbildung wählen, ganz gezielt", so der für Arbeitsmarkt zuständige LR Johannes Tratter. Rund 9,4 Millionen Euro wurden im Jahr 2017 aus dem Budget der Arbeitsmarktförderung unter anderem für die duale Ausbildung und berufliche Erwachsenenbildung bereitgestellt. "Wer sich heute in unserem Land für einen Lehrberuf entscheidet, trifft eine gute Wahl. In Tirol gibt es viele tüchtige Lehrlinge, die als künftige Fachkräfte unverzichtbar für unseren erfolgreichen Standort sind."

Duale Ausbildung als Erfolgsmodell

Dass die duale Ausbildung ein Erfolgsmodell ist unterstreicht auch Bildungslandesrätin Beate Palfrader: "Beim Tag der Lehre haben unsere Lehrlinge ihre Fähigkeiten und praktischen Fertigkeiten auf beeindruckende Weise unter Beweis gestellt. Das duale Ausbildungssystem, das auch international hohe Anerkennung genießt, bietet für die Tiroler Jugendlichen eine zukunftsträchtige und qualitativ hochwertige Berufsausbildung." Der Tag der Lehre ermöglicht vor allem auch den Tiroler Fachberufsschulen, die hohe Ausbildungsqualität in einer Vielfalt von interessanten Berufen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. "Karriere mit Lehre ist kein Schlagwort sondern schon längst Realität", so LRin Palfrader.

Rund 40 Millionen Euro für Fachberufsschulen

Für bestmögliche Rahmenbedingungen zur Wissensvermittlung wird auch viel Geld in die Hand genommen, betont Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf dazu: "In den letzten fünf Jahren investierten Land und Gemeinden rund 40 Millionen Euro in den Ausbau der Berufsschulen. Diese Gelder kommen den Lehrlingen zu Gute", verweist die Landesrätin auch auf den neuen Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) mit "welchem ein Lehrabschluss europaweit auf einer Stufe gleichwertig mit einer AHS-Matura, eine Meisterprüfung mit einem Bachelor-Abschluss gestellt wurde. Das ist ein Schritt zur Attraktivierung der Lehre." Dass die verschiedenen Ausbildungen jedenfalls nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen, hebt LH Platter hervor: "Ein Meister-Titel muss gleich viel Ansehen genießen wie ein akademischer Abschluss. Denn für eine stabile Entwicklung und erfolgreiche Zukunft unseres Landes brauchen wir Fachkräfte genauso wie Akademikerinnen und Akademiker."
Auch die Digitalisierung nimmt im Lehrbereich Einzug: Die Tiroler Fachberufsschulen beteiligen sich intensiv an der Digitalisierungsoffensive wie das Leuchtturmprojekt im Bereich der Mechatronik an der TFBS für Wirtschaft und Technik in Kufstein-Rotholz zeige: Das Projekt wird im Verbund mit der FH Kufstein, der Kufgem, der Wirtschaftskammer im Bezirk Kufstein und führenden Unternehmen des Bezirkes umgesetzt. Das Investitionsvolumen für neueste Technologien beträgt 650.000 Euro.

Das Land Tirol sucht Lehrlinge

Zusammenfassend hebt Lehrlingskoordinator des Landes, Roland Teissl, fest: "Der Tag der Lehre ist die größte Veranstaltung ihrer Art für die duale Ausbildung in Tirol und leistet einen wichtigen Beitrag zur Imagepflege der Lehre. Mit solchen Maßnahmen und Projekten zeigen wir die Berufschancen im Rahmen einer positiv abgeschlossenen dualen Ausbildung auf. Für den Fachkräftebedarf von morgen müssen schon heute gezielte Schritte gesetzt werden, um die Jugendlichen sowie auch den Eltern den Chancenreichtum einer Lehre aufzuzeigen."
Auch das Land Tirol selbst tritt als bedeutender Ausbilder auf: "Wir gehen als gutes Beispiel voran und bilden Lehrlinge aus. Derzeit werden wieder Lehrstellen vergeben", lädt LH Platter Interessierte ein, sich zu bewerben. Von Köchin/Koch über VerwaltungsassistentIn bis hin zu EDV-TechnikerIn können junge Menschen im Landesdienst ihre Berufsausbildung absolvieren. Bewerbungen sind bis Ende Februar 2018 möglich und können auch online eingereicht werden. Alle Informationen dazu finden Sie auf www.tirol.gv.at/lehrlinge.

Statements der Persönlichkeiten der Interessensvertretung

Martin Felder, Wirtschaftskammer Tirol: "Die Wirtschaftskammer Tirol bietet im Bereich der Berufsorientierung ein breites und vor allem praxisorientiertes Serviceangebot für Schülerinnen und Schüler, um Berufe und Ausbildungen real erlebbar zu machen und unterstützt mit der Plattform berufsreise.at alle Partner in der Berufsorientierung. In Zukunft sollte durch die Förderung von Bildungsinitiativen vor Ort die Bedeutung von berufsnaher Ausbildung frühzeitig initiiert werden."

Verena Steinlechner-Graziadei, Arbeiterkammer Tirol:
"Für die AK als Interessenvertretung der unselbständig Beschäftigten nimmt die Lehrlingsausbildung einen bedeutenden Stellenwert ein. Als Basisausbildung einer großen Anzahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern entscheidet ihre konkrete Qualität maßgeblich über deren Chancen am Arbeitsmarkt und damit über ihre beruflichen – und somit sozialen, finanziellen und kulturellen – Möglichkeiten. Bei allen Erfolgen der dualen Ausbildung darf nicht übersehen werden, dass es in vielen Lehrverhältnissen durchaus Optimierungsbedarf gibt. Hier versteht sich die AK als Mahner aber auch konstruktiver Partner bei der Verwirklichung von Verbesserungen. Außerdem handelt es sich bei den Lehrlingen um die jüngsten Mitglieder der Kammer, was unser besonderes Bemühen um diese Zielgruppe erklärt."

Eugen Stark, Industriellenvereinigung: "Um auch im Bereich der Tiroler Industrie die Lehre zu fördern, braucht es unter anderem noch mehr Transparenz über die Attraktivität und die Zukunftschancen einer Lehre in der Industrie. Viele würden sich vielleicht für eine Lehre – vor allem in der Industrie – entscheiden, wenn sie wüssten, welche Möglichkeiten sie in unseren Betrieben erwarten. In die Berufsorientierung müssen wir weiter massiv investieren. Der Lehrlingstag ist dafür ein Leuchtturmprojekt. Zudem braucht es in der Bildung einen stärkeren Fokus auf die Grundkompetenzen Rechnen, Lesen und Schreiben, um den jungen Menschen die Zukunftschancen zu eröffnen."

Sabine Platzer-Werlberger, AMS Tirol:
"Jugendliche, die sich beim Tag der Lehre informieren, haben ausgezeichnete Chancen, in ihren Wunschberufen eine Lehrstelle zu finden. Das war noch vor ein paar Jahren eine andere Situation. Diese Generation in Tirol ist gefragter denn je – der Arbeitsmarkt braucht Fachkräfte! Die Lehrausbildung ist eine wichtige Säule und Basis für die berufliche Ausbildung. In der täglichen Arbeit schaffen wir es aber nicht mehr, den Bedarf der Wirtschaft abzudecken. Daher ist nach wie vor wichtig, bei der qualitätsvollen Berufsorientierung Jugendlicher anzusetzen. Es braucht aber auch die Qualifizierung Erwachsener, vor allem junger Erwachsener in Richtung Lehrausbildung im zweiten Bildungsweg, speziell von Frauen in Handwerk und Technik."

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