05.09.2016, 08:26 Uhr

Ägidiusprozession in Igls

Alljährlich wird am ersten Sonntag im September in Igls der Patron der prachtvoll ausgestatteten Pfarrkirche gefeiert: Dem Heiligen Ägidius wird mit Weihrauch und Blumen und einer festlichen Prozession gedacht. Und der Himmel strahlt dazu...
Im Innsbrucker Stadtteil Igls wird am Sonntag nach dem am 1.September begangenen Gedenktag des Kirchenpatrons Ägidius alljährlich eine feierliche Prozession durch die Straßen rund um die Kirche veranstaltet.
Dafür werden an den Häusern Fahnen gehisst und eigens vier wunderschöne Altäre aufgebaut, an denen die Gläubigen Station machen und Andacht halten.


Ägidius wurde wohl um das Jahr 640 in Athen als Sohn reicher Eltern geboren und war zunächst Kaufmann, ehe er, nachdem er seinen Besitz an Arme verschenkt hatte, seine Heimat Richtung Frankreich verließ und sich für viele Jahre als Einsiedler in einer Höhle an der Mündung der Rhone ins Mittelmeer niederließ.
Legenden zufolge ernährte er sich mit der Milch einer von Gott gesandten Hirschkuh, die sich dann eines Tages, von Jägern verfolgt, zu ihm flüchtete. Als er sich schützend vor das Tier stellte, traf ihn versehentlich ein Pfeil, den einer der Jäger, nämlich der Westgotenkönig Wamba, abgeschossen hatte.
Der von Schuld geplagte König ließ für Ägidius ein Kloster bauen, sodass dieser im Jahr 680 die Abtei von Saint Gilles gründen und ihr bis zu seinem Tod (vermutlich 40 Jahre später) als Abt vorstehen konnte.
Übrigens litt er in all diesen Jahren unter der nicht heilen wollenden Pfeilwunde, worum er selbst Gott gebeten hatte, da Ägidius meinte, Tugend würde in Schwachheit vollendet...

Verschiedene Wunder, die Ägidius in seinem Leben vollbracht haben soll, sind überliefert. Auch heißt es, dass ihm sein Tod im Voraus verkündet worden sei und bei seinem Begräbnis in der Krypta der Abteikirche Engelschöre zu hören gewesen seien.

Besonders im Mittelalter wurde der seit dem 9. Jahrhundert als Heilig geltende und zu den Vierzehn Nothelfern zählende Ägidius verehrt und Wallfahrten zu seinem Grab ab dem 11. Jahrhundert ebenso zahlreich gemacht wie jene nach Rom und Santiago de Compostela. Auch die Zerstörung der Klosteranlage von Saint- Gilles und der Ermordung der dort lebenden Mönche im Zuge der Hugenottenkriege des 16.Jahrhunderts konnten die Beliebtheit des Heiligen nicht schmälern.

Ägidius, der als einziger der Nothelfer nicht zu Tode gemartert wurde, gilt als Schutzpatron von stillenden Müttern, Hirten, Bettlern und Krüppeln und wird bei Krankheiten wie Pest, Aussatz und Krebs angerufen. Ebenso gegen die sogenannte „Fallsucht“ (also Epilepsie), Geisteskrankheiten und Unfruchtbarkeit, in geistiger Not und Verlassenheit und bei Dürre, Sturm und Feuer.
Dargestellt wird er meist als Einsiedler oder Benediktinermönch, mit Krummstab und von einem Pfeil getroffen und begleitet von einer Hirschkuh.

Seine Gebeine liegen heute in Toulouse begraben, aber in der nach wie vor bestehenden Klosterkirche in St.Gilles zieht ein Reliqiuenschrein zahlreiche Besucher an.
Und viele nach ihm benannte Orte und ihm geweihte Kirchen in ganz Europa halten bis heute die einst so große Verehrung dieses Heiligen lebendig.
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Heinrich Moser aus Ottakring | 05.09.2016 | 09:02   Melden
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Fritz Neuhauser aus Innsbruck | 05.09.2016 | 19:27   Melden
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Petra Happacher aus Innsbruck | 12.09.2016 | 05:52   Melden
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