14.11.2016, 12:56 Uhr

Bejubelte Rückkehr

Weiß den Grafen geschickt aus der Reserve zu locken: Susanne Langbein als Susanna und Alec Avedissian als Graf Almaviva. (Foto: TLT Larl)

Von Christine Frei

Der streitbare frühere Hausherr Dominique Mentha hat Mozarts „Hochzeit des Figaro“ feinsinnig und geradezu altersweise umgesetzt.

Keine Frage, es fing schon richtig gut an. Das Labyrinth, einmal um die eigene Achse gedreht, präsentierte sofort alle Figuren in der für sie symptomatischen Befindlichkeit. Und so rund ging es weiter. Kaum eine Arie, die nicht spontan beklatscht und wie beim Grafen oder Figaro sogar regelrecht bejubelt wurde und zuletzt, als er mit seinem Team auf die Bühne kam, gab es zwar keine Standing Ovations, okay, aber doch spürbaren Respekt, Wohlwollen, Begeisterung. Als Dominique Mentha 1992 hier seine Intendanz antrat, noch in seinen stürmischen Enddreißigern, hat er es tatsächlich geschafft, dass Menschen lauthals gegen Theater geschrien wie geschrieben und ja, sogar gebetet haben. Das würde man sich manches Mal fast wieder wünschen. Heutzutage regt, wie es scheint, nur noch die Politik auf. Mit Mozarts meisterhaft vielschichtiger Opera buffa „Le nozze di Figaro“ erweist Mentha vor allem dem musikalischen wie psychologischen Genie Mozarts seine Referenz und gibt zudem seinem wahrhaft fantastischen Ensemble hinreichend Raum und Gelegenheit, um die vielen Nuancen, die in den Figuren und ihren Verbindungen zueinander angelegt sind, gesanglich wie darstellerisch zu entfalten. Und so erscheint einem dieses Verwirrspiel um Sehnsüchte und Begehrlichkeiten, wo sich die Intrigen anfänglich sogar gegenseitig aufheben, plötzlich derart schlüssig, weil eben bei Mozart wie in Menthas Regie nichts schwarz oder weiß ist, sondern alles durchzogen von diesem allzu menschlichen Hin- und Hergerissensein. Helfried Lauckner, Ausstattungschef des Großen Hauses, hat ihm hierfür auf der Drehbühne ein nach hinten aufsteigendes Labyrinth mit grüner Blättertapete geschaffen, aus deren Mitte eine herrlich aberwitzige Palme in den Himmel wächst. Anna Ardelius Kostüme erzählen allein über klug gesetzte Farbgebung wie Zuschnitt, dass die Zeitenwende nicht mehr aufzuhalten ist. Susanna und Figaro, beide im Gegensatz zum sonnengelb gewandeten Grafenpaar in noblem Schwarz gekleidet, haben als Bedienstete schon hinreichend Selbstbewusstsein, um sich selbst frei zu spielen und dem Grafen zuletzt sogar eine Form von Selbstreflexikon abzutrotzen. Dirigent Johannes Klumpp bringt das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck zudem federleicht wie farbenreich nuanciert zum Klingen. Herausragend wie schon erwähnt das Ensemble: Susanne Langbein und Andreas Mattersberger sind als Susanna und Figaro stimmlich wie darstellerisch eine Traumbesetzung, wunderbar schillernd auch Alec Avedissian und Esther Lee als Grafenpaar Almaviva, geradezu bezaubernd Camilla Lehmeier als Cherubino.
0
Weitere Beiträge zu den Themen
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.