08.11.2017, 09:38 Uhr

#metoo: Innsbrucks Grüne zwischen Altlasten und Vorbildern

Ein wichtiges Mitglied der Innsbrucker Grünen, Mesut Onay, war einst ebenfalls mit Vorwürfen konfrontiert.

Mesut Onay sitzt für die Innsbrucker Grünen im Gemeinderat. Er ist Obmann des Bürgerbeteiligungs-Ausschusses und engagiert sich besonders im Kultur- und Flüchtlingsbereich. Viele in seiner Partei sehen ihn als Machtfaktor, da er sich auf eine große Anhängerschaft innerhalb seiner Community stützt und diese – bei Bedarf – auch gut mobilisieren kann.


Warnung der Bundespartei

Dabei begann seine politische Karriere bei den Grünen – im Lichte der jüngsten #metoo-Enthüllungen – problematisch. Bei der Listenerstellung 2011 kandidierte Onay auf Platz vier. Der Bezirksversammlung, welche die Liste zu wählen hatte, wurde damals ein offener Brief (verfasst von Teilen der Bundespartei) zur Kenntnis gebracht. In diesem wurde eindringlich vor der Wahl Onays gewarnt – bei den Grünen ein ausgesprochen seltener Vorgang. Der Grund: Gegen Onay seien Vorwürfe wegen eines sexuellen Übergriffs – er selbst spricht immer von einer "Grenzüberschreitung" – anhängig. Dennoch wurde Onay damals gewählt (auch und vor allem von seinen persönlichen zahlreichen Unterstützern) und baute seine Machtposition innerhalb der Innsbrucker Gruppe aus.


"Keine Parallelen zu Pilz"

Bürgermeisterkandidat Georg Willi sieht indes keine Parallelen zum Fall Pilz. "Mesut hat die Vorwürfe gegen ihn – die aus einer Zeit stammen, als er noch gar nicht bei den Grünen tätig war – selbst öffentlich gemacht. Er hat bei der Wahlversammlung ein öffentliches Schuldeingeständnis gemacht und zwischen ihm und der betroffenen Frau gab es meines Wissens keinerlei Machtgefälle", betont Willi.

"Sehe mich als Feminist"

Auch Mesut Onay selbst geht sehr offen mit den damaligen Anschuldigungen um. Auf STADTBLATT-Nachfrage betont er, dass ihm ein transparenter Umgang mit der Causa und der Schutz der Opferrechte der betroffenen Frau sehr wichtig seien. "Die Vorwürfe an sich stammen aus dem Jahr 2005. Ich habe damals offensichtlich Handlungen gesetzt, die von der Frau als Grenzüberschreitung empfunden wurden", betont Onay. Nähere Angaben, was vorgefallen sei, möchte Onay nicht machen – auch wenn die Gerüchteküche damals von strafrechtlich relevanten Tatbeständen sprach. Obwohl die Angelegenheit für ihn "beschämend" sei, habe er seit Bekanntwerden der Vorwürfe alles getan, um die Sache aufzuarbeiten. "Ich war sogar bei der Männerberatung", so Onay. Juristisch wurde die Causa jedenfalls nie geklärt. Weder hatte das Opfer Anzeige erstattet, noch hatte Onay wegen "übler Nachrede" geklagt. Als "Vorbild" in Sachen Aufarbeitung will sich Onay jedenfalls nicht verstanden wissen. "Die Sache ist nichts, mit dem ich mich rühmen kann. Ich habe einen Fehler gemacht und lediglich nachher alles getan, um diesen wiedergutzumachen", so der grüne Gemeinderat, der 2018 erneut auf Listenplatz vier kandidiert: "Ich bin jetzt sensibilisiert und sehe mich als Feminist!"
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