12.06.2018, 12:20 Uhr

Verurteilter Bollywood-Star als TVB-Magnet

Der indische Superstar Salman Khan verbrachte 2017 mit Filmpartnerin Katrina Kaif 16 Drehtage in IBK und Umgebung. (Foto: Yashraj Films/Ibk Tourismus)

"Bollywood-Tours": Der Tourismusverband setzt auf fragwürdige Superstars in neuer Marketingstrategie.

INNSBRUCK. "Drei Gewehre hat er sich in Innsbruck gekauft", freut sich TVB-Chefin Karin Seiler-Lall. "Er" – der indische Superstar Salman Khan – wurde zwar in seiner Heimat bereits wegen Wilderei rechtskräftig verurteilt, doch das kann die Euphorie der Direktorin nicht trüben. Doch nicht nur artengeschützte Gazellen verloren durch den "Superstar" ihr Leben, auch einen Menschen hat er auf dem Gewissen. 2015 wurde er wegen Totschlags verurteilt. Er raste betrunken in eine Gruppe Obdachloser. Ein Mann starb.

Kurze Haftstrafe

"Er ist der indische James Bond", schwärmt Seiler-Lall bei der exklusiven Medienvorführung von "Tiger Zinda Hai" vergangene Woche in Innsbruck. Von kritischer Betrachtung des Superstars – wie etwa auf Wikipedia oder in der britischen BBC – keine Spur. Auch in seiner Heimat scheint Khan nichts von seiner Beliebtheit einzubüßen: Er hat nicht nur zahlreiche Preise gewonnen und wurde öfters zum bestaussehenden Star gekürt, sondern verdient sogar mehr als Johnny Depp oder Brad Pitt.
Obwohl er zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde, saß er nur einige Tage im Gefängnis. Und was das mit Innsbruck zu tun hat? Kürzlich drehte er einen Bollywood-Blockbuster in Tirol. Bei der Medienvorführung lobte Seiler-Lall die Zusammenarbeit, präsentierte stolz den Film "Tiger Zinda Hai" (Tiger lebt) und plauderte dabei vor versammelter Medienlandschaft aus dem Nähkästchen.

Bollywood-Tours

Nicht nur habe man nach der indischen Premiere 60 Prozent mehr Zugriffe auf der indischen Webseite des TVBs verzeichnen können, auch wurde die Bollywood-Tour für indische Gäste ins Leben gerufen. Dabei werde man mit den hartgesottenen indischen Fans die Drehorte des Filmes – und auch weiterer Bollywood-Filme, die in Innsbruck gedreht wurden – abklappern. Im Alpengasthof Praxmar, an dem die romantischen Szenen von "Tiger Zinda Hai" gedreht wurden, bekommen die Gäste z. B. die Lieblingsspeise des 52-jährigen Bollywood-Stars: Apfelstrudel und Chai Latte. Ziel der Kampagne: indische Gäste für einen längeren Aufenthalt zu motivieren. Stolz war der TVB auch darauf, dass Innsbruck – mit persönlichem Einsatz der damaligen Bgm. Christine Oppitz-Plörer – so schnell für den Dreh Geld locker machen konnte. Weiters wurde die Altstadt für eine romantische Liebesszene gesperrt.


Ungebrochen beliebt

Salman Khans Beliebtheit scheint in seiner Heimat durch keinen Skandal Abbruch zu nehmen. 36 Mio. Fans auf Facebook, 33 Mio. Follower auf Twitter und über 16 Mio. auf Instagram – er ist auch in den sozialen Medien heiß begehrt. Der neueste Tiger-Film – der zweite Teil eines Agententhrillers – spielte bisher 84 Mio. US-Dollar ein und wurde von einem Millionenpublikum gesehen. Für Innsbruck bedeutet das – weil die Stadt auch im Film dezidiert angeführt wird und somit das Publikum weiß, wo die Szenen spielen – zweifellos eine große Wertschöpfung. Auf STADTBLATT-Anfrage nahm Seiler-Lall Stellung.

Stellungnahme der TVB-Chefin

"Innsbruck arbeitet, wie auch die Tirol Werbung, bereits seit über 20 Jahren mit der Cine Tirol daran, indische Produktionen nach Tirol zu holen. Dies mit nachweislich durchschlagendem Erfolg, was die Bekanntheit, das Gästeaufkommen und schlussendlich auch die Wertschöpfung aus diesem Markt betrifft. Dazu tragen Bollywood-Filme und -Serien, die Millionenreichweiten erzielen, bei. Einzelne Schauspielerbiografien kann Innsbruck Tourismus nicht kommentieren. Der Fokus der Bollywood-Tour liegt auf der Präsentation der Dreh- und Schauplätze der diversen Bollywood-Filme und -Serien, die in und um Innsbruck entstanden sind", so Seiler-Lall.

Kommentar: Touristen anlocken – nicht um jeden Preis

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