05.12.2017, 10:26 Uhr

Wenn Mauern einstürzen

Kein leichtes Leben: Maulina wird aus ihrem Königreich "Mauldawien" nach Plastikhausen verpflanz. (Foto: Westbahntheater)

Das Westbahntheater zeigt im Advent ein wunderbar gelungenes Stück für Menschen ab zehn – eine Theaterkritik von Christine FREI

INNSBRUCK. Nein, die Welt ist nicht immer heil, schon gar nicht gerecht. Plötzlich stürzen Festungsmauern ein, die man sich mühsam wieder neu aufbauen muss. So ergeht es auch der bezaubernd widerspenstigen Paulina, die sich einfach nicht damit abfinden will, dass sich ihre Eltern getrennt haben, der Vater sogar schon eine neue Partnerin hat, welche natürlich bald mal schwanger sein wird. Sie wird ihn daher fortan nur noch „den Mann“ nennen und ihn kurz entschlossen gemeinsam mit ihren Agentenfreund/innen observieren. Paulina ist eigentlich Maulina, weil niemand so schön maulen kann wie sie. Und sie findet es schlichtweg unerhört, dass sie aus ihrem einstigen Königreich Mauldawien nach Plastikhausen verpflanzt wurde. Was sie noch nicht weiß: ihre Mutter ist zu diesem Zeitpunkt bereits todkrank. Wenn überhaupt, kann also nur noch ein Wunder helfen. Alexander Sackl hat die dramatisierte Fassung von Finn-Ole Heinrichs Kinderbuch-Bestseller „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ mit dem angestammten Westbahntheaterensemble und vier ungemein engagierten jungen Darsteller/innen in Szene gesetzt, Luka Oberhammer hierfür ein stimmiges Bühnenbild aus goldenen Mauerversatzstücken geschaffen. Wunderbar etwa, wie Christoph Stoll als musizierender guter Lebensgeist der verzweifelten Maulina immer wieder auf die Beine hilft. Insofern ist diese Produktion fast wie ein Lehrstück in Sachen Lebensbewältigung.
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