Corona-Virus
Rudolf Robin: "14 Feuerwehren für Assistenzleistungen bereit"

Rudolf Robin darüber, wie die Kärntner Feuerwehren die Corona-Krise bewältigen. Sie sind auch für Assistenzleistungen im Einsatz.
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Kärntens Landesfeuerwehrkommandant Rudolf Robin über den Umgang der Feuerwehren mit der Corona-Krise. Weniger Einsätze heißt hier nicht zwangsweise weniger Arbeit. 14 Feuerwehren stehen für Assistenzleistungen im logistischen Sinn bereit.

WOCHE: Wie wirkten sich die Corona-Verordnungen bisher auf die Anzahl der Feuerwehr-Einsätze in Kärnten aus? Gibt es konkrete Zahlen?
RUDOLF ROBIN: Mit den Ausgangsbeschränkungen und den einhergehenden allgemeinen Einschränkungen für die Österreichische Bevölkerung haben sich die Feuerwehreinsätze um ca. 75 Prozent reduziert. Üblicherweise werden täglich in Kärnten 50 bis 60 Einsätze bewältigt, derzeit nur mehr ca. 15 Einsätze.

Wie schützen sich Feuerwehrkameraden untereinander vor einer Corona-Ansteckung, wenn sie sich für einen Einsatz bereit machen bzw. zu einem Einsatz aufbrechen (Umziehen im Rüsthaus, Transport in Fahrzeugen)?
Mit einem allgemeinen Handlungsleitfaden, welcher zehn Verhaltensregeln umfasst, wurden die Kärntner Feuerwehren auf den Feuerwehreinsatz in der Covid-19-Phase vorbereitet. Diese Verhaltensregeln umfassen das Einrücken in das Rüsthaus mit dem Ausrücken zum Einsatz, die Einsatzbewältigung sowie die notwendige Nachbereitung. Immer wieder heißt es, Hygienebestimmungen einhalten, Abstand halten und MNS-Masken zur Sicherheit der Kameraden verwenden.

Gibt es generell genügend Schutzausrüstung wie Masken?
Neben der persönlichen Schutzausrüstung, die jedes Feuerwehrmitglied besitzt und dadurch sehr gut geschützt ist, wurden zusätzlich 18.000 Mund-Nasenschutz-Masken (MNS-Masken) durch das Land Kärnten an die Ortsfeuerwehren für einen effizienteren Kameradenschutz ausgegeben.

"Üblicherweise werden täglich in Kärnten 50 bis 60 Einsätze bewältigt, derzeit nur mehr ca. 15 Einsätze." Rudolf Robin

Wie geht man mit der Risikogruppe innerhalb der Feuerwehr um? Liegt das in der Verantwortung jedes Einzelnen oder gibt es Vorgaben?
Die Erfahrungen der letzten Wochen zeigten, dass Personen,  die älter als 65 Jahre oder zu Risikopersonen zählen, von sich aus nicht zu den Einsätzen ausrückten. Die interne Organisation der Ortsfeuerwehr, die der Feuerwehrkommandant plant und verantwortet, wird durch die Kärntner Feuerwehren mit viel Professionalität und Fingerspitzengefühl auf Ortsebene mustergültig abgehandelt.

Feuerwehren können im Rahmen der Krise auch zu Assistenzleistungen (Logistik) angefordert werden. War das schon der Fall bzw. was könnte das sein?
Neben der Kernaufgabe der Feuerwehr (löschen, bergen, schützen und retten) wurden bezirksweise 14 Feuerwehren für Assistenzleistungen im logistischen Sinn eingerichtet. Beispielsweise wurde vom Bildungsministerium das Ersuchen an die Feuerwehren gestellt, sämtliche Schulstandorte , die in den Osterferien in Österreich geöffnet hatten, mit Hygienemitteln auszustatten. In Kärnten wurden konkret an 143 Schulstandorten Schutzmasken und Hygienemittel ausgegeben.

Gibt es der aktuellen Lage geschuldete Verzögerungen bei Neuanschaffungen von Fahrzeugen oder Baumaßnahmen bei Rüsthäusern?
Im letzten Monat wurde die Beschaffung von Fahrzeugen und Gerätschaften ausgesetzt. Die Vorbereitungen für den Start der Beschaffungsvorgänge laufen. Geplant ist, im Mai die geplanten Fahrzeuge bei den Aufbaufirmen zu bestellen. Die Bautätigkeiten bei den Rüsthäusern werden alsbald unter Einhaltung der vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen gestartet.

"Die Erfahrungen der letzten Wochen zeigten, dass Personen, die älter als 65 Jahre oder zu Risikopersonen zählen, von sich aus nicht zu den Einsätzen ausrückten." Rudolf Robin

Liegt die Ausbildung von Feuerwehrkameraden derzeit komplett auf Eis? Gibt es alternative Ausbildungsmaßnahmen?
Die Landesfuerwehrschulen wurden in ganz Österreich für das erste Semester geschlossen. Der Schulbetrieb wird am 1. September mit einem modifizierten Lehrgangsprogramm für die zweite Jahreshälfte wieder aufgenommen. Den Kärntner Feuerwehrmitgliedern wird dennoch eine neuartige Ausbildungsmöglichkeit im Mai und Juni ermöglicht. Es werden erstmals in Österreich E-Learning-Produkte für die persönliche Weiterbildung in Form von Webinaren zur Verfügung gestellt.

Wenn im Sommer keine Feuerwehrfeste stattfinden können, entgehen den Feuerwehren Einnahmen für die Kameradschaftskasse. Gibt es alternative Möglichkeiten, die Kasse zu füllen, etwa mit kreativen Spendenaufrufen?
Sämtliche Leistungsbewerbe wurden in ganz Österreich für das gesamte Jahr abgesagt. Auch Jubiläumsfeierlichkeiten und Feuerwehrfeste werden nicht stattfinden. Diese außergewöhnlichen Maßnahmen werden von den Feuerwehren respektiert und mitgetragen, wobei natürlich der Fokus auf eine rasche Bewältigung der Krise gelegt wird, um bald wieder zu einer gesellschaftlichen Normalität zu kommen.

Was wünschen Sie sich aktuell von der Bundesregierung für das Feuerwehrwesen?
Aus Sicht des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes wurde die Bundesregierung aufgefordert, in dieser Situation auf die finanzielle Absicherung der Feuerwehren in Österreich nicht zu vergessen. Wesentlich wäre eine angepasste Regelung im Katastrophenfondsgesetz des Bundes, um auch nach der Krise die hohe Qualität der Sicherheit durch unsere Feuerwehren aufrecht erhalten zu können.
Diese Krise zeigt einmal mehr, wie wichtig die hohe Qualität der Sicherheit und der Gesundheit in Österreich, eine strukturierte Krisenbewältigung der Entscheidungsträger und die große Disziplin der Bevölkerung ist, um solche Herausforderungen zu bewältigen.
Man muss als Bürger dankbar sein, in einem Land wie Österreich leben zu dürfen.

Interview: Vanessa Pichler

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