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Von Ragweed über Staudenknöterich bis Springkraut: Invasive Arten verdrängen heimische Pflanzen und können ganze Lebensräume verändern.
REGION STEYR-KIRCHDORF. Der Naturschutzbund Österreich hat den Kirschlorbeer zum „Neophyten des Jahres“ gewählt und rückt damit eine beliebte Gartenpflanze ins kritische Licht. Denn was im Garten robust und pflegeleicht wirkt, entpuppt sich in der freien Natur als Problem: Der Kirschlorbeer wächst schnell, breitet sich stark aus und verdrängt andere Arten.
Als Neophyten bezeichnen Experten jene Gewächse, die ursprünglich nicht hier heimisch sind, sondern – bewusst oder versehentlich – ihren Weg in unsere Breitengrade fanden. Während die meisten Arten unauffällig bleiben, vermehren sich einige derart schnell, dass Fachleute sie als invasiv einstufen. Diese verändern ganze Lebensräume und gefährden teils die Gesundheit.
Risiken für Mensch und Umwelt
Der ursprünglich aus Südosteuropa und Kleinasien stammende Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) wurde bereits im 16. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa gebracht. Die Pflanze breitet sich stark aus und verdrängt heimische Arten. Samen werden durch Tiere oder Wasser weit verbreitet, zusätzlich vermehrt sich der Kirschlorbeer durch Absenker, Schösslinge und auch durch abgetrennte Pflanzenteile. In Österreich ist die Art mittlerweile vielerorts verwildert und dringt zunehmend in Wälder und an Wiesenränder vor. Dort bildet sie dichte Bestände, die anderen Pflanzen Licht und Nährstoffe entziehen. Selbst typische Frühjahrsblüher wie Maiglöckchen oder Bärlauch haben unter dem dichten Blätterdach kaum eine Chance. Auch für die Tierwelt bietet der Kirschlorbeer wenig Mehrwert: Seine Blüten sind für viele Bestäuber ungeeignet, die Beeren werden nur von wenigen Vogelarten gefressen. Als Lebensraum oder Nistplatz ist die Pflanze ebenfalls kaum von Bedeutung.
Die Straßenmeistereien nehmen den Kampf mit dem Staudenknöterich auf.
Alle Pflanzenteile des Kirschlorbeer sind noch dazu giftig – ein Risiko vor allem für Kleinkinder und Haustiere. Auch bei der Entsorgung ist Vorsicht geboten. Das Laub zersetzt sich nur schwer und kann bei falscher Kompostierung durch enthaltene Blausäure Kleintiere schädigen.
Gesundheitsgefahr durch Ragweed
Ein Beispiel dafür, dass Neophyten sogar die Gesundheit gefährden können, ist die Ambrosia, besser bekannt als Ragweed. Die Pollen können bei empfindlichen Menschen zu allergischen Reaktionen. Auch der Riesenbärenklau birgt Gefahren: Er erreicht Höhen von bis zu fünf Metern und verursacht bei Berührung schmerzhafte Hautreizungen sowie Atemwegsbeschwerden. Carmen Braun, Pressesprecherin im Magistrat Steyr, bestätigt: "Die Gärtnerinnen und Gärtner der Kommunalbetriebe Steyr sind intensiv mit Neophyten beschäftigt. Sie bekämpfen Ragweed und Riesenbärenklau, wobei letzterer aktuell nicht vorkommt." Das Ziel der Stadtbetriebe: Die Beseitigung der Ambrosia, noch bevor sie ihre Pollen streut. Bürger können Funde über die Seite ragweedfinder.at oder direkt bei den Kommunalbetrieben melden.
Zu weiteren Sorgenkindern zählen Drüsiges Springkraut, Goldrute, Götterbaum und Staudenknöterich. Letzterer erweist sich als besonders hartnäckig, da bereits winzige Wurzelreste für einen neuen Austrieb reichen. „Wir bekämpfen ihn nur im Schlosspark – für mehr fehlen die Ressourcen“, erklärt Braun. "Man kann ihn nur mit sehr hohem Aufwand etwas in Schach halten."
Kampf gegen Windmühlen
Die Straßenmeistereien können davon ebenfalls ein Lied singen – gerade, was den Staudenknöterich betrifft. "Wir mähen die betroffenen Flächen inzwischen acht- bis zehnmal pro Jahr händisch", bestätigt Raffael Gittmaier, Dienststellenleiter der Straßenmeisterei Kirchdorf. "Damit wir sie leichter finden und eine Ausbreitung durch große Maschinen verhindern, haben wir die Bereiche gezielt eingegrenzt." Trotz dieser Bemühungen wuchert das Grün auf angrenzenden Grundstücken oft ungehindert weiter. Gittmaiers Appell: "Wer diese Pflanze bei sich entdeckt, sollte sie – wie wir – regelmäßig mähen und das Schnittgut keinesfalls in der Kompostieranlage entsorgen."
Im Nationalpark Kalkalpen gibt es sie zwar noch, die „Insel der Seligen“ – also große, weitgehend ungestörte Naturflächen –, doch auch hier können Pflanzen zur Gefahr werden. „Nicht jede eingeschleppte Pflanze ist problematisch. Kritisch wird es erst bei invasiven Neophyten. Das bedeutet, nicht einheimische Pflanzen verdrängen durch ihr Verhalten heimische Pflanzen und Tiere, verändern dadurch Lebensräume nachhaltig und können ganze Ökosysteme umgestalten“, erklärt Heidemarie Moser-Sturm, Vegetationsökologin im Nationalpark Kalkalpen. Aktuell stehen hier vor allem drei invasive Pflanzenarten im Fokus: der Staudenknöterich, das Springkraut und die Goldrute. Der Staudenknöterich ist europaweit eines der größten Probleme entlang von Flüssen. Sein Wurzelsystem regeneriert extrem gut, selbst kleine Reste treiben wieder aus. Er überwuchert alles, verdrängt andere Pflanzen und destabilisiert Uferbereiche. Das rosa blühende Springkraut hingegen verbreitet seine Samen extrem weit, sobald sie gereift sind. „Am besten mäht man sie ab oder reißt man die Pflanzen aus, bevor sie Samen ausbilden, und entsorgt sie sachgerecht.“ Die Goldrute kommt im Nationalpark vergleichsweise selten vor, wird aber entlang von Wegen und Bächen aktiv bekämpft.
Problembereiche sind gestörte Flächen – entlang von Forststraßen, Flussufern oder ehemaligen Baustellen. Im Nationalpark Kalkalpen treten Neophyten derzeit nur in den Randbereichen an Forststraßen und Fließgewässern auf. Mitarbeiter entfernen diese Gewächse großteils händisch, bevor sie Samen ausbilden.
„Wer etwas für die Biodiversität tun möchte, sollte konsequent auf heimische Pflanzen setzen. Exotische Arten können ein Risiko für einheimische Lebensgemeinschaften darstellen. Je früher man ein Problem erkennt und eingreift, desto besser sind die Chancen, invasive Arten einzudämmen.“
Naturschutzorganisationen empfehlen, verstärkt auf heimische Gehölze zu setzen. Während die Schweiz den Verkauf von Kirschlorbeer bereits untersagt hat, wird er in Österreich teils sogar als „bienenfreundlich“ beworben. Ähnliches gilt für den Sommerflieder, der sich über seine zahlreichen, leichten Samen rasch verbreitet.
Gärtnermeister Engelbert Bergmair-Russmann aus Obergrünburg verweist jedoch auf Fortschritte: "Die Gartenbranche züchtet mittlerweile neue Sorten, die sich nicht mehr aussäen." In seiner Gärtnerei (zu der auch Filialen in Kremsmünster und Bad Hall gehören) ist etwa Sommerflieder erhältlich, der sich nicht mehr aussät. Seine Tipps für alle, die etwas für Insekten tun wollen: "Darauf schauen, dass ständig Nahrung vorhanden ist. Und keine gefülltblühenden Sorten kaufen, denn sie sind für Bienen wertlos." Empfehlenswert sind etwa der Winterschneeball und die Kornelkirsche, die schon sehr früh blühen. "Ein Wahnsinn für Bienen ist außerdem Allium", rät Bergmair-Russmann. Ein weiterer Tipp ist Storchschnabel, genauer gesagt die Sorte "Geranium rozanne". Sie blüht das ganze Jahr hindurch und ist ideal für Bienen.
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