W. Ambros: "Ich dachte, mich tritt ein Pferd"

W. Ambros im Gespräch im Afrika-Zimmer.
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  • W. Ambros im Gespräch im Afrika-Zimmer.
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BEZIRK KITZBÜHEL. Mit Beurteilungen wie „viele braune Haufen in der FPÖ“, „Strache glaube ich kein Wort“ oder „Kanzler Kurz schweigt zu allem“ in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ löste Austropop-Ikone Wolfgang Ambros (Hauptwohnsitz im Bezirk Kitzbühel) eine Flut an Reaktionen aus – positive mit Solidaritätsbekundungen von Kollegen und negative bis hin zu Bedrohungen und Schmähungen, nicht zuletzt von Seiten der FPÖ.
Das BEZIRKSBLATT Kitzbühel sprach exklusiv mit dem Künstler.

BEZIRKSBLATT: Sind Sie überrascht von den Reaktionen?
W. AMBROS: „Eigentlich nicht. Aber als ich die ‚Krone‘ (Kronen Zeitung, Anm.) las, dachte ich mich tritt ein Pferd. Das war ein Schmähartikel. Die unterstellten mir, dass ich ein ausländisches Medium brauche, um meine Meinung zu sagen. Ich habe doch schon tausende Interviews gegeben, natürlich auch im Ausland.“

Wie kam es zu dem Interview mit der SZ?
„Die SZ hat angefragt, mein deutsches Management bzw. die Tour-Agentur hat gedrängt, das Interview zu geben, um auch meine Herbst-Konzerte in Bayern zu promoten. Ich habe dann das Gespräch geführt und nur die Fragen des Journalisten beantwortet, obwohl ich zuerst gar nicht wollte. Die Werbung für die Tour ist jetzt wohl da, aber anders als es sich das Management dachte und geplant hatte. Jedenfalls wurden meine Antworten sehr genau wiedergegeben. Schon bei zwei Konzerten nach Erscheinen des Artikels (Rottweil, Bad Türkheim) gab es frenetischen Jubel und Top-Kritiken.“

Es gab auch in verschiedenen anderen Medien sehr unterschiedliche Berichte als Reaktion auf das Interview.
„Ja, gut berichtet wurde etwa im ‚Standard‘, auch in anderen Zeitungen. Da wurde in unabhängigen Medien gut bewertet und eingeordnet. Einzig die Fellner-Medien (u. a. ‚Österreich‘, Anm.) haben lautstarke Rülpser losgelassen. Ich sage ‚Fuck Fellner‘ aus Überzeugung. Mit dessen Medien werde ich nie mehr ein Wort reden!“

Wie haben Sie das SZ-Interview erlebt?
„Es erfolgte am Chiemsee, zwischen Soundcheck und Konzert. Wir hatten nur ca. 45 Minuten Zeit. Es gabe keine 08/15 Fragen, der Interviewer hatte wohl eine klare Vorstellung, was er wollte. Ich habe ehrlich alle Fragen beantwortet und alles wurde 1:1 so niedergeschrieben. In Österreich wurde das Ganze dann aber v. a. auf wenige Dinge reduziert: die ‚braunen Haufen‘, ‚dass ich Strache kein Wort glaube‘, den ‚Schweigekanzler Kurz‘ und dass mir ‚angst und bange wird, was durch diese Regierung noch alles auf uns zukommen wird‘. Zumeist nicht erwähnt wurde, dass ich leidenschaftlicher Österreicher bin und auch die Landsleute sehr positiv beurteile.“

Vor allem von ‚Krone‘ und Fellner sind Sie also schwer enttäuscht?
„Dass Fellner auf einen hinhaut, ist klar, aber auch die ‚Krone‘, das hat mich tief getroffen! Gott sei Dank gibt es noch andere Medien. Das SZ-Interview ist ja leider zum Polit-Geplauder geworden. Hätten die mich z. B. auch zum Zustand der SPÖ gefragt, hätte ich auch meine Meinung gesagt, und die wäre auch nicht positiv ausgefallen. Wie kann man so eine bedeutende Bewegung so herunter wirtschaften, sie spalten und aus ihr einen verwahrlosten Haufen machen? Wer schuld ist weiß ich nicht. Die Wirtin Gertrud meint, dass es der Umgang mit Faymann war. Die Frau versteht mehr von Politik als viele andere.“

Wolfgang Fellner kennen Sie sehr lange. Anfangs war die Beziehung besser?
„Er war 16, ich 19, als er mich wegen des Hits ‚Da Hofa war‘s' kontaktierte. Es war das erste Interview für das Burscherl. Er gab schon als Schüler den ‚Rennbahn Express‘ heraus, damals noch eine Schülerzeitung. Das spätere Magazin erlebte nicht zuletzt mit mir und vielen Cover-Storys einen Aufschwung. Vor allem der Journalist Peter Leopold hat viele Geschichten über uns verfasst.“

Welche Reaktionen gab es in Ihrem Wohnort?
„Ich habe von niemandem gehört, dass ich einen Stuss geredet hätte. Ich bin glücklich hier zu leben, und nicht in Wien in diesen Zeiten (lacht). Alle grüßen freundlich, ich habe nicht den Eindruck, dass jemand böse auf mich ist. Ich werde aber noch mit Leuten reden, die FPÖ wählen, und fragen, ob ich noch deren Freund bin.“

In den „social media“ gab‘s einen Shitstorm.
„Das war kein Shitstorm, für mich nur ein Shit-Lüfterl. Bemerkenswert war diese Postkarte. Wenn die mein Freund Schurli Danzer sehen könnte, würde er im Grab rotieren. Welche Meldungen dann noch von diesem FPÖ-Menschen (2. Generalsekretär Ch. Hafenecker) kamen, spricht ja Bände. Ich hab‘ von dem noch nie etwas gehört und auch sonst kannte den bisher niemand.“

Dann gab‘s die social-media-Aktion rund um „Skifoan“.
„Ja, auf die Idee wäre ich nie gekommen, dazu bin ich zu wenig Internet-affin. Den Menschen, der das gestartet hat, würde ich gerne kennenlernen. ‚Skifoan‘ kam auf Nummer 1 in den i-Tunes-Charts; und stieg dann auf Nummer 10 in die Ö3-Verkaufscharts ein. Das geht zwar rasch vorbei, hat mich aber sehr gefreut.“

„Skifoan“ war ja am Anfang auch gar kein Hit?
„Das Arrangement von Christian Kolonivits ist unübertroffen, wir dachten damals (1976, Anm.), es wird ein Kracher. Weit gefehlt. Das Lied ging anfangs völlig unter. Es sei Kommerz, wurde uns vorgeworfen, da man andere, kritischere Lieder von mir gewöhnt war. Wir haben damals ja auch schon die Bob-Dylan-Cover-LP aufgenommen. Startschuss für den Hit ‚Skifoan‘ war ein Auftritt in Bayreuth, der live mitgeschnitten wurde und bei dem das Publikum das Lied forderte. Seither spielen wir das bei jedem Konzert immer am Schluss, ohne Ausnahme! Das Lied war nie wirklich in den Charts, ist aber mein größter Hit.“

Sie werden als Kaiser des Austro-Pop bezeichnet.
„Ab etwa 1976 wurde der Begriff ‚Austro-Pop‘ populär. Damals gab‘s ein Match zwischen mir und Peter Cornelius, das ich wohl gewonnen habe, seither redet Cornelius nicht mehr mit mir. Aber ich bin NICHT der Kaiser des Austro-Pop, ich passe in keine Schublade der Welt, ich bin der Wolfgang Ambros.“

Sie besuchten kürzlich das Freilicht-Theater in St. Ulrich?
„Ja, sehr gut! Trotz Dialekt hab‘ ich jedes Wort verstanden. Ich hätte jeden Akteur einzeln abbuss‘ln können. Das Stück ‚Rückkehr ins Leben‘ war ein großes Erlebnis.“

Ein Wort zum Abschluss?
„Ich danke für alle positiven Reaktionen, vor allem für die i-Tunes-Aktion, und allen Kollegen, die mir Zuspruch gaben und sich solidarisch mit meinen Aussagen erklärten.“

Solidarität

Unterstützung kam u. a. von H. v. Goisern, G. Steinbäcker, Sailer & Speer, R. Fendrich, W. Resetarits, Th. Spitzer, Pizzera & Jaus, Opus, A. Goebel, Ch. Kolonovits uvm.
Hier nur zwei Zitate:
„Ich unterstütze die Aussagen vom Kollegen Ambros voll und ganz. Die wütenden Reaktionen zeigen, dass er voll ins Schwarze, ääh Braune getroffen hat.“
Willi Resetarits

"Ich finde es sehr traurig und neu, wenn jemand aus Regierungskreisen unseren wohl verdientesten österr. Popkünstler beschimpft, nur weil der der Wahrheit zu nahe kommt.“ Gert Steinbäcker (STS).

Interview/Text/Fotos: Nikolaus Kogler

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