06.08.2017, 23:12 Uhr

Frauenfußball: Zwischen Helden-Status und Schattendasein

Mit den Wildcats Kirchberg (blaue Dress) und den Damen des SV Westendorf kicken derzeit nur zwei heimische Teams in der Frauenfußball-Meisterschaft mit
Wer hätte sich das träumen lassen: Österreichs Fußballdamen sorgten bei der Europameisterschaft in den Niederlanden für ein Sommermärchen in Rot-Weiß-Rot, das bei ersten EM-Teilnahme überhaupt erst mit dem Semifinale endete und unter die vier besten Nationalteams des Kontinents führte. Österreichs oberster Fußballfunktionär, ÖFB-Präsident Leo Windtner, bezeichnete den Erfolgslauf der Damen nicht von ungefähr als „historisches Ereignis“. Der mit England geteilte dritte EM-Gesamtrang bedeutet den größte Erfolg eines ÖFB-Nationalteams seit 63 Jahren (1954 eroberte das Männer-Nationalteam WM-Bronze in der Schweiz).


Keine Mauerblümchen mehr

Die Begeisterung für das weibliche Nationalteam war auch im heimischen TV ein Quotenrenner. So verfolgten zum Beispiel 1,212 Millionen Zuseher das Elfmeterschießen zwischen Österreich und Spanien im Viertelfinale. Die Euphorie ist inzwischen abgekühlt. Ob die Beifallsstürme und die enorme Aufmerksamkeit in eine Aufbruchsstimmung zu Gunsten des heimischen Frauenfußballs führen, bleibt abzuwarten. Insgesamt 30 weibliche Teams kicken in drei verschiedenen Ligen in Tirol (Männermannschaften: 187). Aus dem Bezirk Kitzbühel mit dabei sind die Damen aus Westendorf und Kirchberg (beide Landesliga-Ost). Andreas Sammer, seit vier Jahren Trainer der Westendorfer Frauen, ist guter Dinge, das der jüngste Hype um das ÖFB-Team junge Mädchen motivieren könnte, mit dem Fußballsport zu beginnen. „Ich hoffe schon! Denn bei manchen Damen-Teams in unserer Spielklasse war in letzter Zeit ein Rückgang an Spielerinnen zu beobachten“. Verena Wiedmayr, Kapitänin der Kirchberger Wildcats und seit 17 Jahren aktiv, sieht den Frauenfußball generell auf einem guten Weg. „Nur leider ist der Stellenwert in vielen Vereinen noch gering“. Ein Problem, das auch der Wiener Sporthistoriker Matthias Marschik kürzlich in einem Interview mit der deutschen „Die Zeit“ angesprochen hat: "Frauenfußball ist akzeptiert, solange er unter der Kontrolle von Männern ist". Auch manche Sportfans sehen Frauen für Fußball ungeeignet. „Jeder kann tun und machen, was er will“, entgegnen Wiedmayr und Sammer solchen Kritikern. Auch das Leistungsniveau habe sich in den letzten Jahren spürbar gesteigert, betonen beide. Der Vergleich lupenreiner Amateure mit Profis ist auch im Männerfußball  nur ein sehr oberflächlicher.

Tirolerinnen im Sommermärchen

Das der Sprung auf die internationale Profibühne auch von Tirol aus zu schaffen ist, stellen zwei Tirolerinnen unter Beweis: ÖFB-Teamstürmerin Nicole Billa startete beim SV Angerberg und schaffte über den FC Wacker Innsbruck den Sprung in die deutsche Frauen-Bundesliga. Gleiches gelang Katharina Schiechtl, die einst beim SV Karres kickte und als Verteidigerin wesentlichen Anteil daran hatte, dass die Damen-Nationalelf in fünf Spielen nur einen Gegentreffer in der regulären Spielzeit kassierte und die Österreichs Abwehr zur besten aller EM-Teams machte.
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