27.10.2017, 10:21 Uhr

Wenn sich alles dreht

Das Innenohr lebendig erklärt von Dr. Bela Büki
Krems an der Donau: Audimax der Donau-Universität Krems | 

‚Alles dreht sich, alles bewegt sich’ nicht nur bei rauschenden Ballnächten. Schwindel kann sowohl harmlos als auch gefährlich sein, ernst nehmen sollte man ihn auf jeden Fall.

HNO-Arzt Dr. Bela Büki vom Uni-Klinikum Krems konzentrierte sich im ersten MINI MED-Vortrag des aktuellen Winter-Semsters auf die drei am öftesten auftretenden Formen von Schwindel: Lagerungsschwindel (länger bestehend, nicht immer ungefährlich), Entzündung des Gleichgewichtsnervs und Morbus Menière (im Ohr wird zu viel Flüssigkeit produziert). Die Ursachen dafür sind im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs mit seinen Sensoren, die dem Gehirn über Lage und Bewegung des Kopfes im Raum berichten, angesiedelt. Egal, in welcher Form oder Stärke ein Schwindel auftritt, ist ärztliche Diagnose ratsam. Denn über eine Funktionsstörung im Innenohr hinaus könnte es sich bei Schwindel u.a. um einen Schlaganfall handeln.

Im lebendigen Dialog mit den Zuhörern erläuterte Dr. Bela Büki die wichtigsten Diagnosemöglichkeiten: „Die Beobachtung der Augenbewegung gibt erste wichtige Rückschlüsse auf die Ursache eines Schwindels. Entweder bewegen Betroffene die Augen in eine Richtung und schließen dann die Lider oder die Pupillen vollziehen leicht drehende Bewegungen. Aber auch Körperbewegungen mit geschlossenen Augen auf weichem Untergrund geben Aufschluss.“ Die Ursache dafür liegt darin, dass das Gleichgewichtszentrum zwar im Ohr liegt, die Augen allerdings davon abhängig sind, welche Botschaft von dort kommt und dann versuchen, über das Sehen gegen zusteuern.

Lagerungsschwindel, der bei positioneller Veränderung (im Schlaf umdrehen) auftritt, entsteht, wenn sich kleinste Steinchen im „Otholitenorgan“ (für das Erkennen linearer Bewegungen zuständig) lösen und in die Bogengänge (sie melden Drehbewegungen des Kopfes an das Gehirn) gelangen. Unangenehm, aber nicht hoffnungslos: Mittels spezieller Bewegungsabläufe können die abgelösten Steinchen verlagert werden, was die Symptome oft erleichtert. Dafür gibt es zwar medizinische Apparaturen, diese sind jedoch schwerfällig und teuer. „Bükl: „Verkehrte Purzelbäume simulierende Übungen - einzeln oder einige Zeit hindurch schaffen in den meisten Fällen Abhilfe.“

Entzündliche Ursachen für Schwindel im Ohr werden übrigens ‚klassisch‘ mit Injektionen behandelt. Wichtiger Nachsatz von Dr. Bela Büki: „Vitamin D-Mangel kann in vielen Fällen Auslöser für vom Gleichgewichtsorgan ausgehende Schwindelsymptome sein, ich habe vor einiger Zeit einen Zusammenhang entdeckt, der eine Forschungsgrundlage darstellt. Wir haben uns aus Angst vor Hautkrebs angewöhnt, die Sonne zu meiden und damit auch den wichtigsten Vitamin D-Lieferanten.“ Die gute Nachricht: weniger Sonnenhungrige haben die Möglichkeit, auf Vitamin D-Präperate aus der Apotheke zurückzugreifen.

Priv.-Doz. Dr. Bela Büki ist Oberarzt an der Klinischen Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten am Universitätsklinikum Krems.
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